Personalnot macht erfinderisch: Die Traditionsmetzgerei Hirschberger in Brennberg verabschiedet sich vom klassischen Verkauf über die Theke und setzt künftig auf einen digitalen „Smart Store“ mit Bezahlterminals. Ab Mitte August können Kundinnen und Kunden dort sieben Tage in der Woche rund um die Uhr im Selbstbedienungsmodus einkaufen.
Seit dem 06. Juni 2026 ist die Traditionsmetzgerei Hirschberger in Brennberg geschlossen. Aber dies wird nur von kurzer Dauer sein, denn das Geschäft wird Mitte August wieder eröffnen. Jedoch wird nichts mehr so sein, wie es einmal war: Die Metzgerei wird es dann nur noch als sogenannten Smart Store geben.
„Smart Store“ – ein cleverer Markt also? So ungefähr. Die Metzgerei wird die eingebaute Verkaufstheke entfernen und ausschließlich mit Kühlregalen ausgestattet, in denen die Waren liegen. Wer mit seiner Einkaufsliste zukünftig zur Metzgerei geht, kann sich die Produkte aus dem Regal nehmen und an der Selbstbedienungskasse (SB-Kasse) bezahlen. Der Grund für den radikalen Umbau: geeignetes Verkaufspersonal war einfach nicht zu finden.
„Es war aussichtslos“
Aber wie kommt diese Idee nach Brennberg? Seit 2005 betreiben Angelika und Klaus Schwarz die Metzgerei Hirschberger. Nachdem das Ehepaar keine neuen Angestellten für den Verkauf findet, stehen sie selbst lange hinter der Theke und kümmern sich nebenbei um die Produktion, die Auslieferung von Lebensmitteln an Gasthäuser, Betriebe und Vereine sowie um die Geschäftsführung. „Ich würde behaupten, es war nicht schwierig, Personal zu finden – es war eher aussichtslos“, sagt Klaus Schwarz, Inhaber der Traditionsmetzgerei. Auf Stellenausschreibungen habe kaum jemand reagiert und auch die persönliche Interaktion mit potenziellen Verkäuferinnen und Verkäufern sei erfolglos gewesen.

© Klaus Schwarz
Um den Teufelskreis aus fehlenden Arbeitskräften und den zusätzlichen Überstunden zu durchbrechen, entschließt sich das Paar, die Metzgerei neu zu verpachten und einen sogenannten Smart Store zu eröffnen. Diese Idee haben sie sich Paar Schwarz aus Fachzeitschriften des Metzgerhandwerks abgeschaut. „Bis heute sind es fast drei Jahre“, die sie mit der Planung verbracht haben, erklärt Schwarz.
Der neue Pächter des „Smart Stores“ ist Florian Hofrichter, aktueller Betreiber des Kleinsupermarktes „Kistenkrämer“ – einem Einzelhandelscontainer mit vielen regionalen Produkten wie Brot und Honig, bei dem Menschen 24 Stunden an sechs Tagen pro Woche Lebensmittel erwerben können. Auch das neue Projekt der Traditionsmetzgerei Hirschberger bietet ab Mitte August einen 24-Stunden-Service für sieben Tage in der Woche.
Wenn Spaziergänger nun an dem Gebäude der Traditionsmetzgerei vorbeigehen, sehen sie, dass der Umbau bereits im vollen Gange ist. Dort, wo die 25 Jahre alte Theke stand, soll ein Terminal mit Bar- und Kartenzahlung entstehen. Darin integriert ist auch ein sogenannter Cash Recycler. Dieser nimmt Bargeld an und gibt Wechselgeld zurück. „Das läuft alles vollautomatisch, ohne dass jemand vor Ort sein muss“, erklärt Florian Hofrichter.
Um gegen Diebstahl vorzugehen, wird der „Smart Store“ mit einem hochmodernen Kamerasystem, bei dem bereits ein Teil der Überwachung mit KI funktioniert, ausgestattet. Das System erkenne bestimmte Verhaltensmuster und prüfe täglich die Aufzeichnungen von selbst. „Jeden Diebstahl und jeden Vandalismus bringen wir zur Anzeige – da gibt es keine Kompromisse“, sagt der Pächter.
Doch was passiert bei einem technischen Ausfall des Terminals? Laut Florian Hofrichter werde er in diesem Fall sofort über das System informiert.
120.000 Euro – der Preis für die Digitalisierung
„Als mich Klaus Schwarz fragte, ob ich mir so ein Konzept überhaupt vorstellen könne, wurde mir klar, dass ich das unbedingt umsetzen wollte“, erzählt Hofrichter. Ein entscheidender Punkt für ihn war auch, dass sie kein Personal brauchen und damit auf Personalkosten und Lohnabrechnungen verzichten können. Das mache für ihn das Konzept wirtschaftlich tragfähig.
„Seither haben wir gemeinsam daran gearbeitet, das Ganze auf die Beine zu stellen“, sagt Hofrichter. Für den Umbau fallen Kosten in Höhe von rund 120.000 Euro an. „Das ist natürlich eine hohe Investition für mich, aber ich bin überzeugt, dass sie sich in vollem Umfang trägt“, sagt er.
Für die Kunden ändere sich bis auf den modernen Umbau und die Terminals kaum etwas. Die Preise der Produkte bleiben zunächst größtenteils gleich, jedoch soll es bei einzelnen Artikeln moderate Anpassungen geben. Auch weiterhin achten sowohl der Inhaber Klaus Schwarz als auch der Pächter auf langfristig haltbare Produkte. „Lebensmittel, die kurz vor dem Ablaufdatum stehen, werden wir zu einem reduzierten Preis anbieten – das ist fair gegenüber den Kunden und macht wirtschaftlich Sinn“, erklärt Florian Hofrichter. Zudem könne damit Lebensmittelverschwendung deutlich reduziert werden.

