In Regensburg und der Region steigt die Zahl der Auszubildenden im Handwerk leicht an – dennoch bleibt der Fachkräftemangel spürbar. Mit kreativen Projekten, Schnupperangeboten und Jobmessen versucht die Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz junge Menschen zu gewinnen – während sich manche Ausbilder fragen, ob sich Azubis noch lohnen würden – zeitlich und finanziell.
In Regensburg und dem Landkreis ist seit Jahren vom Mangel an Auszubildenden die Rede. Aktuell zeichnet sich jedoch ein leichter Aufwärtstrend ab. Wir haben mit der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz darüber gesprochen, mit welchen kreativen Maßnahmen Unternehmen versuchen, Lehrlinge zu gewinnen und warum gleichzeitig immer mehr Handwerksbetriebe davor zurückschrecken, überhaupt Ausbildungsstellen anzubieten.
Zwischen Realität und Hoffnung
Laut dem Bayerischen Handwerkstag (BHT) konnten im Ausbildungsjahr 2024/25 bayernweit rund 7.400 Stellen nicht besetzt werden – das entspricht 23 Prozent der angebotenen Plätze. Dennoch zeigt sich ein leichter Aufwärtstrend in Ostbayern: 2025 haben über 5.000 Menschen eine Ausbildung im Handwerk begonnen – ein Plus von 3,36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine aktuelle Statistik der Handwerkskammer (HWK) zeigt, dass mittlerweile vor allem in Regensburg und dem Landkreis die Berufe Kraftfahrzeugmechatroniker, Elektroniker und Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik immer beliebter werden. In der Stadt seien außerdem Friseure besonders gefragt. Sowohl in der Stadt Regensburg als auch im Landkreis schlossen 2024 rund 800 Auszubildende ihre Ausbildung ab. Die Zahl der Absolventen hat sich in den vergangenen zehn Jahren kaum verändert: 2014 absolvierten 773 Auszubildende ihre Ausbildung in Regensburg – im Landkreis waren es rund 800. Trotz diesem gleichbleibenden Wert sind Lehrlinge mehr gefragt denn je – der Grund: Die Bevölkerungszahl stieg in den letzten zehn Jahren drastisch an: Während im Jahr 2014 insgesamt 156.886 Menschen in der Domstadt lebten, waren es 2024 bereits 179.090. Parallel dazu wuchs auch die Zahl der Ausbildungsbetriebe, die Nachwuchs suchten. So konnten bereits im Jahr 2019 rund 20 Prozent der freien Lehrstellen nicht besetzt werden.
Herausforderungen mit Resilienz und Kreativität begegnen
Die Handwerksbetriebe müssen also auf den weiterhin bestehenden Fachkräftemangel – vor allem im Auszubildenden-Bereich – reagieren, indem sie die Ausbildung attraktiver gestalten. Viele Betriebe binden daher ihre Auszubildende frühzeitig in den Arbeitsalltag mit ein und teilen ihnen gezielt Aufgaben und Projekte zu, die sie mit einer selbstständigen Arbeitsweise und einem groß en Maß an Eigenverantwortung übernehmen dürfen. So können Lehrlinge gleich zu Beginn sehen, dass sie in ihrer Ausbildung einen wichtigen Beitrag leisten und vielseitig eingesetzt werden. Da bei weist Dr. Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz, auf gelungene Beispiele dieser Taktik wie die „OHA! Nachhaltigkeitsheld*innen“ oder „Heimerls Helden“ hin. „Bei letzterem Projekt erstellen die Lehrlinge in Eigenregie und unter Anleitung eines erfahrenen Bauleiters den Rohbau eines Hauses“, erklärt er. Auch finanzielle Anreize, wie beispielsweise die Übernahme der Führerscheinkosten bei entsprechenden Leistungen, seien eine Strategie, um neue Auszubildende zu ergattern. „Grundsätzlich reagieren unsere Handwerksbetriebe auf diese Herausforderung mit einer bemerkenswerten Resilienz und Kreativität“, betont Dr. Haber.

