Seit mittlerweile fünf Jahren steht ein rotes Klinkersteingebäude – das ehemalige REWAG-Gebäude – in der Greflingerstraße 22 in Regensburg leer. Nun soll es im kommenden Jahr für rund 39 Millionen Euro saniert und zum dritten Rathaus umfunktionert werden. Doch was bedeutet das in Hinblick auf Kosten, Büros und möglichen Wohnraum in der Stadt?
Bereits 2021 erwarb die Stadt Regensburg das REWAG-Gebäude für rund 11,6 Millionen Euro. Ein Jahr später wurde der Standort zunächst als Impfzentrum in der Corona-Pandemie genutzt, seitdem steht das Gebäude leer. 2027 sollen nun die Sanierungsarbeiten beginnen, um den Standort als drittes Rathaus für den Verwaltungsapparat der Stadt Regensburg zu nutzen. Doch welche finanziellen Auswirkungen hat das Vorhaben langfristig – und entsteht durch die freiwerdenden Büroflächen möglicherweise zusätzlicher Wohnraum in der Domstadt?
Vier Gebäude auf einem Areal: Das plant die Stadtverwaltung
Die Stadtverwaltung habe den Standort bewusst gewählt, da die innenstadtnahe Lage, die vorhandene Infrastruktur mit einem gutangebundenen ÖPNV und die fußläufige Erreichbarkeit bestehender Verwaltungsstandorte optimal seien, erklärt Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt Regensburg, und fügt hinzu, dass die Nähe zum benachbarten R-Werk die Zusammenarbeit mit der Stadt erleichtere.

So sieht das ehemalige REWAG-Gebäude aktuell aus. © filterVERLAG
In dem 20.000 Quadratmeter großen Gebäude sollen rund 350 Beschäftigte Platz finden. Auf dem gesamten Areal sollen zudem drei weitere Bürogebäude entstehen, die zusätzliche Arbeitsplätze für rund 560 Mitarbeitende schaffen. Laut der Stadt Regensburg soll hier die mögliche Bündelung der derzeit 13 angemieteten Standorte, die als Büroflächen fungieren, an einem zentralen Ort erfolgen. Gelingt die Zusammenlegung der Verwaltung, könnten sich betriebswirtschaftliche Vorteile wie geringere Mietkosten und eine bessere Infrastruktur ergeben.
3,8 Millionen Euro – Sparplan der Stadt
Der Einzug in das Areal sei für 2030 geplant. Auf die Nachfrage der filter-Redaktion, was mit den derzeit angemieteten Büroflächen nach dem Umzug passieren soll, erklärt Roenne-Styra, dass diese abgemietet werden würden. Damit rückt eine zentrale Frage in den Fokus: Könnte durch die frei werdenden Büroflächen zusätzlicher Wohnraum entstehen? „Die städtischen Eigentumsflächen werden durch den Umzug nicht für Wohnungen frei. Bei den angemieteten Liegenschaften können dies nur die jeweiligen Gebäudeeigentümer selbst beurteilen“, so die Antwort der Pressesprecherin.
Die Verwaltung könnte sich nach dem Umzug der ersten 350 Mitarbeitenden bis zu rund 1,3 Millionen Euro Kaltmiete pro Jahr sparen. Sobald sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der derzeit 13 angemieteten Büroflächen auf dem Areal der Greflingerstraße untergebracht sind, könnte sich die Kostenersparnis der Stadt auf rund 3,8 Millionen Euro Kaltmiete pro Jahr belaufen. „Langfristig würde die Stadt bei einer Nutzung des eigenen Gebäudes als Verwaltungsstandort einen wirtschaftlich sinnvollen Weg gehen“, betont Roenne-Styra.
Sanierung vs. Neubau
Doch bevor das ehemalige REWAG-Gebäude bezogen werden kann, benötigt es zuerst eine umfangreiche Sanierung. Auf die Nachfrage der filter-Redaktion, wie hoch die Kosten für dieses Vorhaben geschätzt werden, nennt die Pressesprecherin eine Summe von 39 Millionen Euro. Finanzieren soll das der Haushalt der Stadt Regensburg.
Zusätzlich könnte eine Förderung in Anspruch genommen werden: Im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) wären voraussichtlich rund 3,5 Millionen Euro möglich. Damit würde die BEG unter anderem den Einbau neuer und die Optimierung bestehender Heizungsanlagen, Maßnahmen an der Außenwand des Gebäudes sowie den Einsatz optimierter Anlagentechniken finanziell unterstützen.
Laut Roenne-Styra sei eine Sanierung im Kostenvergleich zu einem Neubau grundsätzlich die wirtschaftlich bessere Option. Neben der Kostenfrage sei auch die bestehende Büroraumstruktur des Klinkersteingebäudes für Verwaltungszwecke bestens geeignet. Zudem könne die sogenannte „graue Energie“ in der Tragstruktur weiterhin klimaschonend genutzt werden. Dabei handelt es sich um Decken und Stützen in Stahlbeton.
Doch nicht nur die Kosten und die Nachhaltigkeit spielen bei der Planung eine Rolle, sondern auch die Infrastruktur vor Ort muss berücksichtigt werden. „Die Pkws können auf den bestehenden Freiraumflächen parken. Sofern auch die bis zu drei weiteren Neubaukörper aus dem Masterplan umgesetzt werden sollen, müsste auf dem Areal zudem ein Parkhaus entstehen“ erläutert sie.
„Für mich macht die Planung Sinn“
In mehreren Stadtratssitzungen konnten sich die Regensburger Parteien zu der geplanten Sanierung äußern. Die CSU und Die Grünen waren sich hier einig und befürworteten die Planungen. Die Brücke räumte jedoch ihre Bedenken ein – für die Partei wäre die Planung eines Bauhrechts für mehr Wohnraum sinnvoller gewesen. „Es ist ein Kardinalfehler, das dritte Rathaus auf dem Grundstück der REWAG zu planen“, teilte der Fraktionsvorsitzende der Brücke, Joachim Wolbergs, in einer Haushaltsrede 2023 mit.

