Wald bedeutet für unterschiedliche Menschen ganz Verschiedenes. Für die einen ist er Holzlieferant, für die anderen ein unverzichtbarer Erholungsraum. Im Kampf gegen den Klimawandel gelten Wälder zudem als wichtige CO₂-Senken. Doch Bayerns Wäldern geht es längst nicht mehr gut. Sollen sie dem wachsenden Druck standhalten, brauchen sie nicht nur Wertschätzung, sondern auch konkrete Unterstützung.
Wald war wirtschaftlich gesehen lange nur eines: ein Rohstoff für die Holzproduktion. Doch aus dem Sämling einer Fichte, Kiefer, Tanne, Buche oder Lärche wächst weit mehr heran als nur ein Stamm, der irgendwann gefällt und zum aktuellen Holzpreis verkauft wird. Wälder sind nicht weniger als ein Geschenk der Natur: so vielfältig in ihrem Nutzen, dass ihr tatsächlicher Wert nur schwer in Zahlen auszudrücken ist und in klassischen Wertschöpfungsketten kaum berücksichtigt wird.
Doch in Zeiten von Klimawandel, Kriegen und steigenden Energiepreisen wird deutlicher denn je: Wald ist nicht nur Holz – er ist Wirtschaftskraft, Arbeitgeber, Klimaschützer und Kulturgut zugleich – und er steht unter Druck wie selten zuvor.
Wald als Produktionsfläche – ein Relikt der Vergangenheit
Fichten und Kiefern sind heute in ganz Deutschland weit verbreitet, obwohl sie in vielen Gegenden nicht heimisch und für einige Standorte nicht besonders geeignet sind. Der Grund liegt in der Vergangenheit: Ihr schnelles Wachstum und ihre hohen Erträge machten sie über lange Zeit zu einem ausgezeichneten Rohstofflieferanten für eine wachsende Bevölkerung.
Diesen Vorteil hat man bereits Ende des 18. Jahrhunderts erkannt. Die Menschen benötigten Holz zur Energiegewinnung für die Industrie sowie zum Bau und zum Beheizen ihrer Häuser. Der Bedarf war so groß, dass ganze Wälder gerodet wurden, was zu einem regelrechten Holznotstand führte. Ersatz musste her und sowohl die Fichte als auch die Kiefer waren hervorragende Rohstofflieferanten. So wurden sie großflächig angepflanzt – eine rein pragmatische Vorgehensweise, denn Waldökologie spielte aufgrund der damaligen Situation eine nachrangige Rolle und Begriffe wie Klimaresistenz oder Biodiversität gab es im damaligen Sprachgebrauch noch nicht.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stand Deutschland erneut vor enormen Herausforderungen. Städte lagen in Trümmern, der Wiederaufbau erforderte riesige Mengen an Bau- und Industrieholz. Hinzu kamen Reparationszahlungen an die Sowjetunion und die Alliierten, die zu großen Teilen in Form von Sachleistungen erbracht wurden – unter anderem durch den Rohstoff Holz. Wieder waren es Fichte und Kiefer, die diese Aufgabe erfüllten und damit nicht nur den Wiederaufbau ermöglichten, sondern auch zum wirtschaftlichen Aufstieg des Landes beitrugen.
Heute stehen wir vor einem Problem ganz anderer Art. Diesmal können unsere einstigen Verbündeten jedoch nicht helfen – denn nun sind es Fichte und Kiefer selbst, die ums Überleben kämpfen.

© Thurn und Taxis Forstwirtschaft
Waldwirtschaft in Zeiten des Klimawandels
Der Klimawandel bringt nie dagewesene Wetterereignisse mit sich – mit Stürmen und Starkregenfällen bis hin zu extremen Hitzewellen und Trockenperioden macht er weder Halt vor Landesgrenzen noch politischen Meinungen. Er kommt nicht irgendwann – er ist längst da und mit jedem Ereignis werden die Wälder mehr in Mitleidenschaft gezogen.
