RS – das Kürzel, das nicht nur Audifans zum Träumen bringt, ziert nun auch den A5 Avant (früher A4 Avant). Audi bringt den RS 5 Avant mit unfassbaren 639 PS an den Start, als Hybrid mit einem heftigen Zusatzpunch. Sportlich? Aber ganz sicher!
Der Juli beginnt erfrischend etwas kühler. Das freut auch die Autos, gerade wenn Leistung gefordert wird, und so holen wir uns den RS 5 frisch kurz nach der Markteinführung beim Audi Zentrum Regensburg ab. Das Heck begrüßt uns mit einem wunderbar sportiven Design, breiten Backen und einer Auspuffanlage, die eben nur den RS-Modellen zu eigen ist. Auch vorne ist das Design etwas aggressiver als bei seinen Geschwistern und trotzdem hat man sich eher elegant zurückgehalten und nicht versucht, den schillernden Kraftprotz zu geben.
Wir wollen uns nicht lange mit dem Interieur aufhalten – Audi und Porsche sind hier einfach auf einem eigenen Level. Das ist natürlich immer Geschmackssache, aber es ist ein wohldurchdachter Mix aus klassischem Design und sportlichen Elementen, vom Lenkrad zu den Sportsitzen über das allerorts verwandte Dinamica (bekannt als „Alcantara“, was aber eben ein geschützter Begriff der italienischen Erfinderfirma ist und die Marken diese Art von Bezug inzwischen lieber selbst produzieren). Das Design ist nahezu zeitlos und gerade deshalb so gelungen arrangiert. Dazu gibt es abgesetzte Nähte, hier und da RS-Logos und genügend hochauflösende Displays, um Fahrer und Beifahrer mit allen Infos zu versorgen.
Der RS ist in puncto Wohlfühlatmosphäre also schon mal ein perfekter Reise- und Alltagsbegleiter. Gerade wenn man ihn im „Komfortmodus“ der Einstellungen bewegt und das Gaspedal nicht ausschöpft. Easy Cruising. Aber wehe, wenn man dann in die RS-Modi wechselt und sich das System anspannt wie ein Sprinter am Startblock – dann bläst der RS zur Jagd. Klar bevorzugtes Revier: Autobahn. Hier kann toben, was toben will, und das ist die massive Hybridpower, die einem RS 5 jetzt eben innewohnt. Als Verbrenner arbeitet hier ein 2,9-Liter-V6-Biturbo, der zusammen mit dem Elektro-Antrieb eine Systemmaximalleistung von 639 PS auf die Straße bringt. Sportkombi ist da schon eher untertrieben. Da reichen trotz Allrad auch die 285er-Pneus nicht immer, er hat Kraft wie ein Bodybuilder. Neben diversen Fahrmodi und dazugehöriger Taste am Lenkrad kann man dann auch noch einen Boost aktivieren. 825 Nm maximal, in 3,6 Sekunden geht es auf 100 km/h. Der brachiale Durchzug findet kein Ende und schließlich ist auch erst bei 285 Schluss – zumindest, wenn man das Sportpaket optioniert hat – ansonsten wird bei 250 km/h abgeregelt. Die doch massiven 2.370 kg werden dabei durchaus spielerisch nach vorne katapultiert, merklich werden sie erst, wenn wirklich schnelle Lastwechsel gefordert werden wie auf alten, engen Landstraßen in hügeligem Terrain. Den permanenten Allradantrieb kann man übrigens durch das Torque-Rear-Fahrprogramm auch noch etwas nach hinten gewichten, dann geht‘s auch mit leichten Drifts noch einfacher. Maximale Dynamik eben.
Und das ist eben das gelungene Motto des RS 5: Power im Überfluss und trotzdem alles an Bord, was es an Komfort und Technik gibt, um ein perfektes Fahrerlebnis zu garantieren. Klappt!
Dass man beim Losfahren lediglich elektrisch angetrieben wird und der Motor sich erst bei geforderter Leistung zuschaltet, ist zunächst ungewohnt. Man erwartet beim Startknopfdrücken eben noch Verbrennersound. Ist dies im Kopf jedoch umgespeichert, dann zeigt sich die Harmonie. Die Töne mischen sich: etwas Auspuff, dazu etwas digitaler Support, und wenn dann der Gasfuß durchtritt, dann überlagert der Motor kernig, bis er seine maximalen 7.000 U/min erreicht – deutlich hörbar sowohl draußen als auch drinnen. Audi mischt das sehr gut und entsprechend dem Fahrprogramm kann die Klangkultur sportlich oder sehr dezent grummelnd Komfort oder Dynamik melodisch komplettieren.
Bei uns waren dazu noch Keramikbremsen montiert, fein dosierbar und erst mit angemessenem Druck zupackend. Das adaptive Fahrwerk ist gut abgestimmt, hält Bodenkontakt, auch wenn es uneben wird, oder verhindert ein Aufschaukeln, wenn es beim radikalen Einbremsen hinten leicht wird. So geht es präzise in die kommende Kurve und antriebsbedingt extrem flott heraus. Lustvoll ins Gas und die Gripgrenze ist schnell erreicht und katapultiert den RS5 weiter zur nächsten Aufgabe, es macht wirklich Spaß. Wer es dann mal ruhig mit 130 km/h auf der Autobahn laufen lassen möchte, ganz ohne Stromantrieb, der braucht dabei ca. 9,6 Liter Benzin – ein guter Wert für diese Powerbank. Natürlich hilft ein zugeschaltener Hybrid aber eben auch, Benzin zu sparen. Entweder weil er seinen Akku leert oder weil er eben Energie rückgewinnen und wieder einspeisen kann. Das geht am besten in der Stadt, wo meist mit dem Elektromotor gebremst und somit viel rekuperiert werden kann, oder eben bei Bergabpas-sagen. In der Stadt spart dies sicher ein paar Liter Sprit, rein elektrisch reichten die nutzbaren 22 kWh des Akkus für 80 bis 120 km. Bei getesteten 100 km/h werden etwas über 20 kWh pro 100 km benötigt. Auch kann man durch das Fahren wieder aufladen. Der Akku sitzt übrigens im Heck und lässt das Kofferraumvolumen aufgrund eines etwas höheren Kofferraumbodens geringfügig kleiner werden (361/1.302 Liter).
Der RS 5 geht radikal vorwärts. Wer Spaß am Beschleunigen hat, aber auch gemächlich-souverän touren möchte, erhält hier ein perfekt aufgestelltes Fahrzeug – zum RS-Startpreis von 107.850 Euro.
Nick Lengfellner | filterVERLAG / RNRed