Der frühere Kaufhof am Neupfarrplatz steht weiterhin leer. Nun kritisiert die CSU den Umgang von Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger mit dem Thema und fordert mehr persönlichen Einsatz. Burger weist die Vorwürfe zurück: Die Stadt arbeite längst strukturiert an einer Lösung für das Gebäude.
Seit mehr als zwei Jahren ist für das ehemalige Galeria-Kaufhof-Gebäude in zentraler Altstadtlage keine neue Nutzung gefunden. Wie es mit der Immobilie weitergeht, beschäftigt Politik und Öffentlichkeit in Regensburg seit Langem. Im Wahlkampf hatte Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger angekündigt, das Thema zur „Chefsache“ zu machen. Nun kritisiert die CSU, dass bislang kein persönliches Gespräch mit dem Vertreter der Eigentümer stattgefunden habe. Burger widerspricht der Darstellung, beim Kaufhof herrsche Stillstand: Innerhalb der Stadtverwaltung seien Zuständigkeiten neu geordnet, Arbeitspakete verteilt und weitere Schritte definiert worden. Damit treffen unterschiedliche Vorstellungen darüber aufeinander, wie die Stadt bei dem Projekt vorgehen sollte.
CSU fordert persönliches Gespräch mit Eigentümervertreter
Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger hat im Wahlkampf angekündigt, den Kaufhof zur Chefsache zu machen. Wie medial berichtet, werden innerhalb der Verwaltung derzeit aber vor allem Arbeitspakete verteilt, statt persönlich Kontakt mit dem Verkäufer aufzunehmen. Laut Aussage von Rechtsanwalt Dr. Koch, dem Beauftragten der Eigentümerfamilie, ist trotz seines Gesprächsangebots bis heute keine Kontaktaufnahme seitens der Stadt zu diesem Thema erfolgt.
Etwas zur Chefsache zu erklären und dann nur verwaltungsintern zu agieren, heißt Stillstand und schadet der Altstadt.
CSU fordert persönlichen Einsatz von Burger
„Chefsache ist Chefsache. Ein Leerstand an dieser Stelle betrifft nicht nur ein einzelnes Gebäude, sondern das Herz unserer Altstadt. Auch wenn wir Verständnis dafür haben, dass am Anfang viel zu tun ist, duldet diese Angelegenheit keinen Aufschub.", erklärt Michael Lehner, Fraktionsvorsitzender.
Wie ernst es Burger tatsächlich ist, zeigt ein Blick zurück: Bereits am 3. Juni 2026 erklärte er öffentlich in der Mittelbayerischen: „Ich mache das Thema gerade zur Chefsache und werde in Kürze persönlich mit den beiden Eigentümervertretern sprechen." Vier Monate später ist von diesem persönlichen Gespräch nichts zu sehen.
Die CSU-Fraktion weist darauf hin, dass der Leerstand die gesamte 1-A-Lage rund um den Neupfarrplatz prägt. Weitere Monate des Stillstands kann und darf sich eine UNESCO-Welterbestadt nicht leisten.
„Wir erwarten vom Oberbürgermeister jetzt ein konkretes und öffentlich nachvollziehbares Zeichen: ein persönliches Gespräch mit dem Eigentümervertreter und einen klaren Zeitplan, wie es mit dem Gebäude weitergehen soll", so Lehner weiter.
