Billige Lebensmittel haben ihren Preis, warnt Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Wer allein auf niedrige Kosten setzt, gefährdet Versorgungssicherheit, regionale Wertschöpfung und Europas Unabhängigkeit. Auf der Wintertagung in Wien fordert sie einen klaren agrarpolitischen Kurswechsel.
Billige Lebensmittel haben ihren Preis – und der könnte Europa teuer zu stehen kommen. Diese klare Warnung hat Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber heute auf der Wintertagung des Ökosozialen Forums in Wien ausgesprochen und den Stellenwert einer gesicherten Lebensmittelversorgung betont. Unter dem Leitthema „Schnäppchenjagd im Feinkostladen – der wahre Preis billiger Landwirtschaft“ machte sie deutlich: Wer heute nur auf den günstigen Preis schaut, gefährdet morgen Versorgungssicherheit, Wertschöpfung und Unabhängigkeit Europas.
Hohe Standards brauchen faire Bezahlung
Kaniber erinnerte daran, dass Landwirtinnen und Landwirte hohe Umwelt-, Tierwohl- und Qualitätsstandards erfüllen: „Billigste Lebensmittel zu absoluten Top-Standards sind eine Illusion“, erklärte die Ministerin. Und weiter: „Unsere Bäuerinnen und Bauern leisten Tag für Tag Großartiges. Sie produzieren hochwertige Lebensmittel nach höchsten Umwelt-, Tierwohl- und Qualitätsstandards. Wer diese Leistungen nicht fair bezahlt, riskiert Höfe, regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit. Wenn Betriebe aufgeben müssen, verlieren wir nicht nur Produktionskapazitäten, sondern ein Stück europäische Unabhängigkeit.“
Lieferketten sind verletzlich
Die Staatsministerin erinnerte daran, wie verletzlich internationale Lieferketten seien. Pandemie, Krieg in Europa und globale Spannungen hätten das eindrücklich gezeigt. „Ernährungssouveränität ist keine Ideologie“, so die Ministerin. „Sie ist eine Frage der Sicherheit. Große Mächte legen Lebensmittelvorräte an. Nicht aus Zufall, sondern als strategische Vorsorge. Wer seine Bevölkerung nicht selbst ernähren kann, macht sich erpressbar.“
Landwirtschaft als Teil der Sicherheitsarchitektur
Aus Sicht der Ministerin gehört die Landwirtschaft deshalb fest zur Sicherheitsarchitektur Europas. „Öffentliche Sicherheit beginnt nicht erst bei Polizei und Armee. Sie beginnt beim täglichen Brot, also unseren Bäuerinnen und Bauern“, betonte die Ministerin. Versorgungssicherheit sei ein zentraler Bestandteil der zivilen Verteidigung. Die Landwirtschaft bilde dafür die unverzichtbare Basis. „Der beste Panzer hilft nichts, wenn wir nichts zu essen haben“, ist Kaniber überzeugt.
Forderung nach agrarpolitischem Kurswechsel
Kaniber forderte einen klaren politischen Kurswechsel: weg von immer neuen Auflagen ohne ausreichende wirtschaftliche Absicherung – hin zu einer Agrarpolitik, die Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit zusammen denkt. „Wir brauchen einen klaren politischen Kurswechsel: weg von immer neuen Auflagen ohne wirtschaftliche Perspektive – hin zu einer Politik, die unsere Höfe stärkt“, appelliert die Ministerin. Und weiter: „Ich erwarte, dass wir der Landwirtschaft endlich den Stellenwert geben, den sie verdient. Sie ist nicht nur wirtschaftlich wichtig, sie ist systemrelevant und sicherheitsrelevant. Unser europäisches Agrarmodell ist kein Wettbewerbsnachteil – es ist unser strategischer Vorteil.“
Planungssicherheit für kommende Generationen
Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) – das zentrale Förderinstrument der Europäischen Union für die Landwirtschaft – müsse nach den Worten der Ministerin Planungssicherheit schaffen: „Eine zukunftsstarke Landwirtschaft bedeutet, dass Landwirte von ihrer Arbeit leben und investieren können. Nur so werden die Höfe an die nächste Generation weitergegeben.“
Appell für langfristiges Denken
Zum Abschluss mahnte die Ministerin, nicht kurzfristig zu denken: „Nur eine starke, praxisnahe und ausreichend finanzierte Landwirtschaft hält Europa resilient, souverän und wettbewerbsfähig. Wenn wir heute an unserer Landwirtschaft sparen, zahlen wir morgen mit Abhängigkeit, Instabilität und Verlust an Souveränität.“
Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus / RNRed