Das alljährliche Hochwasser gehört in Regensburg seit Jahrzehnten dazu. Besonders entlang der Donau geraten die einzelnen Stadtteile regelmäßig unter Wasser. Doch wie gut ist die Domstadt heute auf künftige Überschwemmungen vorbereitet? Wir werfen einen Blick auf laufende Projekte, Schutzmaßnahmen und offene Baustellen.
In den vergangenen Jahren kam es in Regensburg immer wieder zu Überschwemmungen – besonders der Untere und Obere Wöhrd sind häufig von Hochwasser betroffen. Durch anhaltende Niederschläge steigt der Flusspegel der Donau schnell an und setzt damit regelmäßig Teile der historischen Stadt unter Wasser. Keller laufen voll, die Jahninsel wird bis auf die Baumkronen überschwemmt und immer wieder müssen Anwohner evakuiert werden.
Nun stellt sich die Frage, ob Regensburg aus der Vergangenheit gelernt hat und welche Vorkehrungen bisher getroffen wurden, um die Domstadt auch künftig vor Hochwasser zu schützen.
Die Donau – ein langer Fluss, der Gefahren birgt
Die Donau fließt mit ihren 2.850 Kilometern durch insgesamt zehn Länder – darunter Deutschland, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien, Rumänien, Moldau und die Ukraine. Zwischen den Flusskilometern 2.372,105 und 2.387,660 fließt die Donau an Regensburg vorbei und sorgt dafür, dass 18 Gebiete der Domstadt jedes Jahr mit Hochwasser zu kämpfen haben.
Welche Maßnahmen schützen Regensburg bereits jetzt?
Das Schadenspotenzial des Hochwassers soll mit verschiedenen Methoden eingedämmt werden. So wurden mit dem Konzept „Hochwasserschutz der Zukunft“ neue Wege geschaffen: Seit mittlerweile 26 Jahren arbeitet die Stadt mit dem Freistaat Bayern zusammen, um die „Offene Planung für den Hochwasserschutz“ – eine Zielsetzung, die für technische und städtebauliche sowie landschafts-planerische Umsetzung zuständig ist – zu gewährleisten.
Im Rahmen der technischen Zielsetzung wurde der Fokus auf den ortsfesten Hochwasserschutz wie das Errichten von Deichen oder Mauern in den einzelnen Stadtgebieten gelegt. Auch der sogenannte „Mobile Hochwasserschutz“ – bewegliche Schutzelemente wie Sandsäcke, Aluminium- oder Kunststoffwände und Wasserbarrieren – spielen dabei eine große Rolle.
Die städtebauliche sowie landschaftsplanerische Zielsetzung umfasst die Hochwasserschutzmaßnahmen, die sich in das jeweilige Stadtgebiet einfügen lassen, ohne den natürlichen Raum am Flussufer zu stören.

© Bilddokumentation Stadt Regensburg, Stefan Effenhauser
Diese Überschwemmungsgebiete sind besonders betroffen
Regensburg hat entlang der Donau 18 Abschnitte der Hochwasserschutzgebiete festgelegt, die jeweils eigene Maßnahmen erhalten sollen.
| Abschnitt A: Schwabelweis – abgeschlossen Abschnitt B: Weichs Mitte/Ost – abgeschlossen Abschnitt C: Weichs West – abgeschlossen Abschnitt D: Reinhausen – abgeschlossen Abschnitt E: Sallern – im Bau Abschnitt F: Gallingkofen – in der Detailplanung Abschnitt G: Stadtamhof – in der Wettbewerbsplanung Abschnitt H: Unterer Wöhrd – in der Detailplanung Abschnitt I: Oberer Wöhrd – in der Detailplanung Abschnitt K: Niederwinzer/Oberwinzer – abgeschlossen Abschnitt L: Steinweg/Pfaffenstein – abgeschlossen Abschnitt M: Großprüfening – in der Wettbewerbsplanung Abschnitt N: Innerer Westen – abgeschlossen Abschnitt O: Altstadt West – in der Wettbewerbsplanung Abschnitt P: Altstadt Mitte – in der *Wettbewerbsplanung Abschnitt Q: Ostenvorstadt/Westhafen – abgeschlossen Abschnitt R: Osthafen – abgeschlossen Abschnitt S: Irl – abgeschlossen |
* Die sogenannte Wettbewerbsplanung ist ein Verfahren, bei dem mehrere Architekten, Stadtplaner oder Ingenieure verschiedene Entwürfe für ein Projekt einreichen. Diese werden im Wettbewerb miteinander verglichen und von einer Jury anhand festgelegter Kriterien bewertet. Erst dann kann eine Detailplanung erfolgen.
