1,35 Milliarden Euro umfasst der Haushalt der Stadt Regensburg 2026 – und trotzdem fehlt oft das Geld für das, was sich viele Bürger wünschen: bessere Straßen, neue Kitas oder niedrigere Gebühren. Warum ist das so? Wohin fließt das Geld? Und warum kann die Stadt trotz Milliardenhaushalt nur begrenzt selbst entscheiden?
Mehr Grün, bessere Infrastruktur, mehr Unterstützung für Kulturprojekte oder ein neuer Kindergarten – die Erwartungen an die Stadt sind groß. Gleichzeitig wünschen sich Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen Entlastungen – etwa durch Steuererleichterungen, geringere Parkgebühren oder niedrigere Gebühren für Kitas oder die Müllabfuhr. Viele haben den Eindruck, dass nicht genug passiert – und nicht immer nachvollziehbar ist, wofür die Stadt ihre Mittel eigentlich einsetzt.
Doch wie viel Spielraum hat die Stadt tatsächlich? Wie entstehen ihre Einnahmen? Wofür gibt sie das meiste Geld aus – und wo sind ihr die Hände gebunden?
Hinter dem städtischen Haushalt steht dabei nicht nur eine Sammlung von Zahlen, sondern ein System aus Verpflichtungen, Prioritäten und politischen Entscheidungen.
Der Haushaltsplan: Daran ist nicht zu rütteln
Für das Jahr 2026 plant die Stadt Regensburg Ausgaben von rund 1,35 Milliarden Euro.
Der Stadtrat hat in seiner Sitzung am 26.02.2026 die Haushaltssatzung 2026 beschlossen. Der Haushaltsplan ist der finanzielle Fahrplan der Stadt: Er hält fest, welche Einnahmen erwartet werden und wofür das Geld im Laufe des Jahres ausgegeben wird.
Kommunen sind grundsätzlich dazu verpflichtet, ihre Haushalte auszugleichen. Das bedeutet, dass die geplanten Ausgaben die erwarteten Einnahmen nicht dauerhaft übersteigen dürfen. Die Stadt kalkuliert deshalb zunächst, wie viel Geld voraussichtlich zur Verfügung steht – und richtet daran aus, wofür es eingesetzt werden kann. Der Haushalt wird vom Stadtrat beschlossen und ist rechtlich bindend – die Verwaltung darf Geld nur für die Zwecke ausgeben, die darin festgelegt sind.
Entstehen im Laufe des Jahres höhere Ausgaben oder geringere Einnahmen als geplant, muss die Stadt auf Rücklagen zurückgreifen oder neue Schulden aufnehmen. Bleiben hingegen Mittel übrig, fließen sie in der Regel ebenfalls in Rücklagen und können von dort für künftige Investitionen oder zum Ausgleich späterer Haushalte genutzt werden.
In der Praxis weichen Einnahmen und Ausgaben immer wieder von den Planwerten ab, was die Haushaltssteuerung erschwert. Die Stadt muss dann im laufenden Jahr reagieren und gegebenenfalls umsteuern. Darauf hat auch der Referent für Wirtschaft, Wissenschaft und Finanzen sowie Stadtkämmerer Prof. Dr. Georg Stephan Barfuß bereits in der Haushaltsrede 2025 hingewiesen.
Wie plant die Stadt ihren Haushalt?
Die Aufstellung des Haushalts basiert vor allem auf Erfahrungswerten der Vergangenheit und Prognosen. Die Stadt orientiert sich dabei an den Einnahmen der Vorjahre und berücksichtigt wirtschaftliche Entwicklungen, die sich insbesondere auf die Gewerbesteuer auswirken können.
Der kommunale Haushalt gliedert sich im Kern in zwei Bereiche: den Verwaltungshaushalt und den Vermögens- bzw. Investitionshaushalt.
Der Verwaltungshaushalt bildet die laufenden Ausgaben der Stadt ab – also Kosten für Personal, soziale Leistungen, den Betrieb von Schulen oder die öffentliche Sicherheit. Er stellt gewissermaßen den täglichen Betrieb der Stadt sicher.
Der Vermögens- oder Investitionshaushalt umfasst alle Ausgaben für größere, langfristige Vorhaben wie den Bau und die Sanierung von öffentlichen Gebäuden, Straßen oder Brücken.
