Händeringen um Arbeitskräfte in Regensburg: Die Zahl der Studierenden nimmt seit längerer Zeit weiter zu, Ausbildungsplätze hingegen bleiben unbesetzt. Doch inwiefern kann sich dieser Wandel noch als nachhaltig erweisen? Der Pressesprecher der Agentur für Arbeit, Robert Brüderlein, klärt auf.
Unbesetzte Ausbildungsplätze, volle Hörsäle: In Regensburg und der Region ist der Mangel an Auszubildenden deutlich spürbar. Zahlreiche Betriebe suchen händeringend Nachwuchs. Die Situation stellt nicht nur einzelne Branchen, sondern auch die regionale Wirtschaft vor große Herausforderungen. Während die Lehrstellen teilweise kaum besetzt werden können, vergrößern sich die Hochschulen immer weiter. Kann sich Regensburg als Studentenstadt noch zu einer Ausbildungsstadt entwickeln?
Im vergangenen Berufsberatungsjahr vom 01. Oktober 2024 bis 30. September 2025 wurden der Agentur für Arbeit 1.650 freie Ausbildungsstellen für die Stadt Regensburg gemeldet. „Das waren 466 weniger als im Vorjahreszeitraum“, erklärt Robert Brüderlein, Pressesprecher der Agentur für Arbeit in Regensburg. Zwar konnten viele Betriebe Auszubildende finden, dennoch blieben 228 Ausbildungsplätze unbesetzt. Im Landkreis wurden 1.227 freie Ausbildungsstellen gemeldet – 133 weniger als im Vorjahr. Hier war die Lücke an fehlenden Auszubildenden jedoch größer: 343 Ausbildungsstellen konnten nicht besetzt werden.
Branchen im Kampf um den Nachwuchs
Besonders betroffen vom Mangel an Auszubildenden seien in der Domstadt das Gastgewerbe und der Einzelhandel. In der Region würden vor allem der Handel und der Lagerbereich dringend Nachwuchs suchen. „Grundsätzlich haben aber nahezu alle Branchen Probleme, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen“, so Brüderlein. Zudem stieg im vergangenen Jahr die Arbeitslosenquote: Laut der Agentur für Arbeit sei die Arbeitslosenquote in der Stadt Regensburg von 4,3 Prozent (Stand 2024) auf 5,0 gestiegen. Im Landkreis gab es ebenfalls einen Anstieg, wenn auch moderater, von 2,7 auf 3,1 Prozent. Trotz der leichten Zunahme bleibt die Arbeitslosenquote – im Verhältnis zu anderen Städten mit derselben Anwohnerzahl – niedrig und zeigt, dass es in der Domstadt wenig Arbeitslose gibt. Dennoch bleibt der Arbeitsmarkt angespannt und die Betriebe müssen um den (potenziellen) Nachwuchs konkurrieren.

Portrait von Robert Brüderlein © Robert Brüderlein
Wenn Hörsäle wachsen und Ausbildungsplätze leer bleiben
Die Frage, warum viele junge Menschen keine Ausbildung mehr absolvieren wollen, beschäftigt auch die Agentur für Arbeit. Robert Brüderlein sieht einen Grund in den Bildungsmöglichkeiten: „Die duale Ausbildung hat mit Sicherheit an Attraktivität gewonnen. Die Rahmenbedingungen, wie beispielsweise einfache Bewerbungsverfahren, Telearbeit und die Verdienst- und Karrieremöglichkeiten haben sich deutlich positiv entwickelt.“ Dennoch entscheiden sich viele für ein Studium in der Domstadt. An der OTH Regensburg waren zum Wintersemester 2025/26 insgesamt 11.134 Menschen eingeschrieben. Im vergangenen Jahr, zum Wintersemester 2024/25, lag die Zahl der Studieren den nur bei 11.064. An der Universität Regensburg studieren im Wintersemester 2024/25 insgesamt 20.635 Menschen. Laut der Studierendenstatistik sank die Zahl jedoch im Wintersemester 2025/26 auf 19.437.
Die Stadt und der Landkreis stehen somit vor großen Herausforderungen: Obwohl es noch freie Ausbildungsplätze gibt, bleiben viele unbesetzt. Branchenübergreifend kämpfen Ausbildungsbetriebe um den wenigen Nachwuchs, während Regensburg weiterhin den Status „Studentenstadt“ behält. Die Betriebe müssen mit neuen Ideen und innovativen Konzepten werben, um auch langfristig die regionale Wirtschaft durch genügend Nachwuchs zu stärken.
Sarah Solleder I filter Magazin