Geld vermehren und gleichzeitig mit der Anlage Spaß haben? Eine Aktie oder ein Goldbarren liegen einfach nur im Tresor. Ein alter 911er jedoch steigt auch im Wert und das seit Langem deutlich mehr als Aktien im Schnitt. Dazu bereichert er den Alltag und die Freizeit immens. Er wird genutzt und schafft Erlebnisse.
Hans-Peter Schleicher, geschäftsführender Gesellschafter der S & L Automobile konnte Beruf und Hobby übereinbringen. Top oder Flopautos – was bringt so ein Geschäft mit sich? Sind Autos noch eine gute Anlage und wie entstand bei ihm die Faszination Auto?
Eine Firma läuft nur, wenn man mit Leidenschaft beim Thema ist. Bei uns schraubt einer der Gesellschafter fast lieber als er fährt – man hört, dass es bei Ihnen umgekehrt ist?
Ich bin jetzt nicht der geborene Schrauber, habe mir aber damit bereits vor und während des Studiums meine ersten Groschen verdient. Das ist so entstanden, dass ich mein erstes Auto in den Graben gesetzt habe und kein Geld hatte, es wieder aufbauen zu lassen. Damals hat mir ein freundlicher Werkstattinhaber ermöglicht, selbst daran mitzuarbeiten. Das war ein Simca 1000 – ein ganz furchtbares Auto eigentlich, aber das erste Auto mag man eben immer besonders gerne. Als das Auto fertig war, hab’ ich mir am Schrottplatz Teile besorgt, unter anderem ein tolles Sportlenkrad. Als ich es drauf setzte, gab es einen riesen Kurzschluss und einen schönen Brand – somit ging alles wieder von vorne los. Deshalb lasse ich soweit die Finger davon – dafür fahr ich umso lieber.
1995 hat mich das Rennstreckenfieber gepackt, da bin ich das erste Mal auf Einladung vom Porsche Zentrum in Most in Tschechien gefahren – mit einem Porsche 993. Dort habe ich Walter Röhrl getroffen, den ich schon sehr lange kannte, weil ich mit seinem Neffen Abitur gemacht habe. Er hatte einen 993 GT2 und ich habe gefragt, ob ich mal mitfahren darf. Als er in die Kurve gefahren ist und das Auto sich dabei zum Teil noch quer gestellt hat, dachte ich mir allerdings „Hier komme ich nicht mehr heil nach Hause“ – es ging aber gut. Das war mir dann Ansporn, selbst auch dabei zu bleiben. Walter hat mich wirklich sehr unterstützt. Zunächst habe ich mit diversen Fahrertrainings gestartet und 2008 hatte ich durch Zufall die Gelegenheit, ein Auto einzutauschen und hab’ mir ein Rallye-Auto gekauft. Damit wollte ich eigentlich nur mal eine Regularity mitfahren, es wurde dann aber ein Startplatz in der Competition frei – also habe ich mir Anzug und Helm geliehen und das war der Beginn meiner Rennsport-Geschichte. Mein Auto war auch ein alter 911er.

© S&L Automobile GmbH
Wie erging es Ihnen dann bei Ihrem ersten Rennen?
Das erste Rennen war schwierig. Ich war noch nicht so vertraut mit den Rallye-Regeln, wann und wo es links und rechts geht und mein Beifahrer hatte eine Links-Rechts-Schwäche, woraufhin wir dann in einem Hühnerstall gelandet sind – beenden konnten wir das Rennen trotzdem. In der Zieleinfahrt ist mir auch noch der Reifen geplatzt, aber da war ich ja schon im Ziel.
Kann jeder Rennsport betreiben? Welche Voraussetzungen muss man dafür erfüllen?
Man braucht eine Lizenz vom Deutschen Motorsportbund (DMSB). Als erstes bekommst du die A-Lizenz, da musst du zehn Rennen im ersten Drittel bestehen. Dann bekommst du die C-Lizenz – die habe ich inzwischen auch. Man sollte dafür – ähnlich wie vor einer Führerscheinprüfung – ein Fahrtraining absolviert haben. Am Ende fährt ebenfalls der Prüfer vom DMSB mit und man macht zudem eine umfangreiche schriftliche sowie mündliche Prüfung.
Was war Ihr schönstes Rennen bisher?