Die Einnahmen der Stadt werden ebenfalls diesen beiden Bereichen zugeordnet.

Der Regensburger Haushaltsplan 2026 in Zahlen. © Stadt Regensburg
Woher nimmt die Stadt ihr Geld?
Die Einnahmen der Stadt Regensburg stammen aus ganz unterschiedlichen Quellen, die sich grob in eigene Einnahmen der Kommune und Mittel von außen gliedern lassen.
Steuern:
Der wichtigste Einnahmeblock ist die Gewerbesteuer, die Unternehmen auf ihre Gewinne zahlen. Sie wird direkt vor Ort erhoben und fließt überwiegend der Stadt zu. Nur ein kleiner Teil wird über Umlagen an Bund und Länder abgeführt. Für das Jahr 2026 plant Regensburg hier mit rund 245 Millionen Euro. Das macht etwa 18 Prozent des Gesamthaushalts aus. Damit hängt ein erheblicher Teil der städtischen Finanzkraft von der wirtschaftlichen Entwicklung der Unternehmen vor Ort ab und kann daher von Jahr zu Jahr schwanken.
Auch die Grundsteuer gehört zu den zentralen kommunalen Einnahmen. Sie wird auf Grundstücke und Immobilien erhoben, unabhängig davon, ob die Eigentümer selbst darin wohnen oder die Gebäude vermieten. In der Praxis wird sie jedoch zumindest teilweise über die Nebenkosten an die Mieter weitergegeben. Die Stadt Regensburg rechnet für das Jahr 2026 hier mit Einnahmen von rund 31,7 Millionen Euro.
Ergänzt werden diese durch Anteile an der Einkommens- und Umsatzsteuer. Diese werden vom Staat erhoben und nach festen Schlüsseln auf Bund, Länder und Gemeinden verteilt. Je höher also die Einkommen vor Ort, desto höher fällt der kommunale Anteil aus. Für 2026 plant die Stadt Regensburg mit rund 136 Millionen Euro aus der Einkommenssteuer und 40,6 Millionen aus der Umsatzsteuer.
Einnahmen aus städtischem Eigentum:
Darüber hinaus erzielt die Stadt Einnahmen aus ihrem Eigentum: Sie vermietet und verpachtet Wohnungen, Grundstücke und Gewerbeflächen. Auch Parkhäuser und städtische Anlagen gehören dazu. Die Stadt Regensburg plant hier für 2026 mit 29,2 Millionen Euro.
Gebühren:
Hinzu kommen Gebühren und Entgelte. Bürgerinnen und Bürger zahlen für die Nutzung öffentlicher Leistungen. Typische Beispiele sind Parkgebühren, Eintrittspreise für Schwimmbäder sowie Gebühren für Kita oder Müllabfuhr.
Erstattungen, Zuschüsse und Schlüsselzuweisungen:
Neben selbst erwirtschafteten Einnahmen erhält eine Stadt auch Mittel von Bund und Land.
Ganz zentral sind die sogenannten Schlüsselzuweisungen des Freistaats Bayern. Sie sind Teil des kommunalen Finanzausgleichs und werden nach festen Kriterien wie Steuerkraft, Einwohnerzahl und strukturellen Belastungen berechnet und an Städte und Gemeinden verteilt.
Ziel ist, dass alle Kommunen – unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Stärke – ihre grundlegenden Aufgaben erfüllen können. Die Stadt Regensburg rechnet für 2026 mit Einnahmen für Schlüsselzuweisungen in Höhe von etwa 20,9 Millionen Euro.
Hinzu kommen zweckgebundene Fördermittel, etwa für Schulen oder Infrastruktur, sowie Erstattungen für Ausgaben, die die Stadt zunächst selbst trägt – vor allem im sozialen Bereich.
Weitere Erträge wie Zinseinnahmen, kleinere Verkaufserlöse oder Bußgelder spielen dagegen nur eine untergeordnete Rolle.
Damit werden die Einnahmen einer Stadt zu einem großen Teil von der wirtschaftlichen Entwicklung vor Ort sowie von politischen Entscheidungen auf Landes- und Bundesebene bestimmt.
Wofür gibt die Stadt ihr Geld aus?
Viel entscheidender als die Frage, woher das Geld kommt, ist: Wofür wird es ausgegeben?
