Lange sah es nach dem fünften Sieg in Serie aus, doch die Bunkerladies mussten sich in Freiburg mit einem Unentschieden zufriedengeben. Nach einer wechselhaften Partie entschied sich das Spiel erst mit dem letzten Wurf – und ließ bei den Regensburgerinnen enttäuschte Gesichter zurück.
Dieses Spiel hatte wirklich alles: eine stimmungsvolle Kulisse, Führungswechsel, sensationelle Tore, unnötige Ballverluste, strittige Entscheidungen und ein Thriller-Finish mit dem besseren Ende für die Gastgeberinnen. Die Partie zwischen der HSG Freiburg und dem ESV 1927 Regensburg am Samstagabend in der 2. Alsco Handball Bundesliga Frauen endete nach einem Auf und Ab der Emotionen mit 33:33 (13:15).
Das Resultat hätte es auch in der Vorsaison in ähnlich umkämpften Duellen zweimal geben können, doch da sicherte sich jeweils das Auswärtsteam einen Sieg mit einem Tor Differenz. Regensburg reiste im neuen Bunkerladies-Bus mit dem Selbstbewusstsein aus vier Siegen in Serie an. Allerdings fehlten neben Milena Stürenburg und Leni Goldbach mit Theresa Lettl und Veronika Durankova gleich die Hälfte der Linkshänderinnen im Kader. In Sachen Wettkampfpraxis waren allerdings die Breisgauerinnen deutlich voraus, die in der Vorwoche die Nachholbegegnung gegen Rostock mit 40:30 gewonnen und dazu ein Testspiel absolvieren konnten, während die Oberpfälzerinnen eine erneute Zwangspause hatten. „Der Spielplan ist unser größter Feind“, hatte ESV-Trainer Bernhard Goldbach im Vorfeld gesagt, nachdem sein Team vor dem Sieg über Todesfelde bereits vier Wochen nur trainiert, aber nicht gespielt hatte und gleich wieder aussetzen musste.
Starker Start der Bunkerladies in Freiburg
Die Bunkerladies starteten trotzdem gut, da Torhüterin Joelle Arno gleich zur Hochform auflief: Die ESV-Keeperin parierte unter anderem zwei Strafwürfe der Ex-Regensburgerin Johanna Brennauer. Im eigenen Angriff flutschte es auch, am auffälligsten agierten dabei Maxie Fuhrmann, Caro Härtl und Topscorerin Franzi Peter. Bis zur 16. Minute waren die Gäste auf 10:4 davongezogen. Aber nicht enteilt, denn eine harte Zeitstrafe gegen Härtl unterbrach den Lauf des ESV. Regensburg verteidigte nicht schlecht, Freiburg traf aber gleich mehrere Male mit dem letztmöglichen Wurf. Angeführt von der starken Schweizer Nationalspielerin Sev Albrecht verkürzten die Red Sparrows auf 12:13. Nach lässigem Strafwurf von Melina Hahn und gekonntem Leger von Rechtsaußen Annalena Kessler nahmen die Gäste eine 15:13-Pausenführung mit, da Albrecht fünf Sekunden vor der Sirene noch verkürzen konnte.
Führungswechsel und dramatische Schlussphase
In der zweiten Hälfte drehte Regensburgs Melina Hahn richtig auf – und war auch bei der kuriosesten Szene mit absolutem Seltenheitswert die Hauptdarstellerin. Beim Stande von 20:17 für die Bunkerladies landete ihr Strafwurf an der Latte und beim Versuch, den Abpraller zu verwandeln, ihr Arm bei der Ausholbewegung im Gesicht der in den „Toten Winkel“ herbeigeeilten Gegenspielerin. Die Unparteiischen entschieden in dieser heiklen Situation gegen einen weiteren Strafwurf für Regensburg und stellten Hahn mit einer Zeitstrafe vom Feld. Freiburg bekam so fast aus dem Nichts die Möglichkeit zum Verkürzen und nutzte dies.
Regensburg verlor den Faden und einige Bälle: Zwei davon landeten im verwaisten Gehäuse. So konnte Freiburg durch einen Albrecht-Doppelpack in der 45. Minute erstmalig in Führung gehen und diese auf 24:22 ausbauen. In der Folgezeit dominierten die Offensivreihen und die Deckungsreihen bekamen wenig Zugriff. Eine Prognose war unmöglich, denn im Minutentakt traten nicht vorhersehbare Ereignisse wie eine doppelte Zwangsauswechslung ein, als Sev Albrecht nach einem verworfenen Gegenstoß mit ESV-Keeperin Joelle Arno zusammengeprallt war.
Regensburg hatte dann in dem rassigen Duell die Chance auf die Vorentscheidung, doch Lisa Schipper traf bei einem Wurf vom Kreis die nach untengehende Torhüterin Salomé Kuß im Gesicht. Die folgerichtige Unterzahl knapp drei Minuten vor Ultimo lösten die Bunkerladies durch erfolgreiche Alleingänge von Hahn und Fuhrmann, die 60 Sekunden vor dem Ende auf 33:31 stellte, bestmöglich. Eine Schlafmützigkeit in der Deckung brachte Freiburg aber nur zwölf Sekunden später den Anschlusstreffer.
Goldbach nahm die Auszeit und Melina Hahn, die im zweiten Durchgang nicht zu stoppen war, die Verantwortung für den letzten Wurf. Trotz viel Kontakt gelangte Freiburg in Ballbesitz und Julia von Kampen gelang aus dem Rückraum der Buzzerbeater bei 59:59 zum Unentschieden. Freiburg jubelte, der ESV trauerte dem zum Greifen nahen Sieg nach.
Goldbach ärgert sich über verpassten Sieg
Trainer Bernhard Goldbach ärgerte sich über den vergebenen Zweier: „Bei den Gegentoren in der Schlussminute sind wir zu passiv und den letzten Angriff spielen wir nicht lang genug aus.“
Der Sportliche Leiter Robert Torunsky konnte die Enttäuschung der Spielbeteiligten gut nachvollziehen, strich aber das fünfte unbesiegte Spiel in Serie heraus. „Wir waren heute wirklich nicht mit dem Glück im Bunde, sind uns in einigen Situationen aber auch selbst im Weg gestanden. Letzteres ist vielleicht auch eine Frage der wenigen Spiele in den letzten Wochen. Unterm Strich haben wir ersatzgeschwächt aber auswärts bei einem unangenehm zu spielenden Gegner in einem Hexenkessel nicht verloren.“
Mit nun 9:3 Punkten liegt Regensburg auf dem siebten Platz, nur zwei Minuspunkte hinter Spitzenreiter Nürtingen-Zizishausen.
ESV 1927 Regensburg: Die Statistik
Tor: Arno, Jaeschke
Feld: F. Peter, Hahn je 8/1, Fuhrmann 5, Härtl, Schipper je 3, Kollmer 2, Ehmann, Ewald, Mustafic und Kessler je 1 sowie Fabritz und Lipp
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