Innovation in Deutschland gilt für viele als verlorene Stärke. Dass sich etwas ändern muss, ist klar. Doch bei genauer Betrachtung tut sich durchaus etwas. Abseits der großen Schlagzeilen entstehen auch in Regensburg spannende Projekte, von denen viele noch gar nichts wissen.
In den vergangenen Jahren hat sich die Stimmung international eingetrübt. Der Pessimismus aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheit und struktureller Herausforderungen ist auch in Deutschland spürbar. Immer wieder hieß es, die Bundesrepublik sei wirtschaftlich abgehängt, vom „Kranken Mann Europas“ war die Rede. Und ja, dass sich strukturell etwas ändern muss – etwa beim Bürokratieabbau oder bei der Stärkung der Wirtschaft – steht außer Frage. Doch ist die Ära deutscher Innovationen und des Erfindertums tatsächlich passé?
Wir haben uns in unserer Region umgeschaut und zahlreiche Projekte entdeckt, die Anlass geben, wieder optimistischer in die Zukunft zu blicken.
Innovationen entstehen in Regensburg an vielen Orten – von Hochschulen bis hin zu Unternehmen. Im Mittelpunkt stehen hier Projekte, die direkt von der Stadt Regensburg initiiert werden sowie Vorhaben, die an der TechBase vorangetrieben werden. Das R_Lab Mobilität bündelt die Kräfte beider Akteure: Gemeinsam mit dem Cluster Mobility & Logistics, dem das Stadtwerk.Regensburg und weiteren Partnern entstehen innovative Verkehrslösungen, die unter realen Bedingungen getestet werden.
Einige dieser spannenden Konzepte sind vielen noch weitgehend unbekannt – umso mehr lohnt sich ein Blick auf einige Projekte, die zeigen, wie innovativ und zukunftsweisend unsere Domstadt ist.
TechCampus II
Die Stadt Regensburg plant die räumliche Weiterentwicklung des Technologie- und Innovationsstandorts um einen zweiten TechCampus. Hierfür entsteht ein vollkommen neues Areal, in dem die zu erwartenden Innovations-Megatrends der 2030er Jahre Platz finden sollen. Aufwendige Marktanalysen deuten darauf hin, dass die in Regensburg bereits stark vertretenen Bereiche Green-Tech, Data Science/KI sowie die Lebenswissenschaften im Fokus stehen werden. Bei der Planung des neuen Innovationsquartiers wurden Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft einbezogen, um den TechCampus II gezielt auf die Bedürfnisse der Region auszurichten.
Neue Website zum Regensburger Innovationsökosystem
Im kommenden Jahr geht mit regensburg.works eine zentrale Online-Plattform für Regensburg online, die das gesamte Innovationsökosystem sichtbar machen soll. Sie zeigt auf einen Blick, welche Projekte, Initiativen und Akteure in den Bereichen Innovation, Start-ups, Forschung und Technologie aktiv sind.
Auf der Plattform kann jede bzw. jeder neue Ideen und laufende Projekte entdecken und sehen, wer daran arbeitet. Gleichzeitig erleichtert sie die Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung und zeigt, wie diese Innovation gemeinsam vorantreiben.
Ziel ist es, regionale Stärke zu bündeln, Talente zu gewinnen und zu halten, Start-ups zu unterstützen und die Innovationskraft unserer Domstadt erlebbar zu machen. Interessierte können sich dort informieren, vernetzen und aktiv an der zukunftsorientierten Entwicklung Regensburgs teilhaben.
Energieareal Regensburg OST (ERO)
Da Klimaschutz und Wirtschaftsförderung Hand in Hand gehen, wird im Sommer 2026 eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 11-Megawatt-peak (MWp) CO₂-freien Strom für den Gemeinschaftsstandort von AUMOVIO, Schaeffler und Siemens liefern. Das Leuchtturmprojekt ist deutschlandweit einzigartig und hat zwei Besonderheiten: Zum einen können sich Bürgerinnen und Bürger sowie Mitarbeitende direkt beteiligen und zum anderen gelangt der Strom per Direktleitung zu den Unternehmen.
Kreativareal Stadtlagerhaus
Rund um das Industriedenkmal von 1910 entsteht im Stadtosten ein neuer Zukunfts- und Arbeitsort, an dem Kreativität, Innovation und Wirtschaft zusammenkommen.
Auf der ersten Teilfläche des Kreativareals am Auweg entstehen bis Ende 2027 auf einer Fläche von über 5.000 Quadratmetern neue Räume für die Kultur- und Kreativwirtschaft. Die Stadt Regensburg und die das Stadtwerk.Regensburg GmbH haben in einem ko-kreativen Entwicklungsprozess ein zukunftsweisendes Konzept einer modernen Arbeitswelt erarbeitet, das die bestehende Gebäudestruktur der beiden Hallen bewahrt und gleichzeitig die Anforderungen der Branche berücksichtigt. Neben Werkstätten, Studios und Arbeitsflächen sollen Veranstaltungs- und Meetingspaces sowie ein gastronomisches Angebot entstehen – mit dem Ziel, einen innovativen Arbeits- und Communityort mit Strahlkraft über Regensburg zu schaffen. Das Projekt stärkt die Domstadt als Wirtschaftsstandort und fördert Innovation durch die Vernetzung von Kreativwirtschaft mit Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft.