Der größte Teil der städtischen Ausgaben entfällt auf den sogenannten Verwaltungshaushalt. Er umfasst den laufenden Betrieb der Stadt und damit alle Kosten, die notwendig sind, damit Verwaltung, Schulen, Kitas und öffentliche Sicherheit funktionieren – noch bevor über neue Projekte gesprochen wird.
Den größten Einzelposten bilden die Personalkosten. Sie liegen 2026 bei rund 335,7 Millionen Euro und machen knapp ein Viertel des Gesamthaushalts aus. Viele denken dabei gleich an die Kosten der Verwaltungsangestellten im Rathaus. Dabei umfasst dieser ebenso Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kitas, sozialen Einrichtungen, dem Ordnungsdienst, der Feuerwehren oder dem städtischen Bauhof.
Ein weiterer großer Ausgabenblock sind Sozialleistungen wie Sozialhilfe, Jugendhilfe oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Für 2026 sind dafür rund 125,5 Millionen Euro eingeplant. Gleichzeitig entstehen hier regelmäßig politische Diskussionen, etwa über die Kosten für die Unterbringung und Versorgung von Geflüchteten. In vielen Fällen muss die Stadt die Ausgaben zunächst vorfinanzieren, erhält sie aber anschließend vom Freistaat Bayern erstattet.
Hinzu kommen Umlagen und Pflichtzahlungen, etwa an den Bezirk Oberpfalz, der übergeordnete Aufgaben übernimmt, die einzelne Städte allein nicht leisten können, zum Beispiel in der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung oder in der Finanzierung von Pflege- und psychiatrischen Einrichtungen.
Dem laufenden Betrieb steht der Investitionsbereich (Vermögenshaushalt) gegenüber. Hier geht es um langfristige Projekte, wie den Bau und die Sanierung von Schulen und Kindertagesstätten, Investitionen in Straßen, Brücken und den öffentlichen Nahverkehr sowie Projekte im Bereich Klimaschutz und Energie – etwa Ladeinfrastruktur oder Solaranlagen.
Insgesamt umfasst der gesamte Verwaltungshaushalt für 2026 rund 988,7 Millionen Euro (73,3 Prozent). Weitere 360,8 Millionen Euro (26,7 Prozent) stehen für Investitionen im sogenannten Vermögenshaushalt zur Verfügung.

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Wie frei ist die Stadt in der Planung ihrer Ausgaben?
1,35 Milliarden Euro – das klingt nach viel Geld und großem Gestaltungsspielraum. In der Praxis ist dieser Spielraum allerdings deutlich kleiner, als es die Zahl vermuten lässt.
Ein großer Teil der städtischen Ausgaben ist bereits durch gesetzliche Vorgaben, laufende Aufgaben und langfristige Verpflichtungen gebunden. Besonders deutlich wird das im Verwaltungshaushalt, der überwiegend aus Pflichtaufgaben besteht. Dazu zählen vor allem Sozialleistungen wie Sozialhilfe, Ausgaben für Bildung – etwa den Betrieb und die Instandhaltung von Schulen und Kitas – sowie für Verwaltung und öffentliche Sicherheit. Auch die Feuerwehr ist ein typisches Beispiel: Die Stadt muss jederzeit eine einsatzbereite Feuerwehr vorhalten und dafür Personal, Fahrzeuge, Gebäude und Ausrüstung finanzieren. Diese Aufgaben sind verpflichtend und müssen unabhängig von der aktuellen Haushaltslage erfüllt werden.
Der politische Gestaltungsspielraum ist im Investitionsbereich (Vermögenshaushalt) zwar größer, bleibt aber auch durch bestehende Verpflichtungen, Förderbedingungen und langfristige Planungen eingeschränkt. In einem Investitionsplan ist festgelegt, welche Projekte in den kommenden Jahren umgesetzt werden, wann sie beginnen und mit welcher Priorität sie realisiert werden.
Spielräume bestehen vor allem bei den freiwilligen Leistungen. Diese gehören zum laufenden Betrieb der Stadt und damit zum Verwaltungshaushalt. Dazu zählen etwa Kulturförderung, Sportangebote oder zusätzliche soziale Projekte. Hier entscheidet die Stadt selbst, ob und in welchem Umfang solche Angebote finanziert werden. Dieser Bereich fällt allerdings vergleichsweise klein aus und wird in angespannten Haushaltslagen häufig als Erstes gekürzt.
