Steinerne Brücke, Dom und verwinkelte Gassen gehören für Einheimische zum Alltag. Für Hunderttausende von Gästen sind sie jedes Jahr ein Grund, nach Regensburg zu reisen. Zum Welttourismustag am 27. September zeigen aktuelle Zahlen, welche Bedeutung der Tourismus inzwischen für die Stadt hat.
Wer durch die Regensburger Altstadt läuft, begegnet ihnen beinahe täglich: Reisegruppen vor dem Dom, Urlauber mit Stadtplan oder Besucher, die auf der Steinernen Brücke für ein Erinnerungsfoto stehen bleiben. Regensburg ist längst ein internationales Reiseziel. Wie viele Menschen tatsächlich in die Stadt kommen und welche wirtschaftliche Bedeutung damit verbunden ist, zeigen die aktuellen Tourismuszahlen.
Fast 786.000 Gäste in einem Jahr
Die Zahl der Gäste in Regensburg ist 2025 weiter gestiegen. Insgesamt verzeichnete die Stadt 785.600 Gästeankünfte – gut vier Prozent mehr als im Jahr zuvor. Rund drei Viertel der Besucher kamen aus Deutschland, knapp ein Viertel aus dem Ausland.
Bei den Übernachtungen fiel die Entwicklung dagegen nahezu stabil aus: Rund 1,36 Millionen Übernachtungen wurden in den Regensburger Beherbergungsbetrieben gezählt, ein leichtes Minus von 0,32 Prozent. Im Schnitt blieben die Gäste 1,73 Tage in der Stadt.
Für 2026 zeigt die Kurve bislang wieder nach oben. Von Januar bis Juli wurden 1,7 Prozent mehr Übernachtungen gezählt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Mehr als 860 Millionen Euro Umsatz
Tourismus bedeutet für Regensburg jedoch weit mehr als gut gefüllte Hotels und Reisegruppen in der Altstadt. Laut der aktuellen Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus für die Stadt Regensburg 2025“ lag der touristische Bruttoumsatz im vergangenen Jahr bei 860,5 Millionen Euro. Das sogenannte Beschäftigtenäquivalent betrug 10.132 Personen.
Von den Ausgaben der Gäste profitieren nicht nur Hotels und die Gastronomie. Auch Einzelhandel, Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie zahlreiche Dienstleister sind Teil der touristischen Wertschöpfung.
Jakob Reitinger, Geschäftsführer der Regensburg Tourismus GmbH, sieht darin jedoch nur eine Seite der Tourismusentwicklung: „Tourismus ist für Regensburg ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und zugleich ein Teil unserer Stadtentwicklung. Er schafft Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel, Kultur und Freizeit.“ Gleichzeitig müsse die Entwicklung von den Menschen in der Stadt mitgetragen werden. Deshalb setze Regensburg auf Qualität, Nachhaltigkeit und eine bessere Besucherlenkung. Ziel sei es, Belastungen gezielt zu reduzieren. „Unser Ziel ist ein Tourismus, von dem Gäste, Einheimische und die gesamte Stadt gleichermaßen profitieren“, so Reitinger.
Künstliche Intelligenz hilft bei der Reiseplanung
Wie sich Gäste über eine Stadt informieren und ihren Aufenthalt planen, verändert sich zunehmend. Genau darauf richtet auch der diesjährige Welttourismustag seinen Blick. In Regensburg ist Künstliche Intelligenz im Tourismus bereits an mehreren Stellen im Einsatz.
Seit März 2024 nutzt die Regensburg Tourismus GmbH auf ihrer Website einen KI-basierten GenAI-Chat. Wer beispielsweise wissen möchte, welche Sehenswürdigkeiten einen Besuch wert sind, welche Veranstaltungen stattfinden oder Unterstützung bei der Urlaubsplanung sucht, kann seine Fragen direkt im Chat stellen. Das System ist rund um die Uhr verfügbar und formuliert seine Antworten passend zur jeweiligen Anfrage. Dabei greift die KI nach Angaben der RTG auf eine eigene Datenbasis zurück, zu der unter anderem die Inhalte der Tourismusseite gehören. Inzwischen kann der Chat Informationen in 101 Sprachen sowie in Leichter Sprache bereitstellen. 2025 erhielt das Angebot den dritten Platz beim ADAC Tourismuspreis Bayern.
Mittlerweile geht der Einsatz von KI noch weiter. „Unter dem Motto ‚KI in der TI‘ setzen wir inzwischen verschiedene KI-Anwendungen in der Tourist Information ein“, erklärt Jakob Reitinger. Seit Anfang 2026 nutzt die Tourist Information zusätzlich eine KI-gestützte Telefonie. Sie übernimmt außerhalb der Öffnungszeiten Anfragen und ist unter anderem mit dem aktuellen Veranstaltungskalender und dem Ticketsystem verbunden. Dadurch kann das System auch zeitbezogene Fragen, etwa zu Veranstaltungen, beantworten.