Klar die „Modena Cento Ore“. Hier hast du sowohl Rallyes auf abgesperrten Strecken als auch Rennstrecken – das Ganze dauert vier Tage und ist immer mit einem ganz tollen Catering, tollen Unterkünften und ganz viel Kultur verbunden. Wir waren zum Beispiel mal in Florenz in diesem Gewölbe, in dem einst der G7-Gipfel stattfand, der normalerweise der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Da wurden wir hofiert und mit Kammermusik empfangen – total verrückt eigentlich. Dabei fanden die Rennen wohl gemerkt alle mit Oldtimern statt. Ich fahre Rennen allgemein hauptsächlich mit historischen Autos. Ich hab zwar auch ein modernes Rennauto, bin damit aber noch nie Rennen gefahren.
Was ist der Unterschied zwischen einem modernen Rennauto und einem Oldtimer?
So ein altes Rallye-Auto hat weder eine Servolenkung noch ein ABS. Die modernen Autos haben Hilfsmittel, gehen aber natürlich deutlich zügiger und haben ganz andere Bremsen. Das ist eine ganz andere Fahrerei, die man einfach erlernen muss. Bei Oldtimer- Rennen kommt es auf das pure Feeling an. Einen blockierenden Reifen kannst du dir nicht erlauben, beziehungsweise wenn du es dir erlaubst, fällst halt zurück. Da ist immer spannend, wer als letzter bremst und es auch noch ums Eck packt, ohne geradeaus zu fahren.
Was ist Ihr Lieblingsauto?
Eindeutig der 911er. Ich bin auch schon andere Autos gefahren, Heck- oder Allrad-getriebene. Ich habe einen modernen Toyota Yaris – das macht natürlich auch irrsinnig viel Spaß und der hat mehr Traktion. Ich würde einem Anfänger dazu raten, mit sowas anzufangen, weil man mehr Sicherheit hat. Mein erstes Auto, mit dem ich meine Prüfung gemacht hab‘, war übrigens ein MINI-Cooper – John Cooper Works mit Frontantrieb.
Ihre Tochter macht auch schon Rennsport?
Ja, die hab’ ich letztes Jahr das erste Mal als Beifahrerin auf der Mallorca-Rallye mitgenommen und sie hat gleich großen Gefallen daran gefunden. Im August hat sie dann mit meinem Toyota Yaris am Nürburg-Ring ihre Prüfung absolviert und dieses Jahr ist sie bereits mit offizieller Lizenz auf der Mallorca-Rallye mitgefahren – wobei sie nur die Überführungsetappen gefahren ist. Zum Anfangen ist so eine Rallye schwierig, weil es dort ohne eine Seitenbegrenzung links und rechts runter geht, die Straßen sind sehr eng, teilweise rutschig und da passiert schon sehr viel. Aber Rundstrecke wird sie demnächst schon fahren.

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Ihre Firma S&L Automobile existiert mittlerweile seit fast 36 Jahren. Räumlich klein angefangen in der Wittelsbacherstraße und der Nußbergerstraße seid ihr stetig gewachsen…
Die Gründung entstand bereits zu Studienzeiten. Damals habe ich mir überlegt, dass ich etwas Geld dazu verdienen muss – es gab jedoch weniger Kneipen, Barkeeperjobs wurden handverteilt. Meine Geschäftsidee entstand im Prinzip durch einen Unfallwagen. 1981 habe ich mir einen unfallbeschädigten 924er Porsche gekauft – was damals eine Sensation war. Als ein Freund und ich das Auto endlich fertig gebastelt hatten, hab ich den den Kfz-Brief nicht gefunden. Du musstest damals jedoch in der Zulassungsstelle nachweisen, dass du Eigentümer bist, also den Brief aufbieten. Bei der Rückverfolgung habe ich festgestellt, dass das Auto durch sechs Hände ging, bevor es zu mir kam, und jeder in der Kette ein bisschen Geld verdient hat! Ich habe also begonnen, Unfallwägen in-standzusetzen und damit Geld zu verdienen.
Eines Tages kam ein Kommilitone zu mir, der ein Jahr in Boulder in Colorado war, und hat mir erzählt, dass die in den USA alle neue Autos wie Mercedes, Porsche etc. wollen. So haben wir angefangen, Neuwägen in die USA zu exportieren. Wir haben erst in die USA, dann nach Japan verschifft und Millionenumsätze gemacht. Das ist dann aber von heute auf morgen zusammengebrochen, als der Dollar 1985/86 schwächelte. Das war ein herbes Erwachen, da viele Fahrzeuge zu ungünstigen Kursen trotzdem ausgeliefert werden mussten.