Die sogenannte freie Spitze ist kein eigener Ausgabenbereich, sondern ein rechnerischer Wert im Haushalt: Sie entsteht, wenn alle Einnahmen und verpflichtenden Ausgaben gegeneinander aufgerechnet werden und zeigt, ob am Ende noch Spielraum für Investitionen bleibt.
Für 2026 wird in Regensburg eine freie Spitze von rund minus 32,2 Millionen Euro erwartet. Im Vorjahr lag sie noch bei einem leichten Überschuss von rund 7 Millionen Euro. Eine negative freie Spitze bedeutet, dass Investitionen nicht mehr vollständig aus laufenden Einnahmen finanziert werden können und zunehmend über Rücklagen oder Kredite abgesichert werden müssen.
Zusätzlich geraten die kommunalen Haushalte durch steigende Kosten zunehmend unter Druck. Höhere Sozialausgaben, steigende Baupreise sowie Energie- und Personalkosten führen dazu, dass Pflichtaufgaben für Städte tendenziell teurer werden. Damit wird der Spielraum der Stadt für neue Projekte, die sich Bürgerinnen und Bürger wünschen, weiter eingeschränkt.
Der Eindruck, eine Stadt könne über ihre Mittel weitgehend frei verfügen, trifft daher nur eingeschränkt zu. Der Haushalt ist kein frei verfügbarer Geldtopf, sondern ein im Voraus festgelegter Finanzrahmen.
Die Stadt selbst betont, dass der finanzielle Rahmen aktuell eng gesteckt ist. Der Haushaltsplan 2026 umfasse bereits zahlreich Projekte und Maßnahmen, sodass für zusätzliche Vorhaben kaum Spielraum bleibe. „Neue Maßnahmen können somit nur durch Umschichtungen von Mitteln finanziert werden“, so die Stadt Regensburg – also durch Kürzungen an anderer Stelle oder das Verschieben bestehender Projekte.
Was kosten Bildung, Kultur und Sport?
Die Erwartungen an die Stadt sind unterschiedlich: Die einen wünschen sich mehr Investitionen in Bildung, andere mehr Geld für Kultur oder Sport. Doch wie viel wird tatsächlich in den einzelnen Bereichen investiert – und was kostet ein konkretes Projekt?

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Die Haushaltsunterlagen der Stadt umfassen zahlreiche Teilpläne – die auf tausenden Seiten aufgeschlüsselt sind. Anhand einiger Beispiele lässt sich jedoch ein Eindruck von den Größenordnungen gewinnen.
So etwa im Bereich Bildung: Für einen Neubau der Schule am Sallerner Berg mit Hort sind insgesamt rund 52,4 Millionen Euro angesetzt (11,4 Mio. Euro in 2025 und voraussichtlich 12,5 Mio. Euro in 2026). Ein weiteres Beispiel ist der Ersatzneubau des Werner-von-Siemens-Gymnasiums, für den dieses Jahr 14,1 Millionen Euro angesetzt sind (insgesamt 81,6 Millionen Euro). Im Bereich Kindertagesstätten ist unter anderem der Neubau des Kinderhauses am Heuweg geplant. Dieser soll insgesamt rund 12 Millionen Euro kosten, 2026 sollen 4,61 Millionen Euro dafür aufgewendet werden. Dabei handelt es sich um wenige einzelne Vorhaben – und bereits diese schlagen im städtischen Haushalt deutlich zu Buche.
Wer sich nun fragt, wie viel insgesamt für den Bereich Bildung ausgegeben wird, kann das so nicht direkt aus dem Haushaltsplan ablesen. Dieser ist unterteilt in verschiedene Sektionen wie Personalausgaben oder Unterhalt von Gebäuden. Ein Projekt taucht dadurch häufig an mehreren Stellen im Haushalt auf, statt als Gesamtsumme ausgewiesen zu werden. Bei der Stadt nachgefragt, teilt diese mit, dass sie für das Jahr 2026 insgesamt etwa 288,7 Millionen Euro Ausgaben für Bildung einplant. Darin enthalten sind sowohl laufende Kosten als auch Investitionen in Schulen, Kitas und weitere Bildungsangebote.
