Im kleinen Triell haben die OB-Kandidatinnen und -Kandidaten von CSU, SPD und Grünen diskutiert, wie Leerstände in der Innenstadt bekämpft werden können, wie es mit dem prominentesten Leerstand – dem ehemaligen Galeria Kaufhof-Gebäude – weitergehen soll und mit welchen Mitteln die Innenstadt insgesamt attraktiver gestaltet werden kann.
Am 08. März sind in Regensburg Wahlen. Die Bürgerinnen und Bürger entscheiden dann auch, wer neue Oberbürgermeisterin bzw. neuer Oberbürgermeister der Stadt wird. Wir haben die Kandidatinnen und Kandidaten der drei Parteien in die filter-Redaktion eingeladen, die in unserer nicht repräsentativen Umfrage vorne lagen: Grüne, CSU und SPD. Mit ihnen haben wir unter anderem über die Gestaltung der Innenstadt sowie das leerstehende Galeria Kaufhof-Gebäude inmitten des Neupfarrplatzes gesprochen.
Innenstadt & Leerstände, Stadtentwicklung
Der ehemalige Galeria-Kaufhof scheint sinnbildlich für den Wandel der Innenstadt zu stehen. Zahlreiche Leerstände verstärken die Sorge vor einem Innenstadtsterben. Wie möchten Sie den Leerständen konkret entgegenwirken und wie kann besonders das Areal am Neupfarrplatz sinnvoll genutzt werden?
Dr. Astrid Freudenstein: Ich würde mir wünschen, dass wir zumindest Geld im Haushalt bereitstellen, um es kaufen zu können, falls kein passender Investor kommt. Im jüngsten Vorschlag der Oberbürgermeis-terin ist kein einziger Euro enthalten, um das zu tun – dann frage ich mich, warum Kaufverhandlungen laufen. Meine Vision wäre, das Gebäude abzureißen. Wir können in allen anderen Städten beobachten, dass es in ganz Deutschland mit diesen Gebäude aus den 70er Jahren Kaufhauspleiten gibt. Die zwei Untergeschosse in der Erde muss man lassen, das wäre nicht zu finanzieren. Alles, was drauf ist, würde ich – wenn ich mir etwas wünschen dürfte – kleinteilig mit einer Mischung aus Handel, Dienstleistung, Gastro und Wohnen bebauen.
Dr. Helene Sigloch: Um die Altstadt zu beleben, ist die Aufenthaltsqualität entscheidend: Weniger Parkplätze, mehr Grün, Schatten und Wasserflächen führen dazu, dass die Menschen sich gerne in der Stadt aufhalten. Das steigert die Verweildauer, fördert die Kauflaune und unterstützt so den Einzelhandel.
Bei der Gewerbeförderung sollte die Verwaltung Genehmigungsprozesse erleichtern, statt Läden mit häufig undurchsichtigen oder komplexen Auflagen zu belasten.
In Bezug auf den Kaufhof sollte man sich nicht nur die Frage stellen, ob es einen Investor gibt oder die Stadt das Gebäude kauft, sondern ein konkretes, langfristiges Konzept aufstellen und sich überlegen, wo man das Geld hernimmt.
Dr. Thomas Burger: Regensburg hat eine ungeheuer attraktive Innenstadt, wir müssen sie aber fit für die Zukunft machen. Dazu gehören eine gute Aufenthaltsqualität, Grünflächen, Wasser und Freisitze. Ich bin auch dafür, dass parkende Autos raus aus der Fläche und rein in Quartiersgaragen verlagert werden, zum Beispiel bei der Mobilitätsdrehscheibe. Wir haben zwar eine recht hohe Fluktuation im Einzelhandel, aber kein grundsätzliches Leerstandsproblem. Es wirkt manchmal anders, weil Geschäfte schließen, doch gleichzeitig kommen immer wieder neue nach.
Ein Problem ist natürlich der Leerstand im ehemaligen Galeria Kaufhof Gebäude. Hier müssen wir uns kümmern und kommunizieren, dass das Chefsache ist. Wir brauchen eine gemischte Nutzung aus Gastronomie, Orten der Begegnung und des Handels sowie Konzepte wie eine Bibliothek der Zukunft. Wir brauchen einen Käufermagneten: Darum würde ich gerne mit verschiedenen Menschen sprechen, die tolle Konzeptideen haben – und diese an einen Tisch bringen. Wichtig ist, dass die Stadt als Zwischeneigentümer auftritt und sichert, dass der Charme von Regensburg mit kleinen, bunten Geschäften erhalten bleibt.
filterVERLAG: Es sind sich im Prinzip alle einig, dass es mehr Begrünung, schattige Sitzplätze und Wasser in der Stadt braucht. Dennoch ist noch nicht viel in der Richtung passiert. Woran liegt das?
Dr. Astrid Freudenstein: Am Neupfarrplatz befindet sich zum Beispiel einfach keine Erde. Zudem liegen unter dem Platz historische Grundierungen, die erhalten bleiben sollen. Deshalb können dort keine echten Bäume gepflanzt werden.
Dr. Thomas Burger: Man kann aber mit mobilen Elementen, wie denen, die wir jetzt haben, Abhilfe schaffen.
Dr. Astrid Freudenstein: Die sind aber grauenhaft, es sollte schon hochwertiger für unsere schöne Stadt sein.
Dr. Thomas Burger: Mobile Elemente können kurzfristig Abhilfe schaffen und später wieder versetzt werden. In Bukarest oder anderen Städten wird etwa mithilfe von Photovoltaik ein Wassernebel generiert, während das ablaufende Wasser in eine Grünanlage geleitet wird. Das ist nur ein Beispiel für innovative Wasser- und Kühlungslösungen.
Dr. Helene Sigloch: Die Bäume in den Pflanzkübeln spenden auch ein wenig Schatten, aber nicht vergleichbar mit grossen gepflanzten Bäumen, die auch die Innenstadt deutlicher abkühlen würden. Die Stadt wird in einem Pilotprojekt den Neupfarrplatz mit Fake-Bäumen ausstatten: Das sind Drahtgestelle, an denen Pflanzen hochranken und die automatisch bewässert werden – davon erhoffe ich mir Verdunstung und eine große Schattenfläche. An anderen Stellen in der Stadt muss es aber auf jeden Fall möglich sein, Bäume zu pflanzen. Manchmal ist unklar, wo im Boden die Leitungen verlaufen, aber das ist ein Problem, das lösbar sein muss.
Marina Triebswetter I filter Magazin