BYD bezeichnet seinen Sealion – den Seelöwen – als Perfomance-SUV. Das ist doch eine Ausfahrt wert und es gilt herauszufinden, ob es BYD (Build Your Dreams) geschafft hat, sich in uns hineinzuträumen. Dazu hatte der Sealion 7 nun ein Jahr Zeit, er kam letztes Jahr bei uns auf den Markt.
Nicht nur andere Hersteller aus China bauen hier ein Handelsnetz auf, auch BYD. In Regensburg vertreibt und verpflegt das Stern-Center Regensburg die Fahrzeuge der Marke. Und auch hier gilt eben: Die Vielfalt macht es aus und solange die Marken so klar unterscheidbar sind und zudem den eigenen Qualitätsansprüchen gerecht werden, ist es ein Win-win für beide Seiten.
Optisch ist der Sealion 7 sportlich durchgestylt und legt einen durchaus kräftigen Auftritt hin. Markant und einprägsam ist dabei natürlich die Front mit ihrem großen X-Design und der schön heruntergezogenen Fronthaube. Im Zusammenspiel mit den Kurven der Fahrzeugflanken möchten die Designer damit eine Hommage an die Energie der Meereswellen erzeugen.
Dynamische Linien, harmonisch abgestimmt und mit netten Details. Das setzt sich auch innen fort. Der Innenraum ist mit Liebe zum Detail gestaltet – und das absolut wertig. Egal, ob man dabei den Hupenknopf am Lenkrad mit seiner Ziernaht betrachtet, die Sitze oder das fast organisch geformte Interieur der Türpanele und des Dashboards. Kontrastierend werden verschiedene Materialien verbunden und schaffen eine, uns Europäern vertraute, Atmosphäre. Hartplastik ist lediglich in der unteren Türablage zu finden, dort, wo man oft mit den Füßen entlang schrammt, wenn der Fuß schneller draußen sein will als der Arm die Türe aufmacht.
Dieses Vertraute endet aber nicht in der Optik, die gesamte Nutzung zeichnet sich durch einen guten Plug-and-Play Level aus: sie werden in den Sitz gestöpselt und können sofort losfahren. Bremse getreten, Wahlhebel in der Mittelkonsole einmal zu sich ziehen und los geht’s. Auch will BYD nicht alle Funktionen über den großen Touchscreen steuern. Der eine mag es, der andere nicht so. Hier finden sich doch noch einige, wohlangebrachte Touchsensoren (in wertiger Klarglas-Optik, z.B. vor dem Gangselektor) oder eigene Knöpfe für die Außenspiegel.
Aber natürlich gibt es auch hier ein ziemlich großes Menü über den Touchscreen. Wer sich damit dann einmal auseinandergesetzt hat, findet alles durchaus schnell für künftige Wünsche. Am Tacho wurde ebenfalls mit Informationen nicht gespart – etwas üppig, aber ebenfalls schnell überschaubar.
Und so gut wie das Design des Innenraums ist, ist auch das Fahrgefühl. Wie der gewogene Leser weiß, empfehlen wir immer ein adaptives Fahrwerk, denn der Zustand unserer Straßen ist zuneh-mend unterschiedlich. Können sich die Dämpfer elektronisch anpassen, ist dies klar von Vorteil für Haftung und Komfort. Der Sealion ist jedoch wirklich gut abgestimmt und beim Setup wurden alle Hausaufgaben bestens erledigt. Egal, ob wir dabei kurvige einspurige Teerstraßen und steile Hänge hinaufgefahren sind oder es auf der Autobahn mit 180km/h und mehr laufen ließen: tadellos. Die Lenkung gibt gutes Feedback, das Fahrwerk ist straff, schafft aber trotzdem guten Komfort. Das Fahrzeug ist gewichtsbedingt kein Sportler und auch nicht als solcher konzipiert, lässt sich aber durchaus dynamisch bewegen – wir hatten Spaß.
Windgeräusche bei höheren Geschwindigkeiten? Fehlanzeige! Da können sich manche Hersteller unserer Lande etwas abschauen. Die sonstige Geräuschdämmung zur Fahrbahn und dem Abrollen der Reifen ist gut. Die technischen Assistenzen sind auf dem derzeitigen Stand und unaufdringlich. Im Alltag lässt sich dank guter Kameratechnik und 360-Grad-Sicht jede Parkplatzsituation bestens meistern. Mit seinen 4,83 Metern Länge und 1,93 Metern Breite ist man einige Zentimeter unterhalb der großen SUVs und tut sich leichter. Klappt man die Rücksitze um, sind bis zu 1.789 Liter Volumen nutzbar. Unter dem Kofferraumboden ist ebenfalls noch Raum. Insgesamt gehen 58 Liter in den Frunk.
Unsere Route führt uns bei bestem Wetter und durchaus schon über 20 Grad klimatisiert auf der Autobahn Richtung Straubing – wir wollen ja sehen, was er im flachen Land verbraucht. Die Verbrauchsanzeige ist sehr alltagsorientiert ausgelegt, was eine kurzfristige Werteermittlung schwieriger macht – wir kommen bei 100 km/h auf einen Verbrauch von 17,4 kWh (nutzbare Akkukapazität: 82,5 kWh, Reichweite mit dieser Geschwindigkeit 475 km) und bei 130 km/h auf 22,5 kWh (Reichweite so 366 km).
BYD stellt zwei Leistungsvarianten – je nach Ausstattungslinienwahl: unseren 230 kW (313 PS)-Hecktriebler (6,7 Sekunden 0-100 km/h) und einen 4-Radantrieb mit 390 kW (530 PS, 4,5 Sekunden 0-100 km/h). Bei 215 km/h regeln alle ab. Beim Allrad gibt es auch noch optional einen Akku mit nochmal ca. 9 kWh mehr, also etwa 50 km dazu. In 24 Minuten wird von 10 auf 80% geladen - mit bis zu 230 kW bei 800V Ladetechnik. Ebenfalls sind die Fahrzeuge für Bidirektionales Laden ausgelegt.
Den absolut ausgereiften Sealion gibt es in drei Varianten: Comfort (49.990 Euro), Design AWD (55.990 Euro) und Excellence AWD (60.990 Euro). Der Excellence bietet dabei Ledersitze und ein Head-up. Ab dem Design sind 20-Zöller an Board – ansonsten sind die Fahrzeuge im Grunde vollausgestattet. Mit Herstellerrabatt und Förderung geht es derzeit übrigens bei schon 35.990 Euro los.
Auto: Stern-Center Regensburg
Pilot: Nick Lengfellner / filter Magazin