Im Triell haben die OB-Kandidatinnen und -Kandidaten über die Verkehrswende in Regensburg debattiert. Themen waren unter anderem die Stärkung von Bus und Radverkehr, die Situation von Pendlern und Stadtrandbewohnern, intelligente Ampelsteuerungen sowie die kontrovers diskutierte Sallerner Regenbrücke.
Die Grünen, die SPD und die CSU haben in einem Triell auf Augenhöhe auch das Thema Verkehrswende in Regensburg diskutiert. Es ging sowohl um aktuelle Herausforderungen als auch um ihre Pläne, wie der Verkehr in Regensburg künftig aussehen soll. Befragt wurden die Parteien, die in unserer nicht repräsentativen Umfrage vorne lagen.
Wie soll die Verkehrswende in Regensburg aussehen?
Der Verkehr soll raus aus der Innenstadt und der öffentliche Nahverkehr gestärkt werden. Doch noch ist das nicht geschafft – und viele Pendler sowie Landkreis- und Stadtrand-Bewohner fühlen sich abgehängt. Einige klagen auch über die Verkehrsführung rund um die Innenstadt und lange Wartezeiten an den Ampeln. Wie möchten Sie die Verkehrswende langfristig gestalten und wie sollte unabhängig davon kurzfristig reagiert werden, um auch der aktuellen Situation angemessen zu begegnen? Muss es wirklich ein „Individualverkehr gegen öffentlichen Nahverkehr“ sein?
Dr. Helene Sigloch: Meine Vision ist eine Stadt, in der man nicht aufs Auto angewiesen ist, sondern zu Fuß, mit Bus oder Fahrrad an alle wichtigen Orte kommt und wir keine Toten oder Schwerverletzten mehr durch den Straßenverkehr haben. Jedes Kind soll sicher alleine zur Schule oder zum Sportverein kommen, ältere Menschen flexibel unterwegs sein und Pendler ohne Auto in die Stadt gelangen. Langfristig bedeutet das: Umsteigen am Stadtrand, eine bessere Vernetzung mit der Schiene und ein ausgebautes Hauptradroutennetz.Der Bus ist aktuell eindeutig zu langsam und zu klein – zu den Stoßzeiten sind sie vollkommen überfüllt. Wir brauchen eine Spurvorrangschaltung an den Ampeln und dort, wo es einen Mischverkehr gibt, muss der Bus vor den Autos eingereiht werden.
Es gibt trotzdem Menschen, die in der Altstadt wohnen, Handwerker, Pflegedienste, Lieferdienste, die mit dem Auto in die Stadt müssen. Deshalb möchte ich auch niemandem verbieten, das Auto zu nehmen, aber es muss möglich sein, auch ohne klarzukommen. Und ich finde, wir sollten die Altstadt nicht zuparken, dafür haben wir die Parkhäuser.
Dr. Thomas Burger: Mobilität ist ein wesentlicher Standortfaktor von Regensburg. Wir müssen die Verkehrswende nach vorne bringen und dafür sorgen, dass mehr Menschen auf ökologische Verkehrsmittel umsteigen. Dafür müssen wir den ÖPNV stärken. Er wird dann genutzt, wenn er einfach ist und mich in endlicher Zeit da hinfährt, wo ich hin will. Daher müssen wir die Taktung erhöhen, das Netz verdichten und die Stammstrecke stärken. Das wäre eines der Argumente der Stadtbahn gewesen, doch da diese nicht kommt, muss man sich ein anderes System überlegen.
Im Rahmen der Verkehrsplanung sind auch kurzfristige Maßnahmen wichtig: Es muss den Fahrenden klar sein, wie sie in endlicher Zeit beispielsweise zum Peterswegparkhaus kommen. Das muss gut kommuniziert werden.
