Nach einer starken ersten halben Stunde sah beim SSV Jahn alles nach dem erhofften Befreiungsschlag aus. Doch aus einer komfortablen Führung entwickelte sich beim VfB Stuttgart II noch eine Zitterpartie. Regensburg musste sich am Ende mit einem Punkt begnügen und verpasste damit den ersehnten Sieg.
Chef-Trainer Sascha Hildmann vertraute der gleichen Startelf wie am Dienstagabend im Heimspiel gegen Düsseldorf. Der VfB übernahm in der Anfangsphase das Spielkommando, ohne dabei Torgefahr auszustrahlen. Knapp 400 Jahn-Fans peitschten derweil ihre Mannschaft von Beginn an nach vorne. Der SSV verzeichnete die erste Chance des Spiels. Nach einem hohen Ballgewinn von Sascha Hingerl dribbelte Nassim Boujellab Richtung Strafraum und zog ab – von der Felsen konnte parieren (12.).
Jahn legt furios vor
Kurz danach war es aber passiert: Boujellab bediente von links den in der Mitte freistehenden Nico Oliveira, der aus kurzer Distanz zum 1:0 traf (13.). Und die Jahnelf blieb gleich auf dem Gaspedal. Lucas Hermes (16.) und Adrian Fein (18.) hatten das 2:0 auf dem Fuß. Boujellab scheiterte zudem aus kurzer Distanz an von der Felsen (20.). Der bisher bärenstarke Marokkaner belohnte sich zwei Minuten später: Nach einem weiteren hohen Ballgewinn machte Boujellab einige Meter und spitzelte den Ball am VfB-Keeper vorbei in die Maschen (22.). Der VfB schnupperte mit seiner ersten Torchance am Anschlusstreffer: Nach einer Flanke von links kam Rölke im Fünfer zum Abschluss – knapp drüber (29.). Die Ereignisse überschlugen sich: Hermes trieb die Kugel Richtung Strafraum und wurde von hinten umgerannt - Elfmeter. Hermes trat selber an, scheiterte aber an von der Felsen. Majetschak und Boujellab machten den Abpraller wieder scharf, Hingerl war der Nutznießer und traf zum 3:0 (34.).
Zwei Gegentore noch vor der Pause
Der VfB schlug aus dem Nichts zurück: Eine Flanke aus dem Halbraum erreichte Rölke am langen Pfosten, der das 1:3 erzielte (35.). Schönfelder (39.) und Fein (43.) meldeten die Jahnelf mit zwei guten Chancen wieder an. Doch die Jahn-Defensive musste noch vor dem Halbzeitpfiff einen weiteren Gegentreffer schlucken: Masanka Bungi steckte im Strafraum auf Schramm durch, der anschließend aus zehn Metern flach ins rechte Eck einschob (45.+2) – das ging viel zu einfach. Mit einer knappen 2:3-Führung ging es in die Kabine.
Stuttgart kämpft sich zum Ausgleich
Der zweite Durchgang startete mit einem Schreckmoment: Jahn-Kapitän Felix Strauss blieb nach einem unglücklichen Zweikampf liegen und musste mit einer Knieverletzung den Platz verlassen, für ihn kam Leo Mätzler. Die zweite Halbzeit war zunächst von vielen Zweikämpfen im Mittelfeld geprägt. Beide Mannschaften schenkten sich in den Duellen nichts. Nach einer knappen Stunde wurde auf beiden Seiten fleißig gewechselt, die zweite Halbzeit war bis zu diesem Zeitpunkt ereignisärmer als der erste Durchgang. Kurzer Schockmoment: Rölke traf für den VfB zum vermeintlichen 3:3, der eingewechselte Redzepi hatte zuvor aber ein Stürmerfoul begangen (66.). Stuttgart brachte einen scharf getretenen Freistoß von der rechten Seite, Wurm köpfte den Ball aus der Gefahrenzone (74.). Nun war es in der WIRmachenDRUCKArena in Großspach ein Abnutzungskampf. Sollte die Jahnelf zum Ende der englischen Woche hier dagegenhalten? Die Kräfte schwanden und der VfB kam tatsächlich zum Ausgleich. Eine Flanke von links segelte erneut an den langen Pfosten, wo Rölke zum Ausgleich einnickte (76.). Wer hätte das nach einer halben Stunde gedacht, dass das nun eine solche Zitterpartie noch werden würde. Der Jahn suchte in der Schlussphase ebenfalls die Chance auf den Lucky Punch. Der eingewechselte Philipp flankte von rechts, Boujellab verpasste in der Mitte hachdünn (81.). Hildmann brachte noch einmal zwei frische Kräfte: Posselt & Jano kamen für Fein und Hermes (83.). Es blieb eng umkämpft, Stuttgarts Kemnoe hatte in der Nachspielzeit tatsächlich noch eine Gelegenheit, zielte mit seinem Schuss aber neben das Jahn-Gehäuse (90.+4). Somit blieb es letztlich beim 3:3-Unentschieden.
Entsprechend groß war die Enttäuschung nach dem Schlusspfiff. Nassim Boujellab und Chef-Trainer Sascha Hildmann waren sich einig, dass sich das Unentschieden angesichts der deutlichen Führung wie verlorene Punkte anfühlte.
„Der Punkt ist heute zu wenig“
Nassim Boujellab: „Der Punkt ist heute nach dem Spielverlauf zu wenig. Das habe ich in meiner Karriere so noch nicht erlebt. Dass wir ein 3:0 hergeben, tut einfach verdammt weh. Jedes Hadern bringt in der aktuellen Situation aber auch nichts. Wir wissen als Mannschaft, welche Qualität wir haben. Wir sind offensiv sehr stark und defensiv eigentlich auch. Wir werden da wieder rauskommen.”
Sascha Hildmann: „Das waren heute zwei verlorene Punkte. Wir spielen eine gute halbe Stunde und führen verdient mit 3:0. Da hat man gesehen, was in dieser Mannschaft steckt. Wir schaffen es dann aber nicht, mit einer guten Defensivleistung diese Führung in die Halbzeit zu nehmen. Die Gegentore fallen viel zu leicht. Das Momentum fällt dann auf die Seite der Stuttgarter. Bekommen dann noch das 3:3. Wir gewinnen die entscheidenden Momente aktuell nicht für uns. Das bricht uns in jedem Spiel das Genick, das nervt uns alle. Jetzt müssen wir weiter an den Themen arbeiten und schauen, dass wir die individuellen Duelle künftig für uns entscheiden.”
SSV Jahn Regensburg / RNRed