Dabei ist der Wald im Kampf gegen den Klimawandel unverzichtbar: Er nimmt CO₂ aus der Atmosphäre auf, speichert es langfristig im Holz und verbessert zugleich die Luft-, Boden- und Wasserqualität. Baumkronen und Böden kühlen die Umgebung, sie stabilisieren den Untergrund und verhindern Erosion. Weiterhin bieten Bäume Schutz und Unterschlupf für eine Vielzahl von Tieren, die ihrerseits wiederum das Ökosystem Wald funktionstüchtig halten. Den Menschen bieten Wälder Orte der Erholung und Entspannung. Schon ein einziger Baum erbringt eine Vielzahl solcher ökologischen Dienstleistungen, die zwar in keiner Wirtschaftsstatistik erfasst werden, deren Ausfall jedoch enorme gesellschaftliche und wirtschaftliche Kosten verursachen würde.
Das Problem: Wälder, die nur aus einer einzigen Baumart bestehen, können ihre vielfältigen ökologischen Funktionen nur eingeschränkt erfüllen. Tiere und Pflanzen haben in ihrer jeweiligen Umgebung genau definierte Aufgaben. Erst das Zusammenspiel aller Komponenten macht einen Wald zu einem stabilen, leistungsfähigen Ökosystem. Die einzelnen Elemente greifen ineinander wie kleine Zahnräder in einem Uhrwerk. Fehlt diese Vielfalt, gerät das System aus dem Gleichgewicht. Das zeigt sich besonders in den vielerorts verbreiteten Fichtenmonokulturen: Als reine Produktionsbestände angelegt, sind sie ökologisch instabil. Ihnen fehlt die nährstoffreiche Mischung aus Laub- und Nadelstreu, was häufig zu Bodenversauerung führt und Bodenorganismen sowie die Qualität von Sicker- und Grundwasser beeinträchtigen kann.
Aufgrund ihres hohen Wasserbedarfs können sie zudem in niedrigen Lagen und trockenen Ebenen nur schwer überleben. Der Klimawandel befeuert diese prekäre Situation zusätzlich. Schwindende Niederschläge, gepaart mit langen Trockenperioden, machen den Fichten schwer zu schaffen. Bereits heute sind vier von fünf Bäumen in Bayern krank. Kommt zusätzlich der Borkenkäfer ins Spiel, kann enormer Schaden entstehen. Die Schädlinge sind auf bestimmte Baumarten spezialisiert und finden in Fichtenreinbeständen ideale Bedingungen, da sie sich dort ohne größere Distanzen von Baum zu Baum ausbreiten können. Sind Bäume durch Wassermangel und Hitze zusätzlich geschwächt, haben sie kaum eine Überlebenschance. Somit kann es passieren, dass innerhalb weniger Wochen große Flächen vernichtet werden.
Das Waldsterben ist also nicht nur eine ökologische Katastrophe, sondern auch eine wirtschaftliche, denn nur ein gesunder Baum liefert einen hochwertigen Rohstoff.
Der Umbau zum Mischwald – ein Generationenprojekt
Schon seit Längerem werden daher große Anstrengungen unternommen, anfällige Reinbestände in robuste Mischwälder umzuwandeln. Fichten und Kiefern haben auch hier noch große Bedeutung, denn sie werden für die Holzproduktion dringend gebraucht. Doch weitere Baumarten wie Buchen, Tannen, Eichen und Lärchen sowie immer häufiger auch die robuste Douglasie sollen größere Vielfalt bringen und die Wälder ökologisch wertvoller und klimaresistenter machen. Das Konzept ist schlüssig. Doch Waldumbau ist kein schneller Prozess. Er erfordert Fachwissen, Erfahrung, finanzielle Mittel – und vor allem Geduld. Denn der Wald wächst nicht in Wirtschaftsquartalen, sondern in Generationen.