Zudem bin ich für eine Trennung der Verkehrsträger: Wenn sich nicht alle die gleichen Quadratmeter teilen, funktioniert alles besser. Radrouten müssen schneller ausgebaut werden, denn wenn der Radverkehr gut, praktisch und einfach ist und es Abstellmöglichkeiten gibt, wird auch eher darauf umgestiegen.
Es soll eine intelligente Verkehrsberuhigung entstehen – die mithilfe von Steuerungs- und Logistiksystemen erreicht werden kann – es geht nicht darum, einfach alles zuzusperren. Etwa Bewohnerinnen und Bewohnern oder Hotelgästen muss es möglich sein, weiterhin in die Stadt reinfahren zu können. Wichtig ist kurz- und langfristig der Dialog mit den Betroffenen, sprich Unternehmen, Hotelbetreibern oder Bewohnern der Innenstadt, vor Ort. Ein gutes Verkehrskonzept kann auch die Aufenthaltsqualität in der Stadt und damit den Einzelhandel stärken.
Dr. Astrid Freudenstein: Wir werden zügig die völlig unsinnige Ost-West-Sperre am Bahnhof aufheben. Das ist die dümmste Verkehrsmaßnahme seit den Meierhütchen (Anm. d. Red.: ugs. verwendete Absperr Poller bzw. Verkehrshütchen, die in den 90er-Jahren unter OB Christa Meier im Zuge von Verkehrsberuhigungsmaßnahmen im Stadtzentrum aufgestellt wurden), weil es einen wahnsinnigen Umfahrungsverkehr verursacht und den Verkehr mitten durch die Altstadt über den Emmeramsplatz leitet – und genau zu den Staus führt, die vorher angesprochen wurden. Zudem nimmt es dem Raum Frequenz und schmälert das Sicherheitsgefühl in dem Bereich.
Außerdem muss die Sicherheit in den Bussen erhöht werden – zum Beispiel durch Videoüberwachung. Viele fahren nicht gern Bus, weil sie sich dort unwohl fühlen. Aktuell setzen wir bereits Sicherheitsdienste ein. Wir hoffen aber auch, dass die Videoüberwachung bald flächendeckend in Bussen kommt.
Wir planen Verbesserungen für Fuß- und Radverkehr, etwa am Holzgartensteg, um die Altstadt mit dem nördlichen Stadtteil zu verbinden. Gleichzeitig möchten wir die Altstadt nicht vom Straßenverkehr abriegeln, weil sie von Kundinnen und Kunden lebt. Wenn man in Reinhausen plötzlich die Hauptzufahrt zur Maschinenfabrik und zum Milchwerk dicht machen will, dann frage ich mich, welcher Ideologie so etwas entspringt.
Dr. Thomas Burger: Wir müssen auch über die Stadt hinaus denken: Flussquerungen sind immens wichtig und darum erachte ich die umstrittene Sallerner Regenbrücke als sinnvoll. Wenn jemand dagegen ist, dann müssen Alternativen benannt werden.
Dr. Astrid Freudenstein: Die Sallerner Regenbrücke ist für unsere Wirtschaft elementar, da viele Fachkräfte aus dem Umland nach Regensburg kommen. Zudem müssen auch Lieferverkehre reibungslos funktionieren. Für das alles brauchen wir eine vernünftige verkehrliche Anbindung von Norden her.
Dr. Helene Sigloch: Meiner Meinung nach ist die Sallerner Regenbrücke eine Verschwendung von Steuergeld – ein Dinosaurierprojekt, das aus der Zeit gefallen ist und nicht in unsere zukunftsgerichtete Mobilitätspolitik passt.
Gleichzeitig gibt es Themen, die dringend angegangen werden müssen: Tempo 30 zum Beispiel, vor allem vor Schulen, um Schulwege sicherer zu machen. Aktuell ist die Verkehrssituation an manchen Stellen, zum Beispiel der Kreuzschule, sehr unübersichtlich.
Marina Triebswetter I filter Magazin