Von den 18 Überschwemmungsgebieten sind zehn Flächen bereits mit Hochwasserschutzmaßnahmen wie Mauern und Deichen sowie mobilen Elementen ausgestattet. In drei Abschnitten laufen derzeit die detaillierten Planungen für weitere Maßnahmen – darunter am Unteren Wöhrd, am Oberen Wöhrd und in Gallingkofen. Für die verbleibenden fünf Gebiete wurde ein Planungswettbewerb initiiert.
„Da bei den Planungen im innerstädtischen Bereich sehr viele Aspekte zu berücksichtigen und gegeneinander abzuwägen sind, dauert der Prozess mehrere Jahre“, erklärt Rainer Zimmermann, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamtes (WWA) in Regensburg. So würde der Umsetzungsprozess für die Hochwasserschutzmaßnahmen in mehreren Schritten erfolgen: Für die Planung benötige es einen sogenannten Vorentwurfsplan, der die Untersuchung von Varianten und verschiedenen Trassenverläufen der Hochwasserschutzlinie aufzeigt. Dann folge die Entwurfsplanung, daraufhin werde eine Detail- bzw. Ausführungsplanung erstellt. Schlussendlich sei die Bauausführung an der Reihe.
Wie dieser Planungsprozess in der Praxis aussieht, zeigt ein bereits abgeschlossenes Beispiel: Abschnitt Q an der Donaulände und dem Westhafen Regensburg. Dort wurde im Dezember 2022 die Hochwasserschutzmaßnahme fertig gestellt. Im Uferbereich zwischen der königlichen Villa und der Linzer Straße wurde in einer zweieinhalb Jahre langen Bauzeit eine 900 Meter lange Spundwand errichtet, die zwischen 1,50 und 2,50 Meter hoch und bis zu acht Meter tief ist. Damit soll eine Fläche von rund 80 Hektar mit zahlreichen Betrieben und etwa 5.000 Einwohnern vor Hochwasser geschützt werden. Die Finanzierung von 10 Millionen Euro teilte sich die Stadt mit dem Freistaat Bayern.
Derzeit läuft außerdem eine Baumaßnahme im Stadtgebiet Sallern – Abschnitt E. Ein Deich soll in diesem Sommer fertiggestellt und eingeweiht werden.
Für das Stadtgebiet Großprüfening (Abschnitt M) ist aktuell eine Wettbewerbsplanung ausgeschrieben. Vorgesehen sind bisher ein Deich sowie Mauern und mobile Schutzelemente, die von der Stadtgrenze bis zur Eisenbahnbrücke in Mariaort gebaut werden sollen.
Auf die Frage der filter-Redaktion, nach welchen Kriterien die Bebauung der einzelnen Hochwasserschutz-Abschnitte priorisiert werden, erklärt Rainer Zimmermann: „Das Hauptkriterium ist der sogenannte Kostenwirksamkeitsfaktor. Es wird das Verhältnis von möglichen Schäden durch Hochwasserereignisse zu Baukosten abgeschätzt. Je höher der Wert, umso höher die Priorität.“
Während einige Stadtgebiete bereits mit den entsprechenden Maßnahmen ausgestattet wurden, befindet sich die Planung für den Unteren Wöhrd in einem frühen Stadium: Zehn Jahre hat es gedauert, bis das Genehmigungsverfahren für die Planfeststellung überhaupt eingeleitet wurde. Laut einer öffentlichen Bekanntmachung des wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahrens der Stadt Regensburg geht es nun in die Detailplanung – das kann mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen. Die Ausführung wird noch einmal zwei bis drei Jahre dauern. „Es ist also ein langer, aufwändiger, aber notwendiger Prozess, um eine größtmögliche Akzeptanz sicherzustellen“, sagt Zimmermann.

Die Aluminiumwände sind Teil des mobilen Hochwasserschutz-Konzepts. © Bilddokumentation Stadt Regensburg, Stefan Effenhauser
Unter anderem sind dort Hochwasserschutzmauern und mobile Hochwasserschutzelemente sowie Objektschutzmaßnahmen an Bestandsgebäuden, etwa Abdichtungen von Kellerwänden, vorgesehen. Auch die Errichtung einer Untergrundabdichtung gegen aufsteigendes Grundwasser wird konzipiert: Dabei wird Silikon oder Harz in die Hausmauer injiziert, um diese abzudichten und das Eindringen von Wasser in das Gebäude zu verhindern. Eine Binnenentwässerung – Drainageleitungen und Pumpwerke – ist ebenfalls in Planung.
