Oldtimer sind mehr als Nostalgie: Sie stehen für pures Fahrgefühl, zeitloses Design und gelten zugleich als begehrte Wertanlage. Doch der Markt wandelt sich. Welche Klassiker versprechen Potenzial, wo lauern Risiken und was sollten Einsteiger unbedingt wissen? Ein Überblick über Trends, Chancen und typische Fehler.
Oldtimer faszinieren: Sie verbinden Emotion, Handwerk und ein Fahrgefühl, das moderne Autos kaum noch bieten. Gleichzeitig gelten viele Klassiker längst als begehrte Investments. Wir haben mit jemandem gesprochen, der sich darin auskennt – Hans-Peter Schleicher, geschäftsführender Gesellschafter der S & L Automobile und selbst leidenschaftlicher Sammler, der das Fahren in seiner ursprünglichen Form liebt. Er erklärt, welche Modelle gefragt sind, was sie wertvoll macht und worauf Einsteiger achten sollten.
Wie beurteilen Sie den aktuellen Oldtimermarkt und seine Entwicklung?
Es gibt im Moment drei Tendenzen. Die Zahl der älteren Menschen, die über viele Jahre hinweg Autos gesammelt haben, nimmt ab. Dadurch verlieren Vorkriegsmodelle oder Autos aus den Fünfzigerjahren an Bedeutung. Die jüngeren Leute, die jetzt mit dem Sammeln anfangen, orientieren sich eher an Autos aus den achtziger Jahren und später.
Die frühen 911er-Porschemodelle sind derzeit preislich nicht mehr so gefragt. Ab dem Porsche 964 steigen die Werte jedoch wieder, weil diese Modelle seltener werden und damals echte Traumautos waren. Wer sich heute so ein Auto leisten kann, erfüllt sich damit ein Stück Jugend. Die dritte Entwicklung betrifft Fahrzeuge, bei denen man nahezu sicher mit Wertsteigerungen rechnen kann. Das sind seltene Modelle mit sehr geringen Stückzahlen, etwa der Porsche GT2 RS oder Ferrari-Modelle wie der Enzo, der F40 oder der F50. Allerdings liegt der Einstiegspreis hier sehr hoch. Kauft man sich heute einen Ferrari 488 Pista oder den 812 GTS, beginnt man bei mindestens 400.000 Euro.
Welche Kriterien, außer der Stückzahl, beeinflussen den Wert eines Autos?
Ein wichtiges Kriterium ist die Technik. Ein Beispiel sind die sogenannten Mezger-Motoren – benannt nach dem legendären Motorenentwickler. Ihre technisch beste Ausprägung hatten sie im letzten Porsche 997. Solche Motoren mit historischer Bedeutung sind sehr gefragt.
Auch „letzte“ Modelle bestimmter Epochen sind wertvoll:
Der letzte luftgekühlte Porsche war der 993, gebaut bis 1998 und sehr begehrt. Beim Porsche 991 ist der letzte Sauger ohne Turboaufladung, gebaut 2015, ein gesuchtes Modell. Beim Ferrari war der 458 der letzte reine Sauger. Künftig wird der letzte Ferrari-Zwölfzylinder ohne Hybridtechnologie wertvoll sein.
Solche Endpunkte technischer Entwicklungsstufen – oft Sondermodelle – sind prädestiniert zum Sammeln.
Spielt die Verfügbarkeit von Ersatzteilen eine Rolle?
Bei älteren Autos erstaunlich wenig. Teile sind zwar teurer, aber erhältlich. Bei modernen Autos wird es schwieriger. Seit Anfang der 2000er-Jahre werden komplexe elektronische Systeme verbaut, die viele Komponenten steuern. Wenn solche Bauteile nicht mehr produziert werden, wird es teuer.
Sie sind ja auch oft auf Messen unterwegs. Gibt es Trends bei Autos, die besonders begehrt sind und stark im Wert steigen könnten?
