Nach dem tödlichen Angriff auf einen Bankmitarbeiter in Regensburg wollen Grüne Abgeordnete klären, welche Informationen den Behörden vor der Tat vorlagen – und ob Warnsignale möglicherweise übersehen wurden.
Der tödliche Angriff auf einen Bankmitarbeiter in Regensburg vom 23. Juli wird den Bayerischen Landtag beschäftigen. Mit einer schriftlichen Anfrage an die Staatsregierung wollen die Landtagsabgeordneten Jürgen Mistol (Regensburg) und Florian Siekmann (innenpolitischer Sprecher der grünen Landtagsfraktion) klären, welche Erkenntnisse zum Tatgeschehen vorliegen und wie Polizei, Justiz, Jugendhilfe und weitere Behörden im Vorfeld der Tat mit dem Beschuldigten befasst waren.
Eine Nacht im Polizeigewahrsam
Im Mittelpunkt der Anfrage stehen insbesondere die Umstände, unter denen sich der Beschuldigte nach Medienberichten bereits am Tag vor der Tat auf einer Regensburger Polizeidienststelle gemeldet und anschließend eine Nacht im polizeilichen Gewahrsam verbracht haben soll. Die Abgeordneten fragen unter anderem, welche Erkenntnisse den Behörden zu diesem Zeitpunkt vorlagen, wie eine mögliche Eigen- oder Fremdgefährdung eingeschätzt wurde und welche Handlungsmöglichkeiten geprüft wurden.
„Nach einer Tat wie dieser stellen sich viele Menschen die Frage, ob sie hätte verhindert werden können. Diese Frage lässt sich nur auf Grundlage gesicherter Erkenntnisse beantworten. Deshalb wollen wir den Sachverhalt umfassend aufklären“, erklärt Jürgen Mistol.
„Es geht nicht darum, vorschnell Schuld bei Behörden oder Beschäftigten zu suchen“
Darüber hinaus erkundigt sich die Anfrage nach früheren Kontakten des Beschuldigten mit Polizei, Justiz, Jugendhilfe und weiteren Behörden sowie nach einem möglichen behördenübergreifenden Informationsaustausch. Außerdem soll die Staatsregierung darlegen, ob die bestehenden Hilfesysteme und Schutzmechanismen im konkreten Fall gegriffen haben und ob sie nach derzeitigem Stand organisatorischen oder gesetzlichen Änderungsbedarf sieht.
„Es geht ausdrücklich nicht darum, vorschnell Schuld bei einzelnen Behörden oder Beschäftigten zu suchen. Uns interessiert, ob die bestehenden Strukturen funktioniert haben und welche Lehren sich aus diesem tragischen Fall ziehen lassen. Wenn Verbesserungsbedarf besteht, müssen wir ihn erkennen und benennen“, so Mistol.
Die Schriftliche Anfrage wurde Ende Juli 2026 in den Bayerischen Landtag eingebracht. Mit einer Antwort der Staatsregierung ist in den kommenden Wochen zu rechnen.
Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen / RNRed