Das gilt auch für andere Bereiche. Im Kulturbereich sind für 2026 insgesamt rund 63,9 Millionen Euro veranschlagt. Ein großer Teil entfällt auf den laufenden Betrieb: Das Theater Regensburg, das im Mai zum Staatstheater wird, finanziert die Stadt in diesem Jahr zum Beispiel mit 16 Millionen Euro.
Eine der größten Investitionen im Kulturbereich in den kommenden Jahren wird die Generalsanierung des Velodroms sein. Dafür sind Gesamtkosten in Höhe von 52,8 Millionen Euro geplant.
Ähnlich verhält es sich im Bereich Sport und Großveranstaltungen. Events wie Fußballspiele oder Stadtläufe sind im Stadtbild präsent und erfreuen sich großer Beliebtheit. Doch ihre finanziellen Auswirkungen sind auf den ersten Blick schwer greifbar, da sie sich ebenfalls auf verschiedene Bereiche verteilen. Häufig wird angenommen, dass bei größeren Veranstaltungen wie Spielen des SSV Jahn oder dem Regensburg Marathon zusätzliche Kosten für die Stadt entstehen – etwa für Absperrungen im Stadtgebiet, Verkehrsregelungen oder Reinigung. Nach Angaben der Stadt werden diese durch die städtischen Sportvereine selbst organisiert und anfallende Kosten getragen. Für Jahnspiele gilt zudem: „Sämtliche der Stadt mit dem Spielbetrieb entstehenden Nebenkosten – soweit diese nicht vom Hauptmieter selbst getragen werden – werden auf diesen umgelegt oder über andere Einnahmen, etwa Parkplatzgebühren, refinanziert“, erläutert die Stadt. Polizeieinsätze finanziert der Freistaat Bayern.
Insgesamt plant die Stadt dennoch mit Ausgaben von rund 22,4 Millionen Euro im Jahr 2026 für den Sektor Sport. Diese entstehen weniger durch einzelne Veranstaltungen als durch den laufenden Betrieb, die Instandhaltung von Infrastruktur und andere laufende Kosten.
Ein zentrales Projekt ist der Sportpark Ost, der erst im vergangenen Jahr in Betrieb genommen wurde. Der Neubau wird durch die Stadt mit einer Investitionskapitaleinlage von insgesamt rund 49,8 Millionen Euro finanziert. Auch der laufende Betrieb verursacht Kosten: So wird für das Ostbad im Wirtschaftsplan der städtischen Bäder- und Arenen-Gesellschaft ein jährliches Defizit von rund 1,9 Millionen Euro erwartet, während die Leichtathletikhalle laut Angaben der Stadt voraussichtlich nahezu kostendeckend arbeitet.

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Haushalt vs. Realität
Obwohl Kommunalpolitik öffentlich in Themen wie Bildung, Kultur oder Sport diskutiert wird, lässt sich der städtische Haushalt diesen „Töpfen“ nicht eindeutig zuordnen. Ausgaben werden nach ihrer Art verbucht – etwa für Bau, Personal, Betrieb oder Investitionen – und verteilen sich dadurch auf verschiedene Stellen im Haushalt. Ein einzelnes Projekt kann so in mehreren Positionen auftauchen oder nur teilweise sichtbar sein.
Für Bürgerinnen und Bürger erschwert das die Einordnung, weil sich nicht ohne Weiteres erkennen lässt, wie viel die Stadt tatsächlich für einzelne Bereiche ausgibt.
Wer sich im Detail über konkrete Projekte informieren möchte, findet diese in den mehrere tausend Seiten starken Teilplänen zur Investitionsplanung (Haushalt 2026) – dort lassen sie sich mit der Suchfunktion (Strg + F) gezielt finden.
Zwischen Wirtschaft und Klimaschutz: Wohin soll das Geld fließen?
Es zeigt sich: Wichtige Investitionen und neue Vorhaben sind in allen Bereichen geplant. Dennoch können nicht alle gleichzeitig realisiert werden. Welche Bereiche oder Projekte erhalten innerhalb des begrenzten finanziellen Rahmens also Priorität?