Ja, vor allem Youngtimer. Fahrzeuge ab den achtziger Jahren, beispielsweise BMW M3, Porsche 964 oder 993, sowie sportliche Modelle wie der Ford Escort RS. Auf der Retro Classics in Stuttgart stellen wir gerade einen BMW 630 CSI aus den Achtzigern aus. Sportmodelle, auch Alpina-BMWs aus dieser Zeit, sind momentan die interessantesten Fahrzeuge im Youngtimer-Bereich. Ansonsten ist der Markt derzeit eher schwach. Die Lust der Menschen, Geld zu investieren, ist gering und die Käufer sind extrem kritisch. Selbst bei alten Autos erwarten sie eine nachvollziehbare Historie. Auch die Qualität muss stimmen: Lackstärken, Zustand – alles muss tipptopp sein, sonst gibt es große Preisabschläge.
Gibt es bestimmte Marken, die sich besonders als Geldanlage eignen – und andere, von denen Sie abraten würden?
Bei italienischen Sportwagen liegt Ferrari an der Spitze, allerdings im hochpreisigen Segment. Sehr gefragt sind außerdem die ersten VW Golf GTI oder die Scirocco GT. Von Basismodellen würde ich abraten, da bei ihnen keine Wertsteigerungen zu erwarten sind. Dasselbe gilt für alte Skoda, Trabis oder für französische Marken wie Renault oder Peugeot. Die einzige Ausnahme ist der Citroën DS mit dem hydropneumatischen Fahrwerk, das sich in der Höhe verstellen lässt.
Welche einzelnen Modelle finden Sie besonders interessant und warum?
Ein Beispiel ist der Mercedes SLS AMG – das Modell, das dem klassischen 300 SL mit Flügeltüren nachempfunden wurde. Das ist ein Auto mit sehr gutem Potenzial und noch halbwegs erschwinglich. Es wurde von 2010 bis 2014 gebaut. Besonders begehrt sind hier die Sondermodelle der „Black Series“.
Im High-End-Bereich sind es vor allem Supersportwagen wie Ferrari, Lamborghini oder die Spitzenmodelle von Porsche.

Hans-Peter Schleicher (rechts) mit seiner Tochter Lou (links) nach der Moderna Cento Ore 2023. © Hans-Peter Schleicher
Welches Fahrzeug würden Sie jemandem mit einem kleineren Budget empfehlen?
Ein guter Tipp ist der BMW Z3 – ein erschwingliches Spaßauto, dessen erstes Modell Anfang der 2000er auf den Markt kam. Auch ältere Alfa-Romeo-Modelle wie der Spider liegen im Bereich von etwa 10.000 Euro – allerdings muss man bei so günstigen Autos immer damit rechnen, zusätzlich investieren zu müssen, um sie in einen guten technischen Zustand zu bringen.
Welches Mindestbudget sollte man generell einplanen?
Für einen Z3 etwa 10.000 bis 12.000 Euro. Die M-Modelle liegen deutlich höher, bei etwa 40.000 bis 50.000 Euro. Der Z1 mit den versenkbaren Türen kostet ebenfalls 40.000 bis 50.000 Euro, wenn er in gutem Zustand ist. Ich überlege gerade, mir einen BMW E30 320i zu kaufen. Das Modell hat eine ähnliche Technik wie der M3, aber eine schwerere Karosserie und kann bereits ab 10.000 bis 12.000 Euro erhältlich sein. Gut erhaltene Exemplare liegen jedoch eher bei 20.000 Euro. Ich denke, diese Fahrzeuge werden steigen, weil sich die Preise der M3 erhöhen und viele Käufer dann auf diese Alternativen ausweichen.
Haben moderne Fahrzeuge mit all ihrer komplexen Technik überhaupt die Chance, einmal als Oldtimer interessant zu werden?