Forstwirtschaft – unverzichtbar für den Wald der Zukunft
Die Forstwirtschaft ist für den Umbau, die Pflege und die Bewirtschaftung von Wäldern unverzichtbar. Viele engagierter Försterinnen und Förster tragen mit ihrem Fachwissen dazu bei, gesunde Wälder zu erhalten und an die neuen klimatischen Bedingungen anzupassen. Einer dieser Förster ist Hubertus Freiherr von Eyb, der in Ebermannsdorf im Landkreis Amberg-Sulzbach seinen eigenen, rund 600-Hektar großen Privatwald pflegt und im Oktober 2025 mit dem Staatspreis für herausragende und nachhaltige Waldbewirtschaftung ausgezeichnet wurde. Den Wald hat er von seinem Vater geerbt und mit ihm die Überzeugung, dass ein Mischwald eine höhere ökologische und wirtschaftliche Bilanz verzeichnet als ein Reinbestand. Nachhaltigkeit wurde ihm sozusagen in die Wiege gelegt und eine naturnahe Bewirtschaftung ist für ihn selbstverständlich: „Die Auszeichnung kam für mich etwas überraschend, denn nach meinem Verständnis tue ich nichts Außergewöhnliches“, so von Eyb. „Ich bewirtschafte den Wald so, wie ich es von meinem Vater und von anderen Förstern gelernt habe. Das Schöne am Wald ist, dass ökologisches Arbeiten nicht automatisch teurer oder aufwendiger ist – im Gegenteil: Wenn man mit der Natur arbeitet, ist das am Ende sogar wirtschaftlich von Vorteil.“

Harvester bei der Thurn und Taxis Forstwirtschaft. © Thurn und Taxis Forstwirtschaft
Dabei reicht es nicht aus, den Wald sich selbst zu überlassen, denn unterschiedliche Pflanzen- und Baumarten haben unterschiedliche Bedürfnisse und müssen vor äußeren Einflüssen, wie Wildverbiss, geschützt werden. In Bayerns Wäldern, in denen natürliche Feinde weitgehend fehlen, findet Wild stets einen reich gedeckten Tisch vor. Rehe und Hirsche bevorzugen vor allem die zarten Triebe junger Bäume und können erheblichen Schaden anrichten. Ohne geregelte Abschussquoten könnte sich das Wild unkontrolliert vermehren und alle Bemühungen, Wälder ertragreich und widerstandsfähig zu gestalten, zunichtemachen. „Entscheidend ist, dass die Wildbestände auf ein verträgliches Niveau angepasst sind“, erklärt von Eyb. „Ebenso wichtig ist ausreichend Licht. Viele Wälder – gerade in der nördlichen Oberpfalz – sind noch immer sehr dunkel; der Boden erscheint grau oder höchstens leicht bemoost. Unter solchen Bedingungen kann kaum etwas nachwachsen. Hier müssen Bäume gezielt entnommen werden, damit das Licht bis auf den Boden durchdringen kann. Waldumbau bedeutet also immer eine Kombination aus Holznutzung und konsequenter Jagd.“
Gerade vor diesem Hintergrund kommt der Frage der Waldverjüngung eine besondere Bedeutung zu. Hubertus von Eyb setzt dabei zum Großteil auf die Natur: „Naturverjüngung – also die selbstständige Verjüngung des Bestands durch Samen der Altbäume – ist nicht nur kostengünstiger, sondern am Ende auch stabiler als das Pflanzen“, erklärt der Waldbesitzer. „Jede gepflanzte Jungpflanze bringt Nachteile mit sich: mögliche Wurzelverletzungen beim Setzen, schlechteres Anwachsen oder eine Überdüngung aus der Baumschule – was sie wiederum für Rehwild besonders attraktiv macht. Mit Naturverjüngung entsteht dagegen ein robusterer und besser angepasster Bestand.“
So ist von Eyb regelmäßig mit der Spraydose im Wald anzutreffen, um jene Bäume zu markieren, die entnommen werden sollen. Durch diese sogenannte Durchforstung erhalten die verbleibenden Bäume mehr Licht, Raum und Nährstoffe. Bei diesen gezielten Eingriffen achtet er darauf, unterschiedliche Baumarten und Altersstufen zu erhalten und gezielt zu fördern, um die Vielfalt im Bestand zu sichern und weiterzuentwickeln. Somit erhält Hubertus von Eyb nicht nur einen Wald, der ökologisch wertvoll ist, sondern auch Ertrag bringt.

