Mit emotionalen Worten verabschiedet sich Kapitän Nikola Gajovský: Nach über zwei Jahrzehnten beendet er seine Karriere. Den Eisbären Regensburg bleibt er dennoch erhalten – künftig gibt er seine Erfahrung als Nachwuchstrainer weiter.
„Meine Wache ist zu Ende“, sagt Nikola Gajovský – eine Anspielung auf das Fantasy-Epos „Game of Thrones“. Das 39-jährige Regensburger Urgestein ergänzt: „Ich mag die Serie – und für mich fühlt es sich einfach genau so an: als wäre als wäre es jetzt Zeit.“ Nach über zwei Jahrzehnten als Eishockey-Profi und elf Jahren in Diensten des EV Regensburg und der Eisbären, beendet der bisherige Kapitän des Zweitligisten seine Karriere.
„Ich gehe hier nicht weg – ich bleibe“
Gajovský betont: „Ich will mich von ganzem Herzen beim Klub und den Fans bedanken. Dafür, dass ich mich hier von Anfang an wie zuhause fühlen durfte. Dafür, dass alle immer so unglaublich nett zu mir waren. Und für die vielen schönen Jahre mit euch Fans. Regensburg ist für mich eine Heimat geworden und ich bin unglaublich dankbar, dass ich diese Möglichkeit bekommen habe.“ Der Routinier ist in der oberpfälzischen Hauptstadt heimisch geworden – nun hängt er seine Schlittschuhe an den Nagel. Mit 568 Spielen kommt der gebürtige Tscheche mit deutschem Pass auf die zweitmeisten in der Historie des Regensburger Eishockeys, nur Günther Dörfler stand häufiger für die Domstädter auf dem Eis (579). Dabei erzielte er nicht nur die drittmeisten Tore (250), sondern sammelte mit 429 auch mit Abstand die meisten Assists – damit kommt Gajovský auf satte 679 Torbeteiligungen für Regensburg und führt die Allzeit-Scorerbestenliste der Oberpfälzer so mit reichlich Vorsprung an. Seinen Platz in den örtlichen Sport-Geschichtsbüchern hat er damit sicher – die Eisbären und der EV Regensburg ohne Nikola Gajovský? Kaum vorstellbar. Und genau deshalb bleibt der Publikumsliebling und Rekord-Eisbär dem Standort auch weiter treu: „Ich bin hier daheim. Ich gehe hier nicht weg – ich bleibe. Auf dem Eis ist meine Wache zwar zu Ende, aber ich werde Trainer im EVR-Nachwuchs.“ Gajovský übernimmt zur kommenden Saison die U 11 und bringt seine geballte Erfahrung und Klasse in die Talentförderung ein.
Gajovský lernte das Eishockey-Spielen in seiner tschechischen Heimat, wo er sich dank starker Technik, guten läuferischen Fähigkeiten, viel Übersicht und Torriecher bis in die höchste Spielklasse arbeitete. 2015 folgte dann der Wechsel vom damaligen Zweitligisten Chomutov in die Oberpfalz. Über Jahre hinweg zählte Gajovský in der Folge zu den komplettesten Angreifern der Oberliga, hatte großen Anteil an Hauptrunden- und Süd-Meisterschaften der Regensburger. Im Frühjahr 2022 erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft, zählte seither nicht mehr als Kontingentspieler. Ein Umstand, der den Eisbären auch den nötigen Handlungsspielraum gab, vor den damaligen Drittliga-Play-offs noch einmal nachzurüsten – mit Erfolg: Am Ende holten die Eisbären um Gajovský den Titel und den DEL-2-Aufstieg.
„Mit Nikolas Entscheidung endet eine prägende Ära“
In der DEL 2 wurde Gajovský anschließend Kapitän der Donaustädter – und zeigte weiter starke Leistungen: Insgesamt lief die Identifikationsfigur noch 231 Mal im deutschen Unterhaus für die Eisbären auf und kam dabei auf beachtliche 117 Torbeteiligungen – und das, obwohl Gajovský nun auch immer wieder in der Verteidigung aufgeboten wurde. Unter seiner Führung sicherte das Team 2023 souverän vorzeitig den Klassenerhalt. 2024 folgte der märchenhafte Play-off-Lauf bis zur Sensationsmeisterschaft.
Nach dem hart erkämpften Klassenerhalt in 2024/2025 findet seine lange und bewegte Karriere nun also mit dem starken Halbfinal-Einzug in der jüngst abgelaufenen Spielzeit ein würdiges Ende. Peter Holmgren, einst als Torhüter noch Gajovskýs Mitspieler und inzwischen Geschäftsführer der Eisbären, zollt seinen Respekt: „Mit Nikolas Entscheidung endet eine prägende Ära bei den Eisbären. Über elf Jahre lang hat er unseren Klub auf und neben dem Eis mitgeformt und mit großen Momenten geprägt – allen voran der Oberliga-Titel und der DEL-2-Aufstieg und die Zweitliga-Meisterschaft werden für immer untrennbar mit seinem Namen verbunden bleiben.“ In den vergangenen Wochen seien vertrauensvolle und ehrliche Gespräche geführt worden. Holmgren betont: „Ich durfte selbst fünfeinhalb Jahre mit ihm zusammenspielen und verbinde viele intensive und besondere Erinnerungen damit. Umso mehr freut es mich, dass ‘Gajo‘ dem Verein erhalten bleibt und seine Erfahrung sowie seine Leidenschaft künftig als Nachwuchstrainer weitergibt. Er steht sinnbildlich für das, was unseren Standort ausmacht.“
EVR Eisbären GmbH & Co. KG Regensburg / RNRed