Der künftige Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger beschreibt: „Wichtig ist mir, weiterhin in die Zukunft unserer Stadt zu investieren: in gute Bildung, bezahlbares Wohnen, eine starke Wirtschaft sowie eine moderne Infrastruktur und gute Schnittstellen zwischen der Verwaltung und den Menschen in dieser Stadt. Regensburg soll eine Stadt bleiben, in der alle gut und sicher leben können.“

Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger (SPD) © Fionn Große
Im politischen Diskurs der Stadt zeigen sich unterschiedliche Vorstellungen darüber, welche Bereiche künftig besonders gefördert werden sollen.
Die Grünen Stadtratsfraktion legt ihren Fokus ebenfalls auf Bildung und bezahlbaren Wohnraum, möchte aber noch stärker auf Mobilität, Klimaschutz und Klimaanpassung setzen. „Hier entscheidet sich ganz konkret, wie lebenswert und attraktiv unsere Stadt in Zukunft sein wird“, so Dr. Helene Sigloch (Bündnis 90/die Grünen). Gute Schulen und ausreichend Kitaplätze seien die Grundlage für Chancengerechtigkeit, während der Ausbau von Rad- und Fußverkehr sowie des öffentlichen Nahverkehrs auch zur Erreichung der Klimaziele beitrage. Zudem müsse die Stadt bei der energetischen Sanierung, der Wärmeversorgung und der Anpassung an den Klimawandel deutlich schneller vorankommen.

2. Bürgeremeisterin Dr. Helene Sigloch (Die Grünen) © Andreas Fuchs
Laut Michael Lehner (CSU) solle vor allem in die Wirtschaft investiert werden. „Wenn Unternehmen bessere Rahmenbedingungen erhalten und mehr verdienen, steigen auch die Einnahmen aus Gewerbe- und Einkommenssteuer – den Haupteinnahmequellen unserer Stadt.“ Entscheidend sei, attraktive Bedingungen zu schaffen, in denen sich Unternehmen gerne ansiedeln. Dafür solle gezielt in die Entwicklung von Gewerbegebieten investiert werden. Zudem spricht er sich dafür aus, die TechBase in Regensburg weiter auszubauen, um Unternehmensgründungen zu fördern, die langfristig in der Region bleiben und Steuereinnahmen generieren.

Fraktionsvorsitzender der CSU, Michael Lehner © Berli Berlinski
Wo kann Regensburg einsparen?
Doch auch wenn die politischen Ziele und Wünsche vielfältig sind, zeigt sich: Reicht das Budget nicht aus, wird die Umsetzung neuer oder zusätzlicher Projekte schwierig.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, in welchen Bereichen Einsparungen möglich wären, um wieder finanzielle Spielräume zu schaffen. Immer wieder steht dabei der städtische Verwaltungsapparat im Fokus der öffentlichen Diskussion. Dabei ist er nur ein Teil des größten Ausgabenblocks: der Personalkosten.
Auf die Frage, ob der künftige OB Burger plant, die Verwaltung effizienter zu gestalten, entgegnet er: „Wenn mit ‚effizienter‘ eine blinde Reduzierung von Stellen gemeint ist, kann ich ganz klar sagen: nein. Wir haben eine engagierte Verwaltung mit motivierten Mitarbeitenden.“ Sein Ziel und seine Aufgabe sei es, zusammen mit dem Stadtrat dafür zu sorgen, dass die Mitarbeitenden die wachsenden Aufgaben gut bewältigen können: „mit modernen Strukturen und Werkzeugen sowie einer Vereinfachung von Prozessen“, verspricht er.
