Im Vorfeld der anstehenden Wahlen rücken verschiedene Themen in den Fokus. Eines, das die Regensburgerinnen und Regensburger besonders bewegt, ist die Sicherheit im öffentlichen Raum. Wie sicher ist aktuell der Regensburger Bahnhof – und was kann oder muss noch getan werden? Darüber diskutieren die OB-Kandidaten von CSU, Grünen und SPD im Triell.
Die Sicherheit am Regensburger Hauptbahnhof beschäftigt die Bürgerinnen und Bürger seit Jahren. Wie ist die Lage derzeit? Was wurde bereits verbessert, und wo besteht weiterhin Handlungsbedarf? Diese Fragen haben wir im Triell im filterVERLAG den OB-Kandidatinnen und -kandidaten von Grünen, CSU und SPD gestellt. Eingeladen wurden die Parteien, die in unserer nicht repräsentativen Umfrage vorne lagen.
Sicherheit im öffentlichen Raum: Die Lage am Regensburger Bahnhof
Neben Wohnraum spielt auch das Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum eine große Rolle. Obwohl bereits einige Maßnahmen ergriffen wurden, wird besonders der Bahnhof sowie der Bereich Maximilianstraße von vielen Personen als unsicher wahrgenommen. Wie bewerten Sie die Sicherheitslage rund um den Bahnhof aktuell – und was würden Sie als künftige/r OB konkret tun, um Sicherheit und Sicherheitsgefühl weiter zu verbessern?
Dr. Helene Sigloch: Die Lage am Bahnhof hat sich mittlerweile spürbar entschärft. Allerdings wurde manches Problem nur verdrängt, etwa Drogenhandel, der sich Richtung Römermauer und südliche Maximilianstraße verlagert hat. Wir müssen daher nicht nur überlegen, wo wir das nicht haben wollen, sondern auch, wo es uns am wenigsten stört. Das fehlt mir in dieser Debatte. Was am meisten hilft, ist Belebung. Im Fürst-Anselm-Park wird etwa der Brunnen saniert und eine Tanzfläche installiert, sodass abends Menschen dort verweilen – das erhöht das Sicherheitsgefühl.
Obwohl der Bahnhofsplatz eine Aufwertung erfahren hat, da keine Autos mehr durchfahren, hat er dennoch keine Aufenthaltsqualität: Er hat keine Sitzmöglichkeiten, keinen Schatten, wer auf den Zug wartet, kann sich dort kaum aufhalten. Wenn sich Leute dort aufhalten können, steigt wieder das Sicherheitsempfinden. Außerdem halte ich Taxigutscheine für Frauen in der Nacht für sinnvoll – wir schlagen zwei Gutscheine pro Monat à zehn Euro für den Stadtbereich vor – und langfristig eventuell auch für den Landkreis.
Dr. Thomas Burger: Sicherheit hat zwei Seiten: Statistik und Sicherheitsgefühl. Durch pragmatische und sachorientierte Zusammenarbeit mit der Polizei hat sich im Bahnhofsumfeld statistisch gesehen vieles verbessert. Man weiß auch, dass die Kriminalität häufig innerhalb einer bestimmten Blase erfolgt, unbeteiligte Passantinnen und Passanten sind seltener betroffen. Dennoch sehe ich den Verdrängungseffekt in die Albertstraße. Gleichzeitig muss das Sicherheitsgefühl weiter erhöht werden.
Neben kriminellen Menschen gibt es am Bahnhof auch diejenigen, die ein Problem haben. Drogenabhängige handeln nicht, weil sie das spannend finden, sondern weil sie krank sind. Dennoch erzeugen sie bei anderen Menschen ein Gefühl von Unsicherheit. Deshalb möchte ich Drogenkonsumräume einführen, das können wir aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen in Bayern jedoch noch nicht. Als SPD-Fraktion haben wir dafür gekämpft, Streetworkerstellen mit auszubauen.
Zum Bahnhofsvorplatz bekomme ich viele Rückmeldungen, dass sich die Situation verbessert hat. Es gilt: Wir brauchen mehr Frequenz durch Fußgänger und Radfahrer – ein vorbeifahrendes Auto bringt keine Sicherheit – das sagt auch die Polizei.
Dr. Astrid Freudenstein: Zum einen sind die Zahlen der Straftaten weiterhin hoch und zum anderen waren wir zu langsam in der Reaktion. Die CSU hat ein dreiviertel Jahr lang der OB geschrieben und immer die Antwort erhalten, dass es kein Sicherheitsproblem am Bahnhof gebe. Ein Bahnhof hat die Aufgabe, verschiedene Verkehrsträger zusammenzuführen. Wenn ich mir als erste und einzige Stadt überlege, den Bahnhof verkehrszuberuhigen und ihm eine Erholungsfunktion zuzuschreiben, muss das schiefgehen, weil niemand seinen Sonntag am Bahnhof verbringt.
Wir haben durch die Ost-West-Sperre Frequenz rausgenommen und eine Brache geschaffen, die von kriminellen Personen besetzt wurde. Für sie sind Polizei und Justiz zuständig. Sie müssen wir ganz klar von Obdachlosen und Suchtkranken unterscheiden, die sich ebenfalls am Bahnhof aufhalten, aber keine Täter sind. Diesen müssen wir helfen und dafür habe ich die Ausgaben für Streetwork im vergangenen Jahr verdoppelt.
Die Ausländerbehörde ist meiner Meinung nach am Bahnhof nicht gut untergebracht, da wir davor einen veritablen Drogenhandel haben. Wir brauchen Frequenz im Raum, dafür wäre vielmehr die Bebauung des Interims-ZOB wichtig und gut.
Dr. Thomas Burger: Ich möchte jetzt mal mit einem Märchen aufräumen: Niemand hat den Bahnhof verkehrsberuhigt.
Dr. Astrid Freudenstein: Was soll er sonst sein? Das steht doch auch in all euren Konzepten.
Dr. Helene Sigloch: Es wurde aber nicht der Bahnhof an sich, sondern der Außenbereich verkehrsberuhigt. Und wenn von einer allgemeinen Verkehrsberuhigung die Rede ist, suggeriert dies, dass man den Bahnhof nicht mehr anfahren kann.
Dr. Astrid Freudenstein: Der Plan war dass wir am Ernst-Reuter-Platz ein Regensburger Kultur- und Kongresszentrum (RKK) mit Tiefgarage bauen, die in Ost/West-Richtung offen bleibt und dann wird oben der Bereich um die Bahnhofstraße für den Verkehr gesperrt. Das war ein Dreierbeschluss. Das RKK wurde abgelehnt, die Tiefgarage nie gebaut und dann hat man oben trotzdem zugesperrt – deshalb ist das ja so sinnfrei.
Dr. Thomas Burger: Ziel war es, den Durchgangsverkehr umzuleiten, sodass der Busverkehr rund um den Interims-ZOB besser funktioniert – und wenn man sich mit Bahnhöfen beschäftigt, weiß man, dass Hol- und Bringverkehr in der Regel immer von derselben Seite kommt, wo er wieder wegfließt. Die, die vorbeifahren, wollen eigentlich woanders hin.
Marina Triebswetter I filter Magazin