Dr. Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz © Graggo
„Das Handwerk ist die Tradition und Innovation“
Neben den zahlreichen Projekten und betriebsinternen Benefits möchte auch die Handwerkskammer weiter gegen den Fachkräftemangel vorgehen. „Wir können nicht auf alle Ursachen Einfluss nehmen, aber dort, wo wir das können, tun wir das auch“, sagt er. So würde die Nachwuchswerbung der Handwerkskammer – in Form von Kampagnen auf den sozialen Medien und Informationsständen auf verschiedenen Messen – den jungen Menschen direkt vermitteln, was das Handwerk besonders macht und welche Perspektiven geboten sind. „Diese direkte Ansprache ist außerdem wichtig, um mit veralteten Klischees aufzuräumen und zu zeigen: Handwerk ist Tradition und Innovation und als Wirtschaftsgruppe für das Gelingen zukünftiger Herausforderungen ganz entscheidend“, fügt Dr. Haber an. Für ihn gebe es aber auch noch viel zusätzliches Potenzial bei der Akquise von Lehrlingen, weshalb die Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz mit einer inklusiven Jobmesse am 21. Mai 2026 im Regensburger Jahnstadion und vielen weiteren Projekten dem Mangel an Auszubildenden und Fachkräften entgegenwirken möchte. Außerdem setze sich die Handwerkskammer verstärkt dafür ein, Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen, sich handwerklich auszuprobieren und den jeweiligen Beruf kennenzulernen. „In unseren Bildungszentren, aber auch direkt in Schulen und in enger Zusammenarbeit mit unseren Betrieben, bieten wir Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit in die Berufe hinein zu schnuppern. Das hat einen enormen und sichtbaren Erfolg: immer mehr Betriebe berichten uns, dass sie über die Maßnahmen Praktikanten und Auszubildende gefunden haben“, berichtet der Präsident der Handwerkskammer.
Doch während manche Betriebe also händeringend um Auszubildende kämpfen und investieren, lehnen andere Unternehmen diese jedoch ab.
Lohnt sich ein Azubi noch?
Eine aktuelle Auswertung des Bayerischen Handwerkstags belegt, dass das Lehrstellenangebot der Handwerksbetriebebayern weit zurückgegangen ist. Laut Dr. Haber würden einige Betriebe feststellen, dass bei vielen Lehrlingen erforderliche Grundkompetenzen teilweise nicht vorhanden seien und entsprechende Unterstützungsmaßnahmen wie eine assistierte Ausbildung mit Nachhilfemaßnahmen organisiert werden müssten, um ihnen den Abschluss ihrer Ausbildung zu ermöglichen. Ein Handwerksunternehmen aus dem Landkreis Regensburg hat der filter-Redaktion berichtet, er verzichte seit über zehn Jahren bewusst auf neue Auszubildende, da die Planbarkeit zu schwierig sei. Durch den hohen Anteil an Präsenzunterricht in der Schule seien diese nur eingeschränkt auf den Baustellen verfügbar gewesen. Dazu bezieht die Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz Stellung und betont, dass der zeitliche Anteil des Berufsschulunterrichts im Handwerk seit Jahren etwa 30 Prozent betrage, so dass der Großteil der Ausbildung im Betrieb stattfinden könne. Jedoch erfolgen zusätzlich sogenannte überbetriebliche Lehrlingsunterweisungen (ÜLU), die in den jeweiligen Bildungszentren an verschiedenen Standorten stattfinden. Als Teil der betrieblichen Ausbildung müssen Lehrlinge an diesen teilnehmen, was die Arbeitszeit im Betrieb vor Ort wiederum verkürzt. Ausbildungsbetriebe müssen ihren Nachwuchs dafür freistellen. Sie dienen als Ergänzung und Unterstützung der betrieblichen Ausbildung in Handwerksbetrieben. Dabei handelt es sich um berufsspezifische und praktische Schulungen, die in der Regel vom ersten bis zum vierten Ausbildungsjahr stattfinden.
Zwischen Chancen, Herausforderungen und Lösungsansätzen sieht der Präsident der Handwerkskammer eine Ausbildung im Handwerk als zentrale Säule für die Zukunft: „Ausbildung ist und bleibt der Schlüssel zu den Fachkräften von morgen – auch wenn es oft schwer ist, Nachwuchs zu finden“, schließt Dr. Georg Haber ab.
So versucht die Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz weiterhin mit attraktiven Zusatzleistungen, kreativen Projekten und Schnupperangeboten sowie Jobmessen mit aller Kraft, junge Menschen für handwerkliche Berufe zu begeistern. Doch eines steht fest: Auszubildende sind die Fachkräfte von morgen und sichern damit langfristig die regionale Wirtschaft in Regensburg und der Region.
Sarah Solleder I filter Magazin