Elf Jahre hat Audi sich Zeit gelassen, jetzt rollt der Q7 in dritter Generation vor. Und der große Ingolstädter setzt nicht nur auf Displays und Luxus, sondern auch auf einen alten Bekannten: den Diesel. Im Test durch den Bayerischen Wald zeigt sich, warum gerade diese Kombination erstaunlich gut zum Oberklasse-SUV passt.
Audi Q7 – nach erstaunlich langen 11 Jahren bringt Audi sein Oberklasse-SUV nun in der 3. Generation frisch auf den Markt. Mit neuem Flair im Innenraum, einem markanten Design und hört, hört: SUV-gerecht mit einem Diesel an Bord. Das darf man sich natürlich nicht entgehen lassen!
Spätsommer oder Herbstbeginn? Beides schön! Das gilt auch für verschiedene Antriebstechniken. Und während wir im letzten Filter zwei Elektro-SUVs im Tiefflug vorstellten, cruisen wir diesmal mit feinster Dieseltechnik und lockeren 1000 km Reichweite durch den bayerischen Wald. Einsteigen und los geht es.
Ein Innenraum, in dem vieles einfach funktioniert
Und da sind wir schon beim ersten ausnehmend gut gelungenen Punkt: die Menüführung. Gerade wenn es um Basics im Auto geht, wie zum Beispiel die Fahrdaten, den Verbrauch, die Displayanzeigen oder die Navigation – bei Audi bekommt man schnell und einfach zu sehen, was man möchte. Viele andere Hersteller verschachteln sich da oder bieten Informationen umständlich oder gar verkorkst an. Scrollen durch die Verbräuche, Zurücksetzen, das große Display vor dem Fahrer inhaltlich konfigurieren, die gute Sprachsteuerung – alles ist einfach, schnell und funktioniert harmonisch. Dass der Beifahrer optional seinen eigenen ausladenden Bildschirm hat, ist heute schon fast State of the Art. Natürlich wird auch sonst alles geboten, was der ein oder andere als luxuriös empfindet, sei es die Luftdüseneinstellung über das Touchdisplay, wo man das Ziel des Luftstroms pro Düse mit dem Finger verschiebt, die optional elektrisch agierenden Türen oder die gesamte elektrische Mechanik der zweiten oder dritten Sitzreihe, die auf Knopfdruck schiebt und faltet, um Einstieg oder Kofferraum maximal freizugeben. Die Türen sind übrigens leicht – ein Gimmick eher, das zudem etwas Geduld erfordert.
Oberklasse, die man spürt
Dazu kommt aber eben, dass Audi einen merklichen Schritt in puncto Innenraumhaptik und -optik im Q7 macht – wirkliche Oberklasse. Die Verarbeitung und das Zusammenspiel der Materialien und des Designs sind genau da, wo sie bei einem Ingolstädter wieder sein müssen, und auf Augenhöhe mit den Stuttgarter Geschwistern. Der Innenraum hat eine Wertigkeit, die einem sein Fahrzeug wieder zu etwas Besonderem macht, die verbindet. Auf den letzten Metern die Massagesitze nutzen? Das führte ungewollt zur Verlängerung der Ausfahrt. Der Sitz nimmt sich Zeit für Sie, hinauf bis zu den Schultern und hinunter bis zu den Knien. Perfekt und „best of“, bislang. Dazu vielleicht das per Displaydruck in Segmenten variierbare Panodach transparent schalten, Sonne tanken und den Ausblick genießen, während die Musik fein verteilt und abgestimmt in den Schlaf wiegt. Innenraum: 1 mit Stern.
Der Diesel spielt seine Stärken aus
Leise Cruisen. Das mag und kann er am besten. Dabei dürfte es nicht ganz so entscheidend sein, ob Sie die, im Übrigen mit gleichen Ladern ausgestattete, 245-PS-Version mit 500 Nm und 222 km/h Vmax nehmen oder die 299-PS-Version mit 630 Nm und 235 km/h Vmax. Beide bekommen noch bis zu 18 kW an elektrischer Power hinzu, die man aber eigentlich nur beim Anrollen bemerkt, wenn der Verbrenner kurz ruht. Den Vorteil dieses 48-Volt-Systems mit seinem leicht rekuperierenden Motor/Generator bemerkt man vor allem beim Fahren selbst. Wenn mal gerollt wird (auf der Autobahn vom Gas oder vor allem bergab im Bayerischen Wald), entscheidet das System nach wenigen Sekunden, ob es segeln mag (Leerlauf, Motor „ausgekuppelt“) oder den Motor ganz abschaltet. Und letzteres tut es oft. Dabei versorgt das 48-Volt-System eben Lenkung, Bremse, Fahrwerk und Co. für knapp eine Minute, bis der Motor wieder hinzugeschaltet wird. Und das klappt hervorragend und spart Sprit, wo ältere Fahrzeuge mit Automatik einfach den Motor mitschleppen müssen und man selbst bergab meist nicht ohne Gas auskommt. Dafür wiegt es aber eben auch. Audi bietet später noch einen Hybrid an, ob der V8 bei uns zu kaufen sein wird (wie in den USA), bleibt für Europa derzeit unklar. Der 3-Liter-V6 ist bei Audi schon immer ein absoluter Top-Motor, eine A6-Legende und natürlich später in vielen Modellen zu finden. Auch hier leistet er souverän seinen Dienst und kann ohne hohe Drehzahlen wunderbar zum Fahrzweck passend arbeiten. Meist bleibt er sonor im Drehzahlkeller und die 8-Gang-Automatik schafft nahtlos beste Ganganschlüsse. Dieseltypisch ist auch bei knapp 5000 U/min Schluss – es bleibt ruhig, wo bei anderen Marken mit Benzinern und wenig Hubraum Schnappatmung bei hohen Drehzahlen für selbige Leistung sorgen muss.
2,4 Tonnen und trotzdem sparsam unterwegs
Unser Test samt allen steileren Passagen wird solide gemeistert, Sport ist bei den 2,4 Tonnen Gewicht für diese Kombination nicht wirklich angedacht. Das sorgt aber eben für einen sehr guten Verbrauch: 6,1 Liter bei 100 km/h und 7,8 Liter bei 130 km/h sind für diese Größe wunderbar wenig. Das Fahrwerk ist ein Genuss, und wer nicht das Basisstahlfahrwerk nimmt, sondern die Luftfederung oder deren sportliche und zudem 30 mm tiefregelegte Version, bekommt eine 5-Grad-Hinterachslenkung dazu: Sowohl ein Meter weniger Wendkreis als auch ein wirklich noch mal besseres Fahrverhalten bei höheren Geschwindigkeiten sind die Belohnung. Je nachdem, ob man eine dritte Sitzreihe optioniert oder nicht, können für Alltag und Reise bis zu 2075 Liter zugeladen werden. Dass Audi alle Fahrassistenzen anbietet und diese entsprechend harmonisch arbeiten oder vom Fahrer eben auf Wunsch deaktiviert werden können, muss im Hause der vier Ringe nicht extra erwähnt werden. Überhaupt gilt hier: Optionieren Sie nach Lust und Laune, auch die 23-Zoll-Felgenklasse macht Eindruck.
Gemacht für Alltag und große Reise
Optisch geschliffen, markant im Auftritt und innen Extraklasse, der Q7 ist mit seinem Diesel eine sehr gut gelungene Kombination für den Alltag und die große Reise. Premium aus Ingolstadt und ab 87.900 Euro zu haben.
Ein Autotest von Nick Lengfellner / filterMagazin