Burger verteidigt sein Vorgehen
„Die Zukunft des ehemaligen Kaufhaus-Gebäudes ist und bleibt Chefsache. Seit Anfang Mai stehe ich an der Spitze der viertgrößten Stadt Bayerns mit zahlreichen Tochtergesellschaften und Beteiligungen. Zudem habe ich eine Verwaltung mit rund 4.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern übernommen. Es gab viel (neu oder anders) kennenzulernen, zu organisieren und zu ordnen, und es wurden bereits mehrere Projekte angestoßen. Aus meiner früheren Tätigkeit als Manager in der Industrie bin ich gewohnt, auch bei hohem Arbeitsaufkommen ziel- und ergebnisorientiert zu priorisieren. Wir haben bereits einiges erfolgreich umgesetzt oder vorangetrieben, beispielsweise durch Verwaltungsvereinfachungen wie der Abschaffung des Bau- und Vergabeausschusses und Effizienzsteigerungen bei Zuständigkeiten. Ferner wurden – was mir besonders am Herzen liegt – viele auch kleinere, aber sehr bürgernahe Themen angegangen, z. B. in den Bereichen Verkehr und Abfallwirtschaft. Aber auch dicke Bretter wurden bereits gebohrt: Das Haushaltspaket der Stadt Regensburg wurde frühzeitig bis zum Sommerende vorbereitet und mehrheitlich in der Koalition unter Berücksichtigung des vorgegebenen finanziellen Rahmens abgestimmt. Darüber hinaus werden wir die in den kommenden Jahren notwendige Haushaltskonsolidierung Ende September erstmals dem Stadtrat vorlegen.
So arbeitet die Stadt am Kaufhof-Projekt
Unsere wundervolle historische Altstadt und deren Fortentwicklung gehört zu den Großprojekten mit ganz klarer Prio 1. Das ehemalige „Kaufhof-Gebäude“ am Neupfarrplatz ist dabei ein Kernaspekt, der die Regensburger Bürgerinnen und Bürger wie auch mich sehr bewegt. Daher habe ich zusammen mit dem Team der Stadtverwaltung dieses wichtige Projekt in Angriff genommen und intern optimiert: Das organisatorische Setup wurde neu geordnet, konkrete Arbeitspakete wurden verteilt und werden im Rahmen unserer Strategie abgearbeitet. Das werden wir planmäßig fortführen. Das Projekt läuft stabil und absolut im Rahmen. Gerade bei größeren Vorhaben setzen wir konsequent auf dieses strukturierte und kontrollierte Vorgehen. Ferner führe ich zahlreiche Gespräche mit Personen außerhalb der Stadtverwaltung.
„Fundiertes Gespräch“ statt schneller Termin
Ebenso schätze ich den Austausch mit Menschen, die als treibende Kräfte für die Zukunft des ehemaligen „Kaufhof-Gebäudes“ stehen. Der Initiative Galeria für Alle und allen weiteren Akteurinnen und Akteuren danke ich herzlich für ihren Einsatz für unsere Stadt. Wer die Bearbeitung dieses Projekts lediglich auf ein Gespräch mit Herrn Dr. Koch reduziert, scheint die Komplexität der Thematik nicht im Blick zu haben. Mir ist ein fundiertes und ergebnisorientiertes Gespräch lieber als ein schneller Termin, der nur für eine Schlagzeile taugt.
Burger reagiert auf Kritik der CSU
Und ganz konkret zur Pressemitteilung der CSU-Fraktion: Ich kann hier keinen konstruktiven Beitrag zur Kommunalpolitik erkennen. Möglicherweise ist diese Mitteilung von einem Bedauern geprägt, dass die neue Koalition so erfolgreich und vor allem auf Augenhöhe ergebnisorientiert zusammenarbeitet und von dem Willen, die Zukunft unserer schönen Stadt gemeinsam zu gestalten, getragen ist. Vielleicht blitzt hier auch ein wenig Neid durch. ;-) Ich lasse mich jedenfalls von der medial inszenierten Aufregung der CSU nach wie vor nicht beeindrucken. Wäre die Stadtverwaltung der CSU gefolgt, wären wir der Aktion „Verkauf an einen Taxifahrer / Islamisches Kulturzentrum“ aufgesessen und hätten teures Lehrgeld aus öffentlichen Mitteln bezahlt. Wir treiben das Projekt auch zukünftig zielstrebig und nach unseren Regeln voran. Die nächsten Meilensteine sind definiert; die CSU-Fraktion ist nach wie vor zu einer konstruktiven Zusammenarbeit eingeladen.“
CSU-Stadtratsfraktion Regensburg / Stadt Regensburg / RNRed