Hubertus Freiherr von Eyb mit seinen Kindern. © KaulBY WBV
Wald als Wirtschaftsfaktor
Auch im Hause Thurn und Taxis ist der Wald ein wichtiges Standbein, ohne dessen Erlöse die Instandhaltung der Schlösser und Parks nicht möglich wäre. Mit rund 20.000 Hektar ist die Fürstenfamilie der größte Privatwaldbesitzer Deutschlands. Der Bestand besteht historisch bedingt noch überwiegend aus Fichten und Buchen. Doch auch hier wird seit einigen Jahren gezielt umgebaut. Das Einbringen anderer Baumarten wie Tanne, Traubeneiche, Esskastanie und Douglasie soll die Wälder vielfältiger und stabiler machen. Die Bewirtschaftung des Waldes erfolgt mit circa 35 Mitarbeitern sowie in Zusammenarbeit mit zahlreichen Dienstleistern aus Holzernte, Pflanzung, Pflege, Holzabfuhr und Wegebau. Somit kann der Forstbetrieb große Mengen an Holz erzeugen und arbeitet wirtschaftlich nachhaltig und profitabel: „90 Prozent aller Erlöse stammen aus dem Holzverkauf und decken üblicherweise alle Kosten, so auch Löhne und den wichtigen Waldumbau“, erklärt Forstbetriebsleiter Raoul Kreienmeier. Dieser Erfolg wirkt sich auch auf regionale Unternehmen aus: „Wir arbeiten ganz nach der Philosophie „Holz der kurzen Wege“. Als großer Holzproduzent in der Region versorgen wir vorrangig lokale, mittelständische Holzverarbeiter und Sägewerke. Unsere wichtigsten Kunden sitzen am Stadtrand von Regensburg oder abwärts der Donau und produzieren Schnittholz für den heimischen Holzbau. Zugleich versorgen wir den ländlichen Raum mit Brenn- und Energieholz.“
Trotz aller Wirtschaftlichkeit birgt das Geschäft jedoch auch Risiken. Hohe Erzeugungskosten – bedingt durch lange Produktionszeiträume, intensive Pflege und eine aufwendige Holzernte – treffen auf eine vergleichsweise geringe Wertschöpfung, denn das Holz wird im Forstbetrieb nur in begrenztem Umfang weiterverarbeitet und verlässt den Betrieb überwiegend als Rohstoff. Entsprechend gering fallen die Margen aus, da der erzeugte Rohstoff Holz auf dem Weltmarkt einem intensiven Wettbewerb unterliegt. Eine schlanke und agile Unternehmensstruktur ist daher unerlässlich, um gewinnbringend wirtschaften zu können.
Diese ist jedoch nur durch den Einsatz hochmoderner Helfer wie Harvester und Rückezug möglich. Harvester – auch Vollernter genannt – sind mächtige und hocheffiziente Forstmaschinen, die verwendet werden, um Bäume in Sekundenschnelle zu fällen und zu entasten. Anschließend werden die Stämme auf den Rückezug geladen und zur Forststraße transportiert. Auf Spaziergänger, die solch einen Vorgang beobachten, wirkt dies oft wie ein brutaler Eingriff in die Natur, dabei gehen die mächtigen Maschinen äußerst schonend zu Werke. Wo früher schwer beladene Pferdekutschen tiefe Rinnen im Waldboden hinterließen, verteilt sich das Gewicht dieser modernen Kolosse sehr gleichmäßig auf breiten Reifen. Die Entnahme hinterlässt so kaum Spuren und fördert gleichzeitig die Gesundheit des Waldes.
