Sich durch Handwerksberufe probieren und dabei den Weg in eine Ausbildung finden – das ist die Idee hinter dem „Freiwilligen Handwerksjahr“. Die Landtags-Grünen kritisieren jedoch die aktuelle Umsetzung und schlagen Änderungen vor. Sie wollen ausbauen, denn es soll solide geplant und professionell sein.
Ein Jahr lang verschiedene Handwerksberufe ausprobieren und dabei den Weg in eine Ausbildung ebnen? Das ist die Idee hinter dem „Freiwilligen Handwerksjahr”. Doch die Grünen kritisieren das Projekt der Staatsregierung: Das angedachte Pilotprojekt eines Freiwilligen Handwerksjahrs habe weder Hand noch Fuß. Die Landtags-Grünen fordern in einem Änderungsantrag zum Haushalt für das Pilotprojekt in Bayern mehr Geld, weitere Modellregionen und ein klares Konzept.
Solide, strukturiert, professionell
Andreas Birzele, Beauftragter für das Handwerk der Landtags-Grünen, erklärt:
„Der Schnellschuss der Staatsregierung ist konzeptlos und unterfinanziert. Sie plant für ihr Pilotprojekt lediglich 150.000 Euro – und das nur für 2026. Wir schlagen dagegen 500.000 Euro für zwei Jahre vor, um ein tragfähiges Modell mit klarer Struktur, mehreren Modellregionen und wissenschaftlicher Begleitung aufzubauen. Uns geht es darum, dass das Handwerksjahr solide geplant und professionell umgesetzt wird, nicht so halbscharig.”
Was bringt ein freiwilliges Handwerksjahr?
Ein freiwilliges Handwerksjahr nach den Grünen würde:
- Jugendlichen fundierte und praxisnahe Berufsorientierung ermöglichen
- Ausbildungsabbrüche reduzieren
- Handwerksbetriebe bei der Fachkräftesicherung unterstützen
- regionale Wirtschafts- und Strukturpolitik stärken
- zentrale Transformationsprojekte – insbesondere im Klima- und Energiebereich – beschleunigen.
Erfolgreiche Vorläufer
Das von den Landtags-Grünen vorgeschlagene Modell orientiert sich am erfolgreichen Pilotprojekt der Handwerkskammer Lübeck in Zusammenarbeit mit dem Schleswig-Holsteinischen Institut für Berufliche Bildung. Dort können Jugendliche innerhalb eines Jahres verschiedene Handwerksberufe praktisch kennenlernen. Über 150 Betriebe beteiligen sich derzeit und erste Teilnehmende haben bereits während des freiwilligen Handwerksjahrs in eine Ausbildung gewechselt.
Auch in Bayern sehen viele Handwerksorganisationen, darunter die Handwerkskammer für München und Oberbayern, großes Potenzial in einem solchen Modell.
„Rund 70 Prozent der Auszubildenden finden ihren Ausbildungsplatz über ein Praktikum. Genau hier setzt das Freiwillige Handwerksjahr an: Es ermöglicht jungen Menschen praxisnahe Berufsorientierung und hilft Betrieben, passende Nachwuchskräfte zu finden“, betont Birzele.
Kritik am aktuellen Modell
Ein, wie von der Bayerischen Staatsregierung vorgesehenes, lediglich einzelnes Pilotprojekt sei dabei nicht ausreichend repräsentativ für die sehr unterschiedlichen Wirtschafts- und Ausbildungsstrukturen in Bayern. Während Hochfranken wichtige Impulse liefern könne, sei es sinnvoll, mindestens eine weitere Modellregion – etwa Oberbayern mit seiner hohen Dichte an Handwerksbetrieben und Ausbildungsplätzen – einzubeziehen.
"Ein strukturiertes Modellprojekt in mehreren Regionen ermöglicht es, unterschiedliche Rahmenbedingungen zu berücksichtigen und belastbare Erkenntnisse für eine spätere landesweite sowie bundesweite Einführung zu gewinnen. Bayern kann so eine Vorreiterrolle im süddeutschen Raum übernehmen", erklärt Birzele.
Geplante Änderungen
Der Änderungsantrag der Landtags-Grünen sieht unter anderem vor:
- Aufbau eines strukturierten Modellprogramms „Freiwilliges Handwerksjahr Bayern“
- Einrichtung mehrerer Modellregionen, um unterschiedliche wirtschaftliche Strukturen abzubilden
- Flexible Handhabung der Schulpflicht für Teilnehmende
- Koordinationsstellen bei den Handwerkskammern
- Angemessene Aufwandsentschädigung für Teilnehmende
- Wissenschaftliche Evaluation und begleitende Informationskampagnen
Bündnis 90/Die Grünen / RNRed