Parallel arbeitet die RTG am Projekt „Sehenswürdigkeiten und Orte als KI-Modell“. Die Idee dahinter: Gäste sollen sich künftig mithilfe von KI über Regensburger Sehenswürdigkeiten informieren können. Besonders weit fortgeschritten sind nach Angaben Reitingers derzeit die Modelle zum Dom St. Peter und zur Steinernen Brücke. Dabei steht die Verlässlichkeit der Informationen im Mittelpunkt. Die Inhalte werden gemeinsam mit den zuständigen Ämtern, Fachstellen und Experten erarbeitet und abgestimmt. „Gerade bei historischen Themen wollen wir sicherstellen, dass die Informationen fachlich korrekt sind und keine Fehler durch die KI entstehen oder weitergetragen werden“, betont Reitinger. Bei weiteren Sehenswürdigkeiten laufen die fachlichen Abstimmungen und Freigaben derzeit noch.
Geschichte bleibt ein wichtiger Anziehungspunkt
Auch wenn sich die Reiseplanung verändert, sind es vor allem die bekannten Sehenswürdigkeiten, die Gäste nach Regensburg ziehen. Die Altstadt mit Stadtamhof gehört seit 2006 zum UNESCO-Welterbe; mehr als 1.000 Baudenkmäler prägen das Stadtbild. Dom St. Peter und Steinerne Brücke zählen ebenso dazu wie das Alte Rathaus, mittelalterliche Patrizierhäuser und die Spuren der Römer. Eine Besonderheit liegt dabei in der Nähe der unterschiedlichen Epochen zueinander. Zwischen römischer Vergangenheit, mittelalterlicher Handelsstadt und dem Ort des Immerwährenden Reichstags liegen oft nur wenige Gehminuten. Was Besucher gezielt aufsuchen, gehört für die Menschen, die hier leben, meist ganz selbstverständlich zum Stadtbild.
Die eigene Stadt mit anderen Augen sehen
Der Welttourismustag am 27. September ist deshalb auch eine Gelegenheit, die eigene Stadt einmal aus der Perspektive ihrer Gäste zu betrachten.
Gelegenheiten, Regensburg selbst neu zu entdecken, gibt es in den kommenden Wochen einige. Im Rahmen der „Haltestelle Zukunft“ am Fischmarkt stehen am 1. und am 4. Oktober zwei Stadtspaziergänge auf dem Programm. Dabei geht es um die Vergangenheit des Quartiers und die Frage, wie sich der Bereich künftig entwickeln könnte. Bei einem der Spaziergänge ist auch Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger dabei und kommt mit den Teilnehmern über die Entwicklung des Fischmarkts ins Gespräch.
Am 2. Oktober verwandelt sich das Thon-Dittmer-Palais am Haidplatz ab 19 Uhr bei der Langen Nacht der Demokratie in einen „Erlebnispark der Demokratie“. Unter dem Motto „Democrazy“ gibt es bei freiem Eintritt Diskussionen, Musik, Kunst und zahlreiche Mitmach-Angebote. Dazu gehören eine Silent Disco, eine „Living Library“, Kurzfilme, Workshops und ein virtueller 360-Grad-Rundgang durch die historischen Innenräume des Alten Rathauses. Vor dem Palais feiert zudem das neue „BurgerGespräch“ mit Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger Premiere.
Ebenfalls am 2. Oktober startet die neue Saison der Regensburger Rathauskonzerte. Zum Auftakt ist um 19.30 Uhr das Blechbläserquintett Canadian Brass im Historischen Reichssaal zu Gast. Der geschichtsträchtige Saal im Alten Rathaus, in dem von 1663 bis 1806 der Immerwährende Reichstag tagte, bildet dabei selbst einen besonderen Teil des Konzerterlebnisses.
Am 10. Oktober folgt die zweite Lange Nacht der Museen. Von 18 bis 1 Uhr öffnen Museen, Galerien, Kirchen und weitere Kulturorte in der ganzen Stadt ihre Türen. Nach der Premiere im vergangenen Jahr sind diesmal auch elf neue Kulturorte dabei. Besucher können zwischen den teilnehmenden Häusern wechseln und Regensburg bei Kunst, Geschichte und Kultur bis tief in die Nacht erkunden. Bis zum 1. Oktober besteht zudem die Chance, zwei Eintrittskarten zu gewinnen.
Wer nicht auf einen besonderen Termin warten möchte, kann die Perspektive der Gäste auch bei einem Spaziergang durch die Altstadt einnehmen. Denn eine Stadt, die im vergangenen Jahr fast 786.000 Gästeankünfte verzeichnete, bietet auch den Regensburgern viele schöne Lieblingsplätze.
Regensburg Tourismus GmbH / RNRed