Der Star-Violinist David Garrett kommt im Juli zu den Thurn und Taxis Schlossfestspielen nach Regensburg. In einem exklusiven Interview spricht er über eiserne Disziplin, seinen Weg zum Erfolg, das Leben auf Tour und warum Musik für ihn bis heute harte Arbeit ist.
Seit Jahrzehnten ist David Garrett ein bekannter Künstler weltweit: Er füllt Konzerthallen mit seiner Musik, die Klassik und Pop verbindet. Neben seiner Karriere als Violinist modelt er für namhafte Marken und hat mit seiner Autobiografie „Wenn ihr wüsstet“ auch literarische Einblicke in sein Leben gegeben.
Im Juli kommt der Künstler, der auf der Bühne regelrecht mit seiner Geige verschmilzt, nach Regensburg. Im exklusiven filter-Interview spricht der 46-Jährige über eiserne Disziplin, seinen steinigen Weg zum Erfolg und darüber, wie er im Tour-Stress seine innere Balance findet.
Was genau fasziniert dich an dem Instrument „Geige“?
Die Vielseitigkeit des Sounds – du hast vom Bariton (dem tiefsten männlichen Gesang) bis zum Sopran (die höchste weibliche Stimmlage) die Diversity auf dem Instrument. Für mich ist das sehr spannend: Weil ich selbst keine gute Singstimme habe, ist das sozusagen mein Singstimmen-Ersatz.
Du hast mit vier Jahren deine erste Geige samt Unterricht erhalten. Wann hat sich die Musik für dich nicht mehr wie eine Pflicht angefühlt?
Es ist immer noch eine Pflicht – bis zum heutigen Tag. Arbeit ist Arbeit und um etwas gut zu machen, musst du Zeit, Disziplin und Einsatz miteinbringen und das ein Leben lang. Natürlich gibt es Momente, in denen sich die Arbeit auszahlt und ein Freiheitsgefühl auf der Bühne entsteht, aber um diese Momente zu genießen, muss man sehr viel an sich selbst und am Instrument arbeiten.
In mehreren Interviews sagst du, dass du viel Disziplin für das Erlernen der Geige aufwenden musstest. Würdest du sagen, das kam auch von einer strengen Erziehung?
Ja, auf jeden Fall. Es war eine sehr konservative und „straight-forward“ Erziehung. Da konnte man auch mit Diskutieren nichts ändern. Aus heutiger Sicht war die Erziehung meiner Eltern streng, aber im klassischen Musikbereich war das damals nichts Ungewöhnliches.

© Reiner Pfisterer
„Das Herz war dann doch immer bei der Musik“
Du hast an der Juilliard School – einer der renommiertesten Ausbildungsstätten für Musik, Tanz und Schauspiel – in New York studiert und währenddessen gemodelt, um dir etwas dazu zu verdienen – hast du damals keine Karrieremöglichkeit im Model-Business gesehen?
Das war nie meine Intension. Ich bin damals nach New York gezogen, ohne die finanzielle Unterstützung meiner Eltern. Zu der Zeit war es so, dass meine Entscheidung nicht als „richtig“ angesehen wurde und daher musste ich mich selbst finanziell zurechtfinden. Dementsprechend habe ich jede Möglichkeit genutzt, um das Studium zu bezahlen. Damals hat die Schule schon 37.000 Dollar im Jahr gekostet – da sucht man Möglichkeiten, das Geld irgendwie zusammenzukratzen. Ich habe als Promoter in einem Nachtclub gearbeitet und Hauskonzerte gegeben, wenn Leute eine Stunde lang Musik haben wollten. In New York bin ich eines Tages auf der Straße angesprochen worden, ob ich nicht als Model arbeiten möchte. Das hat mir ein paar Türen geöffnet und damit habe ich auch schnell viel Geld verdient. Das Modeln hat mir Spaß gemacht, aber das Herz war dann doch immer bei der Musik.