Michael Lehner (CSU) sieht hingegen gerade in der Verwaltung Einsparungspotenziale. „Der Verwaltungshaushalt ist derjenige, der unsere freie Spitze auffrisst. Er besteht größtenteils aus Personalkosten und Liegenschaften, an diesen Stellen sollten wir ansetzen“, so Lehner. Im Vergleich zu früher sei die Stadtverwaltung deutlich gewachsen. Der damalige OB Hans Schaidinger (CSU, OB von 1996 bis 2014) habe die Verwaltung mit 3.000 Leuten geführt, jetzt seien es 4.500. Lehner bezweifelt, dass die Verwaltung effizienter geworden sei. Auch ein Gutachten des Bayerischen Kommunalen Prüfungsverbandes sei zu dem Ergebnis gekommen, dass Regensburg überdurchschnittlich hohe Ausgaben für Personal habe. „Wir können natürlich keine Kindergärten wegrationalisieren, wir brauchen Erzieher und Lehrer. Aber benötigen wir zum Beispiel einen Klimaresilienz- und einen Hitzemanager gleichzeitig oder kann das nicht eine Person übernehmen? Wir können keinen ausstellen, aber können zum Beispiel bestimmte Stabsstellen nicht nachbesetzen.“
Lehner spricht sich außerdem für eine stärkere Digitalisierung und verschlankte Verwaltungsprozesse aus. Als Beispiel nennt er Desk Sharing: Da immer mehr Beschäftigte im Homeoffice arbeiten, könnten Arbeitsplätze flexibler genutzt werden. „Wenn sich Mitarbeitende der Stadt Arbeitsplätze teilen, ließen sich erhebliche Kosten sparen“, so Lehner. „Dadurch könnten auch die hohen Mietkosten für städtisch angemietete Büroflächen reduziert werden.“
Dr. Helene Sigloch (Bündnis 90/die Grünen) setzt in der Verwaltungsdebatte ebenfalls auf Effizienzsteigerung. Die Grünen sprechen sich allgemein für eine stärkere Aufgabenkritik aus, um nicht mehr zeitgemäße oder doppelte Aufgaben zu identifizieren und Zuständigkeiten klar zu bündeln. Zudem sehen sie Potenzial in einer engeren Zusammenarbeit zwischen städtischen Einheiten sowie in einer weiteren Digitalisierung der Verwaltung.
Auch die Stadt Regensburg räumt auf Nachfrage ein, dass mögliche Einsparungen im Rahmen einer umfassenden Aufgabenkritik geprüft werden müssen. Dabei solle untersucht werden, wo Ausgaben reduziert werden können – auch bei freiwilligen Leistungen wie Kultur-, Sport- oder Sozialangeboten. Konkrete Maßnahmen sind dabei noch nicht beschlossen.
Dr. Sigloch warnt jedoch davor, in der aktuellen Haushaltslage an falschen Stellen zu sparen. „Wer heute notwendige Investitionen unterlässt, zahlt morgen oft einen deutlich höheren Preis, finanziell sowie gesellschaftlich.“ Auch freiwillige Leistungen – etwa in Kultur, Sport oder sozialen Bereichen – seien trotz ihres vergleichsweise kleinen Anteils am Gesamthaushalt wichtig für das gesellschaftliche Miteinander in der Stadt.
Weitere Einsparpotenziale sehen die Grünen vielmehr dort, wo aus ihrer Sicht langfristig hohe ökologische Folgekosten entstehen können. Als Beispiel nennen sie größere und kostenintensive Neubauvorhaben wie die Sallerner Regenbrücke, die aus ihrer Sicht kritisch geprüft werden sollte.
Zwischen Milliarden und Möglichkeiten
Der städtische Haushalt wirkt auf den ersten Blick wie eine große Summe, über die Politik frei entscheiden kann: über eine Milliarde Euro. In der Realität ist er jedoch geprägt von Pflichtaufgaben und nur begrenzt verfügbaren Spielräumen.
Das erklärt, warum viele Forderungen aus der Politik – ob mehr Geld für Kultur, Bildung oder Infrastruktur – nachvollziehbar und doch nicht beliebig umsetzbar sind. Entscheidungen für ein Projekt bedeuten fast immer, an anderer Stelle zu kürzen oder Prioritäten neu zu setzen.
Die sogenannte freie Spitze – also der Teil des Haushalts, der tatsächlich für neue Investitionen zur Verfügung steht – ist in Regensburg derzeit negativ. Das bedeutet jedoch nicht, dass keine Investitionen stattfinden. Ob Schulen, Turnhallen oder Sportparks: In Bildung, Infrastruktur oder Kultur wird weiterhin investiert. Viele davon sind bereits fest eingeplant oder nur über Kredite möglich.
Zwischen Erwartungen und finanziellen Grenzen bleibt deshalb vor allem eines konstant: die Notwendigkeit, immer wieder neu zu entscheiden, welche Vorhaben Vorrang haben – und wie die Stadt durch mehr Einnahmen und weniger Ausgaben die Grundlage dafür schafft, auch künftig die Zukunft Regensburgs frei gestalten zu können.
Marina Triebswetter I filter Magazin