Dr. Thomas Burger (SPD) sieht die Sanierung des ehemaligen REWAG-Gebäudes als sinnvoll an. © Petra Homeier
Im Gegensatz dazu hat sich der künftige Oberbürgermeister der Stadt Regensburg, Dr. Thomas Burger (SPD), positiv zum neuen Rathaus geäußert: „Für mich macht die Planung eines dritten Rathauses Sinn, um die Stadtverwaltung wieder gebündelter und kompakter unterbringen zu können.“ Jedoch habe er ein Augenmerk auf zwei Kriterien, die bei der Planung berücksichtigt werden sollten. Zum einen plädiert das neue Stadtoberhaupt für eine umfassende und aussagekräftige Büroraumplanung der Verwaltung, um genau zu wissen, welche Flächen in Zukunft tatsächlich benötigt werden. Zum anderen sei das miteinbeziehen der modernen Bürowelten inklusive Desk-Sharing- und Homeoffice-Möglichkeiten relevant. „Diese Kriterien werde ich gleich zu Beginn meiner Amtszeit mit einbringen und weitere Schritte anstoßen“, sagt Dr. Burger.
Für ihn sei denkbar, dass Ämter wie das Sozialamt, das Seniorenamt und das Amt für öffentliche Ordnung und Straßenverkehr in einem Gebäude Platz finden sollen. Final wurde bisher allerdings nicht festgelegt, welchen Ämtern der Umzug bevorstehen wird. Freiwerdende Bürogebäude könnten laut Dr. Burger durchaus als Wohnungen genutzt werden. Als Beispiel führt er das Gebäude in der Richard-Wagner-Straße an. Dort befindet sich aktuell das Jugendamt der Stadt Regensburg. Für eine finale Einstufung sei es aber momentan noch zu früh.
Das ehemalige REWAG-Gebäude in Regensburg steht vor einem neuen Kapitel: Von einem Energieversorger zum dritten Rathaus der Stadt Regensburg. Mit der Sanierung und der geplanten Zusammenlegung ausgewählter Verwaltungsämter könnten vielleicht auch die bisher fremd-angemieteten Büroflächen neue Chancen für den Wohnungsmarkt in der Domstadt eröffnen. Ob und in welchem Umfang dies geschehen kann, hängt jedoch von den zahlreichen Eigentümern ab.
Die wichtigsten Eckdaten zu den Regensburger Rathäusern
Altes Rathaus
Das stattliche Gebäude am Haidplatz wurde 1245 errichtet. Der Turm des Alten Rathauses ist 55 Meter hoch und stellt damit den ältesten Teil des Komplexes dar. Um 1320/1330 wurde der Reichssaal des Gebäudes gebaut, der ursprünglich als Tanzsaal geplant war. Seine größte Bedeutung erlangte das Gebäude ab 1663, als im Alten Rathaus der Immerwährende Reichstag über fast 150 Jahre hinweg tagte.

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Neues Rathaus
Das Neue Rathaus am Minoritenweg 4 und 6 entstand zwischen 1939 und 1964. Der Gebäudekomplex wurde in mehreren Bauabschnitten errichtet und erweitert. Bereits 2011 wurden Teilbereiche des Neuen Rathauses saniert. Dabei entstand im Erdgeschoss ein neuer Zugang zum Bürger- und Verwaltungszentrum sowie zur Kantine, zum Fundamt und zur Poststelle.

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Sarah Solleder I filterMagazin