Soziale Kontakte, um nicht innerlich zu „verdorren“
Wie sieht ein „normaler“ Tag bei dir aus, wenn du nicht auf Tour bist?
Mein Alltag ist gut durchgetaktet. Ich versuche immer, meine Übungseinheiten für die Feinmotorik zu machen. Dann spiele ich meine Episoden durch, mache Sport und versuche, mich gesund zu ernähren. Natürlich möchte ich auch mit ein paar Leuten den sozialen Kontakt erhalten, damit ich nicht innerlich verdorre.
Das Tour-Leben ist sicherlich sehr anstrengend. Gibt es Möglichkeiten, mit denen du den Stress bewältigen kannst?
Ich gehe gerne ein bisschen spazieren und versuche, den Kopf abzuschalten. Alles was entschleunigt, ist hilfreich für mich.
Wie hältst du dich körperlich fit für die Tour?
Ich hatte Probleme mit dem Rücken, daher trainiere ich nicht mehr mit Gewichten. Aber alles, was mit Dehnen oder Ausdauersport zu tun hat, mache ich gerne. In den zweieinhalb Stunden auf der Bühne bin ich sehr aktiv und stehe nicht nur auf demselben Fleck, daher sollte die Kondition schon da sein, sonst wird das nach dem dritten Konzert schwierig.
Wie entsteht bei dir ein neues Album – eher aus einem Gefühl, einer Melodie oder einem konkreten Erlebnis heraus?
Ich schreibe über das Jahr verteilt immer Ideen wie Titelnamen und Melodien auf. Dann setze ich mich hin und schaue sie durch. An dem Projekt, das sich für mich in dem Moment spannend anfühlt, arbeite ich dann.
Gibt es einen Song, der dir persönlich besonders viel bedeutet?
Ganz klar: Das Klavierkonzert. Das ist sehr besonders, weil es schon ein größeres Werk ist und sehr aufwendig war.

© Dennis Dirksen
„Die Menschen sollen Urlaub vom Leben nehmen“
Du tourst aktuell durch Deutschland und Österreich – gibt es Städte, auf die du dich ganz besonders freust?
Ich freue mich grundsätzlich auf jedes Konzert in jeder Stadt. Es ist immer wieder ein Highlight für mich, auf der Bühne stehen zu dürfen. Alleine schon die Atmosphäre bei den Open-Air-Konzerten, draußen in der Sonne und an der frischen Luft – das ist noch einmal ein ganz anderer Lifestyle-Moment als in einer Konzerthalle.
Du kommst am 14. Juli 2026 mit deiner „Millennium Symphony Open Air Tour“ nach Regensburg zu den Thurn und Taxis Schlossfestspielen: Was können deine Fans bei diesem Auftritt erwarten?
Das, was ich seit Jahrzehnten anbiete: Ein tolles Programm, gute Unterhaltung auf einem sehr hohen Niveau, gute Musik und viel Spaß. Die Menschen sollen damit Urlaub vom Leben nehmen, abschalten und den Alltag vergessen können. Diesen Moment können sie einfach nur genießen.
Gibt es weitere Projekte, die du realisieren möchtest?
Ich freue mich, im Oktober dieses Jahres ein Klassik-Album zu veröffentlichen. Nächstes Jahr bin ich wieder weltweit auf Tour. Und in der Zwischenzeit werde ich mich um ein neues Projekt kümmern, darüber verrate ich aber noch nichts!
| Wer in die musikalische Welt von David Garrett eintauchen möchte, hat dazu auf seiner aktuellen Tour die Gelegenheit. Am 14. Juli 2026 kommt der Künstler mit seiner „Millennium Symphony Open Air Tour“ nach Regensburg zu den Thurn und Taxis Schlossfestspielen. |
Wir sind gespannt auf deine kommenden Projekte und bedanken uns für das spannende Interview!
Ein Interview von Sarah Solleder I filter Magazin