Die richtige Kommunikation entscheidet häufig über den persönlichen Erfolg, das Gelingen von Projekten oder das Klima im Team. Doch wie spricht man am besten mit Kollegen – und gelten die gleichen Regeln auch im Umgang mit dem Chef? Psychologin Anika Schiller, M.Sc., erklärt, welche Strategien helfen, um Gespräche souverän zu führen und den Arbeitsalltag zu erleichtern.
Ein Gespräch mit dem Chef oder der Chefin ist nicht immer leicht, doch auch im Team kommt es immer wieder – häufig unbeabsichtigt – zu Konflikten durch eine missverständliche Kommunikation. Dabei kann die richtige Art, Gespräche zu führen, entscheidend zu einem funktionierenden Team und einem schönen Miteinander beitragen. Im Interview beantwortet Psychologin Anika Schiller, M.Sc., spannende Fragen zum Thema Kommunikation am Arbeitsplatz.

Anika Schiller, M.Sc., ist Psychologin sowie systemische Beraterin und Therapeutin i. A.
In ihrer Privatpraxis in Regensburg bietet sie Einzel- und Paargespräche sowohl auf Deutsch, Spanisch als auch Englisch an. Sie begleitet Menschen in emotionalen Krisen, bei zwischenmenschlichen Konflikten sowie in allen Lebenssituationen, in denen psychologische Unterstützung gefragt ist.
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Wie schafft man ein respektvolles Kommunikationsklima im Team? Wie kann konkret der erste Schritt aussehen? Spreche ich die Teammitglieder einzeln an oder setze ich ein Meeting an, in dem ich erkläre, wie fortan kommuniziert wird?
Kommt wie immer darauf an. Ich würde sagen, am besten als gutes Beispiel vorangehen. Klarheit, Transparenz und Raum für Feedback sind sicher hilfreich. Für mein Team einen Rahmen schaffen, in dem gesprochen werden kann, konkrete Zeiten dafür einräumen, zuhören, ehrlich sein und wertschätzend darauf reagieren, wenn sich jemand öffnet. Und bei konkreten Problemen würde eher erst einmal mit den einzelnen Teammitgliedern reden, um niemanden bloßzustellen.
Welche Strategien helfen dabei, schwierige Gespräche mit Kollegen oder Vorgesetzten zu führen?
Wenn Klienten mit diesem konkreten Anliegen zu mir kommen, erarbeite ich zum Beispiel erst einmal einen inneren Schutz oder eine inneres Kraftsymbol. Und dann übe ich eventuell die Situation mit dem Klienten mit einem leeren Stuhl für die Kollegen oder Vorgesetzten.
Sollte man hier im Zweifel ansprechen, was einen stört oder sich im Verhältnis zur Kommunikation in Liebesbeziehungen oder Freundschaften eher zurückhalten?
Das kann man nicht verallgemeinern. Grundsätzlich bin ich eher ein Fan, Dinge anzusprechen, weil sie ja auch unausgesprochen ihren Einfluss aufs System haben – sei es Arbeitssystem, Familiensystem etc. – und dann Reibung verursachen und schwerer zu klären sind.
Gibt es eine Art der Kommunikation, die schnell Vertrauen aufbaut – etwa, wenn man neu im Job ist?
Wenn man selber etwas von sich preisgibt, baut das Nähe und damit meist auch Vertrauen auf. Das würde ich am Arbeitsplatz aber nur dosiert einsetzen, vor allem bei der Kommunikation mit Klienten. Und ansonsten aktiv Zuhören mit Blickkontakt, Mimik, Gestik und allem, was dazugehört.
Viele haben Angst oder fühlen sich unwohl dabei, ein Gespräch mit seiner Vorgesetzten bzw. seinem Vorgesetzten zu beginnen. Wie spricht man am besten mit dem Chef und sollte man die Kommunikation an die Persönlichkeit des Vorgesetzten anpassen?
Hier ist eine allgemeingültige Antwort schwierig – es kommt wie immer auf den individuellen Fall an.
Wenn Klienten mit diesem Thema zu mir kommen, nutze ich verschiedene Techniken, um solche „schwierigen“ Gespräche vorzubereiten und zu lernen, mit der Angst umzugehen. Wie oben schon erwähnt, kann es helfen, ein persönliches Schutz- oder Kraftsymbol zu erarbeiten, das ich dann mit ins Gespräch nehmen kann – zum Beispiel ein schöner Stein in der Hosentasche, der für mein Selbstbewusstsein steht. Auch biete ich meinen Klienten in einem solchen Fall an, das Gespräch im sicheren Setting der Therapie zu üben. Das erleben viele als sehr hilfreich und kann man auch zu Hause mit einer Bezugsperson oder einem leeren Stuhl ausprobieren.
Und ja, seine Kommunikation an das Gegenüber anzupassen, ist sinnvoll – solange man dabei authentisch bleibt. Manche Vorgesetzte schätzen klare Fakten und kurze Aussagen, andere legen mehr Wert auf Beziehung und Austausch. Wenn ich meine Botschaft entsprechend formuliere, erhöht das die Chance, gehört und verstanden zu werden.
Inwiefern unterscheidet sich die Kommunikation mit dem Vorgesetzen von der mit den Kollegen?
In einem Arbeitsumfeld mit flachen Hierarchien unterscheidet sich die Kommunikation mit der oder dem Vorgesetzten wahrscheinlich nur wenig von der mit den Kolleginnen und Kollegen. Trotzdem nehme ich meinem Chef oder meiner Chefin gegenüber eine andere Rolle ein. Mit Vorgesetzten kommuniziere ich meist ziel- und lösungsorientierter und formeller, weil Verantwortung und Bewertung eine größere Rolle spielen. Mit Kolleginnen und Kollegen ist die Kommunikation in der Regel gleichberechtigter, informeller und stärker auf Zusammenarbeit ausgerichtet.
Marina Triebswetter | filterVERLAG