Um die Geschäfte fortzuführen, habe ich ein Büro in Regensburg gemietet, 1991 sind wir dann in die Nußbergerstraße umgezogen. Damals hatte ich von der Bank ein Darlehen von 100.000 D-Mark bekommen. Wir haben aber allein schon 10.000 D-Mark Miete bezahlt – das war die schwierigste Zeit.
Wie hat sich das Ganze dann so dynamisch entwickelt?
Wir haben zu diesem Zeitpunkt bereits begonnen, Leasing anzubieten. Damals waren wir wirklich Pioniere in diesem Bereich, da es noch kein Hersteller-Leasing gab. Später habe ich angefangen, mit der MZ zusammenzuarbeiten und 1998 gemeinsam mit Peter Esser die Ratisbona Anlagenleasing GmbH & CO. KG gegründet – ursprünglich nur um den MZ-Fuhrpark zu managen, es wurden aber mehr.
Schwierig wurde es für uns, als auch die Hersteller-Banken in den Finanzierungsmarkt für Neu- und Gebrauchtfahrzeuge eingestiegen sind. 2018/19 kam dann die Diesel-Krise und entwertete Leasingrückläufer und den Hofbestand. Und dann kam Corona – was für uns eine positive Kehrtwende brachte. Wir konnten während Corona arbeiten, da wir die Werkstatt im Haus haben, systemrelevant sind und die Corona-Regularien einhalten konnten. Darüber hinaus waren wir im Gegensatz zu anderen bereits auf den Online-Handel eingestellt und durch die Versorgungsproblematik bezüglich der Einkaufsketten war unsere Ware gleichzeitig wieder mehr wert.
Neben normalen Autos handelt ihr mit ganz besonderen Autos. War das schon immer so? Besteht hier auch eine persönliche Bindung?
Das ging schon mit den USA und Japan los – da haben wir im Prinzip ausschließlich mit hochwertigen Autos gehandelt. Das hat mir schon immer mehr Spaß gemacht als mit normalen Autos. Mit 29 hatte ich selbst meinen ersten 911er Carrera 3.2, das war schon was Besonderes für mich. Schöne Autos anbieten und auch selber fahren – das hat mir tatsächlich schon immer Spaß gemacht. Aktuell handeln wir auch deshalb mit teuren Autos, weil der Markt danach verlangt. Das liegt wiederum daran, dass die Verfügbarkeiten geringer sind und dass die Nachfrage vor allem aufgrund der Horrorszenarien mit den Abgasvorschriften der EU gestiegen ist. Viele Leute haben Angst, dass es bald keinen Achtzylinder oder reinen Benziner mehr gibt. Das weckt Begehrlichkeiten und treibt die Preise.

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Was waren die Tollsten im Haus?
Zu den meiner Meinung nach besondersten Modellen zählten der Ferrari Enzo, zwei 300 SL Flügeltürer und ein Roadster. Meinen ersten Flügeltürer zum Beispiel habe ich Anfang der 90er für 300.000 D-Mark nach Japan verkauft. Heute bekommst du unter 1.000.000 Euro kein solches Auto mehr. Wenn man sich überlegt, was passiert wäre, wenn ich nur diese vier stehen gelassen und mich hingelegt hätte – ich hätte ausgesorgt.
Würden Sie sagen, dass ein Auto eine gute Wertanlage darstellt oder ist der Markt bereits überhitzt?
Der Markt ist hoch, aber nicht überhitzt. Was momentan teuer wird, sind 964er und 993er. Als Sammelobjekt kann ich nur raten, ein vernünftiges Auto als Anlage anzuschaffen. Schwierig sind Massenmodelle wie Standard Golfs, Fiats, Renaults und so weiter. Da sind die Spitzenmodelle gut, also die GTIs oder GSIs. Bei teuren Marken wie Porsche, Ferrari oder Lamborghini ist das Risiko einer Fehlinvestition grundsätzlich kleiner. Nach einer Delle im Wert steigen sie als Oldies wieder an. Generell gilt: Je besonderer (911 im Vergleich zu Polo) und seltener (produzierte Stückzahlen), desto höher ist die Chance auf eine gute Wertentwicklung. Limitierte Sondermodelle sind in der Regel immer gut!
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