Endlich war es so weit: Die drei Gewinner des Schreibwettbewerbs vom VS Ostbayern wurden vergangenen Freitag im Rahmen einer Preisverleihung, in der Stadtbücherei Regensburg, mit ihren Preisen ausgezeichnet. Ihre Werke zum Thema „Schamgefühl“ überzeugten mit sanfter Kreativität.
Am Freitag, den 27. Februar 2026, kamen verschiedenste Gemüter und Stimmen in den Gassen der Regensburger Altstadt zusammen. Aus den anliegenden Lokalen waren rege Unterhaltungen zu hören und einzelne Düfte, die den Gastronomen aus den Küchen entflohen, flogen einem flüchtig unter der Nase vorbei. Für einige ging es zu der Zeit in die Stadtbücherei am Regensburger Haidplatz, denn dort fand um 19:30 Uhr ein besonderes Event statt.
Letztes Jahr wurden die Tore des Schreibwettbewerbs, der vom Schriftstellerverband Ostbayern im Rahmen der Veranstaltung „Regensburg liest ein Buch“ organisiert wurde, geöffnet. Bis zum Montag, den 15. Dezember 2025, hatten Autorinnen und Autoren aus Niederbayern und der Oberpfalz Zeit, ihre Texte zum Thema „Schamgefühl“ einzusenden. Knapp 50 Personen haben diese Gelegenheit ergriffen.
Die Mühen von drei Personen haben sich besonders gelohnt: Theresa Manhart, Ali Haydar Karahan, Brigitte Eisenhut. An diesem warmen Frühlingsabend wurden die drei Sieger des Wettbewerbs im Rahmen einer Preisverleihung, die in der Stadtbücherei Regensburg um 19:30 Uhr stattfand, für die Brillanz ihrer Texte ausgezeichnet. Das Thema „Schamgefühl“ wurde von allen drei individuell und authentisch aufbereitet. Die drei Gewinner konnten sich an dem Tag nicht nur über ihre Preise freuen, sondern auch über die Bühne, die ihnen und ihrer Kunst geschenkt wurde.
Ein Abend für Gemeinschaft und Literatur
Die Anwesenden des VS Ostbayerns betonten im Verlauf der Preisverleihung den Sinn der Gemeinschaft einer solchen Veranstaltung. Durch die simple Anwesenheit auf dem Event konnten Einzelpersonen sich untereinander über den Kern ihrer geteilten Leidenschaft zur Literatur austauschen. Weil der Besuch der Veranstaltung kostenfrei war, standen die Türen für alle Interessierten offen.
Im Publikum befanden sich nicht nur die Gewinner, Organisatoren, Begleitpersonen und Jury-Mitglieder, sondern auch andere Teilnehmende, die dieses Jahr keinen Preis gewonnen haben. Dennoch fanden sie die Zeit, bei der Preisverleihung anwesend zu sein. Sei es aus Solidarität zu den Gewinnern, oder der schlichten Neugier für die Schreibkunst.
Schon bald war die Stadtbücherei mit interessierten Ohren gefüllt, einige hielten Getränke in der Hand, andere verwickelten sich in rege Unterhaltungen – um Punkt 19:30 Uhr begann die Lesung und der Raum verstummte.
Zunächst ergriffen die Veranstalter, darunter Eva Honold vom VS Ostbayern, das Wort. Sie lobten die Organisation der Veranstaltungen rund um das Buch von Daniela Dröscher „Lügen über meine Mutter“, welches die Inspiration für das Thema des Schreibwettbewerbs gewesen sei.
Kurz darauf wurden auch schon die Gewinner des Schreibwettbewerbs vorgestellt: Den ersten Platz ergatterte Theresa Meinhart mit ihrem Text „Haut aus Papier und Licht“, den zweiten Platz belegte der Autor Ali Haydar Karahan mit „Ayıp“ und auf dem dritten Platz folgte Brigitte Eisenhut mit „In der Mitte“. Eva Honold präsentierte zunächst bei jeder Autorin und jedem Autor kurze biografische Details sowie die Hintergründe der jeweiligen Werke. Anschließend übergab sie den Gewinnern ihre Preise.

Von links: Eva Honold (Vize-Vorsitzende des Schriftstellerverbandes Ostbayern), Ali Haydar Karahan (2. Platz), Theresa Manhart (1. Platz), Brigitte Eisenhut (3. Platz), Angela Kreuz (Schriftstellerin und Jury-Mitglied) © Tamara Đurić
Scham, Kunst, Mensch
Theresa Manhart begann mit dem Lesen. Ihr Text „Haut aus Papier und Licht“ durchleuchtet mit ihrer sanften und doch präzisen Bildsprache einen Erkenntnisprozess im Kontext mit der Verarbeitung von Traumata. Im frischen Kontrast zu dem rein introspektiven Text stand das Werk „Ayıp“ von Ali Haydar Karahan. Denn dieser setzt sich mit kulturellen und gesellschaftlichen Perspektiven auseinander, die den Begriff rund um „Ayıp“ definieren – Untugend, Schande, Peinlichkeit und Scham. Auch Brigitte Eisenhut sah den Ursprung des Schams in einem sozialen Determinismus, geformt von der Öffentlichkeit und ihrer Macht, über das, was wir als ‚Würde‘ verstehen, und setzt sich mit dem Ausbruch aus solch einem Zwang auseinander.
Doch alle drei schafften es in wenigen DIN A4 Seiten einen indirekten Appell an den Mut zur Empathie für die Mitmenschen und zum Hinterfragen der eigenen Gefühle auszurufen.
Asra Emin / RNRed