Auch bei den Bayerischen Staatsforsten steht eine klare ökonomische Ausrichtung im Fokus. Zwar erfüllt ein Staatswald in deutlich größerem Umfang Gemeinwohlfunktionen als ein Privatwald, dennoch ist er grundsätzlich darauf ausgelegt, sich selbst zu finanzieren: „Der Wald ist für uns selbstverständlich ein Wirtschaftsraum und damit ein zentraler Einnahmefaktor“, erklärt Sabine Bichlmaier, Leiterin des Forstbetriebs Kelheim, die mit 64 Beschäftigten rund 18.000 Hektar Wald betreut. „Als größter Forstbetrieb Europas sind die Bayerischen Staatsforsten ähnlich organisiert wie ein großes Unternehmen: Wir verfügen über ein Controlling-System, überwachen unsere Kosten, optimieren Abläufe, steigern die Effizienz und achten auf eine schlanke Personalstruktur.“
Darüber hinaus ist der Forstbetrieb Kelheim ein bedeutender Arbeitgeber in der Region. Sägewerke, holzverarbeitende Betriebe, Zellstoff- und Papierhersteller, die Möbelindustrie sowie zahlreiche weitere nachgelagerte Branchen sind auf gesunde und ertragreiche Wälder und eine verlässliche Holzversorgung angewiesen.
Neben wirtschaftlichen und sozialen Aspekten kommt dem Naturschutz eine herausragende Bedeutung zu. Ziel ist eine möglichst hohe Biodiversität, weshalb in allen Bereichen der Bewirtschaftung konsequent Rücksicht auf naturschutzfachliche Belange genommen wird. Zugleich erfüllt der Wald eine zentrale Funktion im Wasser- und Klimaschutz: Seine Böden wirken wie natürliche Filter und Speicher, die darunterliegende Grundwasserreserven vor Verunreinigung schützen und langfristig zur Trinkwasserversorgung beitragen.
Wirtschaftlichkeit und Ökologie schließen sich also nicht aus, sondern sind eine logische Folge guter Bewirtschaftung und zeigen, dass ein gesunder Wald Erholungsraum, Klimaschützer und Rohstofflieferant zugleich sein kann.
„Aktive Bewirtschaftung sichert eine hohe Biodiversität“, erklärt Sabine Bichlmaier. „In unserem Wald ist die Buche die natürliche Hauptbaumart. Sie ist jedoch sehr wuchskräftig und würde ohne Eingriffe andere Baumarten wie die Eiche verdrängen. Diese ist jedoch naturschutzfachlich äußerst wertvoll und dient als Lebensraum für zahlreiche Insekten und andere Arten. Daran zeigt sich: Bewirtschaftung ist nichts Negatives und darf nicht automatisch mit Kahlschlag gleichgesetzt werden – sie kann die Qualität eines wertvollen Waldes erhalten und sogar steigern.“

Wald in Bayern hat so viele schöne Gesichter - hier die Kiefern bei den Sanddühnen bei Altdorf. © filterVERLAG
Politische Ideologien jenseits der Realität
Politisch wird die Frage der Waldbewirtschaftung jedoch kontrovers diskutiert. „Der zunehmende Ideologiekampf auf gesellschaftlicher und politischer Ebene bereitet mir zunehmend Sorgen“, betont Raoul Kreienmeier.
Besonders deutlich wird dieser Konflikt an der Debatte um die zukünftige Holznutzung in Deutschland. Während die Holzbauinitiative der Bundesregierung Holz als klimafreundlichen, nachhaltig produzierbaren Rohstoff stärken will, fordern NGOs und Umweltbehörden auf nationaler wie europäischer Ebene immer weitergehende Nutzungsbeschränkungen und die Stilllegung heimischer Wälder. Kritiker sehen darin eine Abkehr von der in Deutschland traditionell verankerten multifunktionalen Forstwirtschaft hin zu einer räumlichen Trennung von Schutz- und Produktionsflächen nach amerikanischem Vorbild: hier der ungenutzte „gute“ Wald in Nationalparks, dort der Produktionswald in Form von Plantagen.
Der tatsächliche Holzbedarf verschwindet dadurch jedoch nicht. Vielmehr wird er zunehmend durch Importe gedeckt – häufig aus Ländern mit deutlich niedrigeren ökologischen Standards. Selbst international anerkannte Zertifizierungssysteme wie FSC werden je nach Land sehr unterschiedlich ausgelegt und erlauben teils großflächige Kahlschläge als etablierte Erntemethode. Vor diesem Hintergrund plädiert der Forstmeister für eine heimische, kontrollierte und transparente Holzproduktion als wirksamsten Beitrag zum internationalen Waldschutz.