Sie werden natürlich irgendwann zu Oldtimern, aber ob sie begehrt sein werden, ist eine andere Frage. Die Technik bei Elektroautos ist kurzlebig und die Fahrzeuge sind nicht auf eine lange Haltbarkeit ausgelegt. Bei Hybriden könnte es anders aussehen, zumindest bei leistungsstarken und technisch außergewöhnlichen Supersportwagen von Ferrari oder Lamborghini. Reine Verbrenner werden sicherlich bald im Wert steigen, da weniger davon gebaut werden dürfen und dadurch die Nachfrage nach den verbleibenden Fahrzeugen steigt.
Moderne Autos haben eine immer komplexere Technik. Sind sie wirklich nachhaltiger oder sind ältere Fahrzeuge am Ende sogar umweltfreundlicher, weil man sie reparieren kann, statt ganze Bauteile ersetzen zu müssen?
Je länger ein Auto gefahren wird, desto umweltfreundlicher ist es. Entscheidend ist die Fahrleistung. Ein alter VW-Bus, der qualmt und aus dem letzten Loch pfeift, ist natürlich nicht nachhaltig. Aber seit den Siebzigerjahren gibt es Katalysatoren. Ein wenig später wurden Rußfilter bei Dieselmotoren eingeführt. Bei diesen Fahrzeugen hätte ich umwelttechnisch keine Bedenken.
Man darf nicht vergessen: Die Produktion neuer Fahrzeuge benötigt Rohstoffe und Energie und ein großer Teil unserer Stromproduktion basiert derzeit auf fossilen Energieträgern wie Gas und Kohle. Deshalb wird derzeit jedes Elektroauto mindestens zu 50 Prozent mit Kohlestrom geladen. Mit Hybridautos hingegen, bei denen die Batterie durch Rekuperation – also durch Bremsen – wieder aufgeladen wird, kann man sehr effizient fahren. Das ist vermutlich die wirtschaftlichste Art der Fortbewegung.
Was ist Ihr liebster Klassiker hinsichtlich der Wertentwicklung und des Fahrspaßes?
Ich habe 2008 einen 911 Carrera Targa 2.7, Baujahr 1974, mit 210 PS, für knapp 50.000 Euro gekauft. Heute ist er etwa 120.000 bis 150.000 Euro wert.
Außerdem habe ich einen Porsche „964 Backdate“ – also ein Fahrzeug, das technisch modern ist, aber optisch auf den Stil der 70er-Jahre zurückgebaut wurde.
Den größten Fahrspaß bereitet mir mein Porsche 911 Carrera 3.2, Baujahr 1983. Das Auto ist ein Rallye-Fahrzeug und wiegt nur 1.000 kg. Zum Vergleich: Der leichteste 911er wiegt heute 1.500 kg. Das Auto ist jetzt rund 30 Jahre alt und hat keinerlei Ausstattung, nicht mal Servolenkung. Dieses puristische Fahren macht mir am meisten Spaß.
Was würden Sie Menschen raten, die überlegen, sich einen Oldtimer zuzulegen?
Ich würde jedem, der sich für klassische Fahrzeuge interessiert, empfehlen, an Veranstaltungen wie Classic-Rallyes teilzunehmen. Dort kann man Fahrzeuge ansehen, mit den Besitzern sprechen und viel lernen. Die meisten Enthusiasten kennen ihre Autos besser als jeder Händler.
Wer noch unsicher ist, kann auch erst mal ausprobieren. In München gibt es zum Beispiel Vermieter, bei denen man ein Oldtimer-Wochenende buchen kann. So merkt man schnell, ob einem so ein Auto Freude bereitet – oder ob Dinge wie eine fehlende Klimaanlage im Sommer doch zu lästig sind.
Man kann Autos natürlich auch einfach sammeln, sie in die Garage stellen und warten, ob sie im Wert steigen. Für mich persönlich gilt aber: Ich will ein Auto haben, weil ich damit fahren und Spaß haben möchte, nicht nur, um es anzusehen.
Ein Interview von Kathrin Gnilka I filter Magazin