© pexels / lilartsy
Regensburger KI-Führerschein
Der „Regensburger KI-Führerschein“ ist ein innovatives Lernangebot, das Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht, die Welt der KI selbst zu entdecken. Die Web-Anwendung soll sowohl jungen als auch älteren, deutsch- als auch englischsprachigen Menschen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen das Thema KI näher bringen – und das auf spielerische und leicht verständliche Weise. Die Lernreise dauert etwa 20 Minuten. Dabei durchlaufen die Lernenden sechs Stationen, in denen sie interessante Videos sowie praxisnahe Beispiele aus dem Alltag – mit starkem Bezug zur Region Regensburg – erwarten. Nach erfolgreicher Teilnahme erhalten die Teilnehmenden ein digitales Zertifikat mit Signalwirkung: den „Regensburger KI-Führerschein“.
Der Regensburger KI-Führerschein wurde im Rahmen des Reallabors für urbane Mobilität entwickelt.
Darüber hinaus entstehen im R-Lab Mobilität derzeit noch andere spannende Pilot-Projekte:
Projekt Smart Dynamic Public Lighting (SDP)
Die moderne Stadtbeleuchtung steht vor vielseitigen Herausforderungen: Sie soll energieeffizient, umweltfreundlich und sicher für den öffentlichen Raum sein. Das Projekt Smart Dynamic Public Lighting (SDP) setzt deshalb auf eine KI-gesteuerte, dynamische Lichtverteilung, die die Beleuchtung gezielt an den Bedarf anpasst. Praktisch bedeutet das, dass nur die Bereiche beleuchtet werden, an denen zu dieser Zeit Licht benötigt wird.
Das schafft nicht nur eine nachhaltige und energieeffiziente Beleuchtungslösung, sondern schützt auch Flora und Fauna durch eine minimierte Lichtverschmutzung. Auch der Verkehr soll durch eine bedarfsgerechte Ausleuchtung sicherer werden.
Projekt Digitale Analyse des ruhenden Verkehrs (DARuV)
Das Konzept zielt darauf ab, verstopfte Stadtzentren zu vermeiden und die Verwaltung der städtischen Infrastruktur zu erleichtern. Mithilfe der richtigen Daten können ökologische, wirtschaftliche und soziale Fragen besser beantwortet werden.
Im Reallabor am Galgenberg soll eine digitale Analyse des ruhenden Verkehrs durchgeführt werden, ohne dabei in die bestehende Infrastruktur einzugreifen. Dabei kommen datenschutzkonforme, mobile Multi-Sensoren (CITYSCANNER) zum Einsatz. Geplant sind vier bis fünf Befahrungstage.
Diese mobile Sensorik soll viele stationäre Sensoren ersetzen und damit keine riesigen Vorinvestitionen an Hardware erfordern. Gleichzeitig sollen die daraus gewonnen Daten Mobilitätsstakeholdern zur Verfügung gestellt werden, um daraus wertvolle Erkenntnisse, etwa für die Verkehrsplanung oder auch die Ableitung neuer Geschäftsideen zu gewinnen. Langfristig sollen diese Daten dann in den geplanten Mobility Data Hub integriert werden.
Projekt Resense 3D
An Verkehrskontenpunkten in Regensburg – wie zum Beispiel dem Galgenberg, dem Universitätsbusbahnhof oder der Kreuzung an der TechBase – können gefährliche Situationen entstehen, etwa durch eine hohe Personendichte, einen Verkehrsstau oder einen Unfall.
Das Ziel von Resense 3D ist es, hochwertige und datenschutzkonforme Daten zur aktuellen Verkehrssituationen zu erfassen. Erhoben wird zum Beispiel, wie schnell der Verkehr an bestimmten Stellen fließt oder wie sich Personen auf die einzelnen Busse verteilen. Das hilft zu verstehen, wie der Verkehr fließt. Anschließend werden diese Daten in ein 3D-Modell überführt. Damit können unter anderem gefährliche Situationen durch gezielte Verkehrssteuerung vermieden und der künftige Bus-Betrieb optimiert werden.
Am Beispiel der Zentrale Omnibushaltestelle (ZOH) „Universität Regensburg“ wird ein datenschutzkonformes 3D-Modell erstellt und die Verwertung dieser Daten für Entscheidungsprozesse in der Stadt- und Universitätsverwaltung sowie dem Stadtwerk.Regensburg getestet. Gleichzeitig soll die Erprobung vor Ort Akzeptanz für ein solches Sensorprojekt im öffentlichen Raum erhöhen.
Projekt Umweltsensorboxen
In einer Welt, die von Umwelteinflüssen und Klimaveränderungen geprägt ist, werden intelligente und smarte Lösungen im Bereich der Mobilität – insbesondere im städtischen Umfeld – immer wichtiger. Das Projekt der Umweltsensorboxen zielt deshalb darauf ab, Daten mit Hilfe von Umweltsensorik zu erfassen und auszuwerten.
Die Sensoren werden zum Beispiel an Bushaltestellen angebracht und messen dort etwa den Stickoxidgehalt, die Feinstaubbelastung, die Temperatur und die Feuchtigkeit. Über das Jahr hinweg soll geprüft werden, wie die Sensordaten sich verändern. Auch Abweichungen, die auftreten, wenn zum Beispiel ein Bus kommt, werden dokumentiert. Um ein Bild der gesamten Stadt zu erhalten, werden die Sensoren über die die Stadt hinweg verteilt.
Die Umweltsensorboxen sollen zudem energieautark laufen. Entwickelt wurden sie von der AVL Software and Functions GmbH. Gemeinsam mit R_NEXT verfolgen sie das Ziel, eine Landkarte von Umweltdaten zu erstellen, um daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten, die beispielsweise dabei helfen, Verkehrsströme smart zu steuern und so die Umweltbelastung zu reduzieren.
An diesen und vielen weiteren Ideen arbeiten kreative Köpfe in unserer Domstadt – Entwicklungen, die den Blick nach vorn lohnen und durchaus positiv stimmen, dass Regensburg Innovationsregion bleibt.
Marina Triebswetter I filter Magazin