So sah die Traditionsmetzgerei vorher aus. © Klaus Schwarz
„Nur wer neue Wege angeht, kann neue Wege gehen“
Trotz eines Umbaus sollen die Fachkräfte, die bisher in der Metzgerei tätig sind – darunter zwei Metzger –, ihren Job nicht verlieren. „Die Besetzung bleibt gleich“, sagt der Inhaber.
Für Klaus und Angelika Schwarz fällt nun die tägliche Aufgabe des Bedienverkaufs – bei dem sie die Ware selbst einpacken und verkaufen – weg. „Diese Zeit kann jetzt für die Vorbereitung von Fleischsalaten, Sülzen, Aufstrichen etc. genutzt werden“, sagt er. Welche Aufgaben jedoch hinzukämen, seien die Verpackung und das Etikettieren sowie das Einräumen der Fleisch- und Wurstware für die Kühlregale. Die restlichen Lebensmittel räumt Florian Hofrichter in Zukunft bei Bedarf selbst ein.
Für Klaus Schwarz steht fest, dass mehrere Metzgereien diesen digitalen Weg gehen werden: „In Fachzeitschriften stellt sich in fast jeder Ausgabe eine Metzgerei vor, die ganz umstellt oder eine Hybridlösung, etwa durch den Bedienverkauf und SB-Kassen, wählt. Erst kürzlich habe ich einen Bericht gelesen, bei dem eine Metzgerei im niederbayerischen Niederwinkling komplett umgestellt hat.“
Dem schließt sich auch Pächter Florian Hofrichter an: „Ehrlich gesagt bin ich überzeugt, dass dieses Konzept weit über Metzgereien hinausgeht – das funktioniert in Bäckereien, beim Gemüsebauern, im Hofladen, in Gemeindezentren, einfach überall. Es braucht nur einen Raum und den Willen, es umzusetzen.“
Doch nicht nur die Metzgerei soll smarter werden: Im bisher als Kühlraum genutzten Nebenraum soll ein zusätzlicher barrierefreier Getränkemarkt entstehen. Hier können Kunden Softdrinks und alkoholische Getränke erwerben, nachdem die automatisierte Kontrolle der Zugangsberechtigung am Automaten abgeschlossen wurde.
Das Team der Traditionsmetzgerei habe auf die Nachricht, dass hier ein „Smart Store“ entstehen soll, gelassen reagiert. „Nur wer neue Wege angeht, kann neue Wege gehen“, sagt Klaus Schwarz.

Der Umbau ist in vollem Gange. © Florian Hofrichter
„Das ist kein Experiment mehr“
Der Gedanke an die Nahversorgung auf dem Land sei für Florian Hofrichter ein Antrieb gewesen, das Projekt gemeinsam mit Schwarz umzusetzen. In Bayern gäbe es hunderte von Orten, in denen die letzte Metzgerei oder Bäckerei schon vor Jahren zugesperrt habe. „Die Bewohner müssen nun für eine Packung Butter zehn bis fünfzehn Kilometer fahren. Das ist nicht zumutbar – weder für ältere Menschen noch für Familien mit Kindern. Und genau hier setzt unser Dorfladen an.“ Kunden bekommen künftig in Brennberg nicht nur Frischfleisch und Frischwurst direkt aus der Metzgerei, sondern auch frisches Obst und Gemüse, Backwaren, Eier, Kartoffeln sowie regionale Produkte aus der Gegend. Aber auch Konserven, Süßigkeiten, Eis, Tiefkühlprodukte, Bier, Wein und Säfte sollen in den Regalen zu finden sein. „Eben alles, was man im Alltag braucht. Gerade für den schnellen Einkauf zwischendurch oder wenn man abends merkt, dass man etwas vergessen hat, ist das Gold wert.“
„Ich sage das aus voller Überzeugung: Das ist kein Nischenprodukt und kein Experiment mehr. Das ist ein echtes Zukunftskonzept für den ländlichen Raum – und es wird kommen, egal, ob andere das jetzt schon sehen oder nicht“, sagt Hofrichter abschließend.
Ob sich seine Ansicht wirklich bewahrheiten wird, weiß niemand. Doch eines ist sicher: Die Traditionsmetzgerei Hirschberger in Brennberg bleibt weiterhin bestehen – nur etwas moderner, mit einer breiteren Auswahl an regionalen Produkten und das rund um die Uhr.
Ein Bericht von Sarah Solleder I filter Magazin