Auch die notwendigen Anpassungen an Sparten stehen im Vordergrund: Hier sollen unter anderem Stromkästen höher verlegt und Sicherungskästen abgedichtet werden, um Stromausfälle bei Hochwasser zu vermeiden.
Abschließend sollen Umgestaltungsmaßnahmen des Vorlandes am nördlichen Ufer des Unteren Wöhrd (Nordarm der Donau) und im Bereich der Werftstraße erfolgen. Die Infrastruktur und das Gelände direkt am Flussufer werden entsprechend umgebaut und angepasst, damit das Wasser kontrolliert abfließen oder gegebenenfalls ausweichen kann.
Wer kümmert sich im Hochwasserfall um den Schutz?
Zimmermann räumt ein, dass es verschiedene Verantwortungsbereiche im Falle einer Überschwemmung gibt: Die Planung und den Bau eines dauerhaften Hochwasserschutzes über-nimmt das WWA, während die Stadt beziehungsweise der Katastrophenschutz aktiv für die Hochwasserabwehr zuständig ist.
Der Katastrophenschutz sorgt also dafür, dass das Wasser nicht weiter steigt, bis die staatlichen Vorrichtungen und Maßnahmen des Wasserwirtschaftsamtes errichtet sind. Im Falle des Hochwassers leitet die Stadt den Bau der mobilen Hochwasserschutzsysteme (sogenannte mobile HWS-Systeme) ein. Das sind Wände aus Stahl, Leichtmetall, Holz, Kunststoff oder Gummi, mit denen eine wasserdichte Konstruktion hergestellt werden kann. „Damit unterscheiden sie sich grundlegend von stationären Hochwasserschutzanlagen, wie Deichen oder Mauern, die fest in der Umgebung integriert sind und daher dauerhaft ihre Schutzfunktion erfüllen“, heißt es auf der offiziellen Website zum Hochwasserschutz der Stadt Regensburg.

© Bilddokumentation Stadt Regensburg, Stefan Effenhauser
Wie schnell werden Bürger informiert?
Vor allem der Untere Wöhrd macht bei Hochwasser Schlagzeilen. Die Bewohner wurden in den vergangenen Jahren häufig vorsorglich evakuiert. Eine Betroffene berichtet, dass etwa vor drei Jahren das Grundwasser so schnell anstieg, dass Toiletten übergingen und auch der Strom in den Wohnblöcken abgestellt werden musste. Die Evakuierung sei den Anwohnern damals nicht rechtzeitig mitgeteilt worden.
Nun fordert die Stadtratsfraktion der Grünen in einer Pressemitteilung vom 23. März 2026 einen Bericht zum Stand der Planungen für den Hochwasserschutz am Unteren Wöhrd. „Ziel ist es, Klarheit über das Projekt zu schaffen und eine verlässliche Grundlage für die weiteren Entscheidungen zu erhalten“, heißt es seitens der Grünen.
„Wir planen und bauen von Beginn an mit größtmöglicher Beteiligung und Transparenz. Ein wichtiger Baustein ist die gemeinsame Hochwasserschutz-Seite (www.hochwasserschutz-regensburg.de) des WWA und der Stadt Regensburg. Sie hält alle wichtigen Informationen für alle jederzeit einsehbar bereit“, erklärt Rainer Zimmermann der filter-Redaktion. „Wir versuchen, engen Kontakt zu den durch die Maßnahmen direkt betroffenen Anwohner zu halten und notwendige Eingriffe mit ihnen abzustimmen.“
Regensburg hat aus den wiederkehrenden Hochwasserereignissen in den vergangenen Jahrzehnten vieles gelernt. Die Stadt setzt mittlerweile auf ein breites Schutzkonzept aus festen Bauwerken, mobilen Elementen und Großprojekten wie Spundwände am Westhafen.
Trotz dieser Konzepte bleibt die Lage jedoch weiterhin angespannt. Viele Maßnahmen befinden sich noch in der Planung oder der Umsetzung. Die Domstadt bereitet sich weiterhin auf das Hochwasser vor, wann Regensburg jedoch vollständig geschützt sein wird, ist aktuell noch ungewiss.
Ein Report von Sarah Solleder I filter Magazin