Auch die oftmals überbordende Bürokratie macht den Forstunternehmen zu schaffen. „Ein Beispiel ist die neue EU-Entwaldungsverordnung (EUDR)“, so Kreienmeier. „Im Kern ist sie richtig – sie soll weltweit Entwaldung stoppen und den Handel mit Produkten aus Raubbau eindämmen. Für unsere Förster bedeutet dies jedoch immer mehr Zeit mit Formularen als mit Bäumen zu verbringen – und genau das schwächt am Ende die aktive Pflege und Klimaanpassung unserer Wälder. Paradoxerweise gewinnt man den Eindruck, man müsse das Eigentum Wald vor seinem Besitzer schützen. Das Gegenteil ist der Fall: Deutschland genießt international viel Anerkennung für seine hochentwickelte Form der Holznutzung. Eine Entwaldung hierzulande ist faktisch ausgeschlossen – das Formular muss dennoch ausgefüllt werden.“
Neue Freizeitangebote und gesellschaftlicher Druck
Ein oft unterschätzter Faktor im Wald ist der Mensch selbst. Steigende Freizeitnutzung, neue Sportarten und ein wachsender Erholungsdruck wirken sich zunehmend auf die Wälder aus: „Früher waren es wenige Jäger, Wanderer und Schwammerlsucher, die sich den Naturraum achtsam geteilt haben“, erklärt Raoul Kreienmeier. „Durch immer neue Freizeitaktivitäten hat sich die Beanspruchung der Natur verschärft. Downhiller bauen Trails durch den Wald, Geocacher verstecken „Schätze“ an den entlegensten Orten und an Sommertagen begehrt ein Sportverein nach dem anderen im Wald eine Lauf-, Rad- oder Orientierungsveranstaltung durchzuführen.“

Raoul Kreienmeier, Leiter Thurn und Taxis Forstwirtschaft. © Thurn und Taxis Forstwirtschaft
Auch Sabine Bichlmaier sieht beim Schutz der Wälder klaren Handlungsbedarf. Eine gezielte Besucherlenkung spielt dabei eine zentrale Rolle: „In Kooperation mit der Stadt Kelheim haben wir spezielle Mountainbike-Trails ausgewiesen. So versuchen wir, die Nutzung zu lenken und unkontrollierte Fahrspuren zu vermeiden.“ Dabei mahnt sie auch zur gegenseitigen Rücksichtnahme: „Die Spannungsfelder nehmen zu, weil mehr Menschen im Wald unterwegs sind, und nicht alle verhalten sich immer rücksichtsvoll. Wenn alle etwas aufeinander achten, können auch alle den Wald genießen.“

Sabine Bichlmaier, Leiterin des Forstbetriebs Kelheim. © Bayerische Staatsforsten
Der Wald als Gemeinschaftsaufgabe
Die Zukunft unserer Wälder darf nicht allein Aufgabe von Privatwaldbesitzern oder Staatsforsten sein, sondern sollte uns allen ein Anliegen sein. Dazu gehört die gemeinsame Verantwortung, den Wald zu schützen und den Rohstoff Holz bevorzugt aus nachhaltiger, heimischer Produktion zu beziehen.
Auf Försterinnen und Förster wartet dabei eine Mammutaufgabe. Der Wald der Zukunft wird vielfältiger, strukturreicher und widerstandsfähiger sein müssen. Seine zahlreichen Funktionen kann er nur dann erfüllen, wenn wirtschaftliche Anforderungen, ökologische Notwendigkeiten und gesell-schaftliche Ansprüche gemeinsam gedacht werden. Der wirksamste internationale Waldschutz beginnt dabei vor der eigenen Haustür – mit einer kontrollierten, transparenten und nachhaltigen Bewirtschaftung.
„Der Klimawandel wird uns zum Umdenken zwingen“, sagt Hubertus von Eyb. „Die Frage ist, ob wir proaktiv lernen oder erst reagieren, wenn es zu spät ist.“
Ein Bericht von Kathrin Gnilka I filter Magazin