Am Sonntag wählt Regensburg – auch eine neue Oberbürgermeisterin oder einen neuen Oberbürgermeister. Im OB-Triell haben wir die Kandidaten unter anderem zum Klimaschutz befragt: Welche Prioritäten setzen sie, um diesen ambitioniert und zugleich wirtschaftlich tragfähig voranzubringen?
Im Triell diskutierten die Kandidaten verschiedene Themen: Wie kann Regensburgs Wirtschaft gestärkt werden? Wie stehen sie zu bezahlbarem Wohnraum? Und wie möchten sie die Zukunft der Mobilität gestalten? Viele dieser Fragen hängen direkt oder indirekt mit Umwelt- oder Klimazielen zusammen. Deshalb durfte auch dieses wichtige Thema nicht fehlen.
Für das OB-Triell haben wir die Grünen, die SPD und die CSU in den filterVERLAG eingeladen – und damit die Parteien, die in unserer nicht repräsentativen Umfrage vorne lagen.
Umwelt & Klimaschutz
Wie bewerten Sie das Zusammenspiel von kommunalem Klimaschutz, Wirtschaft, Wohnen und Mobilität – entstehen daraus eher Zielkonflikte oder kann Klimaschutz sogar als Innovationsmotor wirken? Welche Prioritäten setzen Sie, um Klimaschutz ambitioniert und zugleich wirtschaftlich tragfähig voranzubringen?
Dr. Astrid Freudenstein: Wir werden das Fahrradfahren noch attraktiver machen, ich bin selbst Vielfahrerin. Der Holzgartensteg ist ein gutes Beispiel dafür, wie gezielte Verbesserungen im Fuß- und Radverkehr tatsächlich dazu führen, dass Menschen freiwillig auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umsteigen. Maßnahmen, die die Menschen nur piesacken, aber keinen messbaren Erfolg zeigen, lehnen wir ab. Tempo 30 in der Weißenburgstraße etwa zeigt keinen nachweisbaren Nutzen – im Gegenteil, ein stockender Verkehrsfluss kann dem Klima sogar schaden.
Ein großes Anliegen ist mir außerdem der Artenschutz. Mit guter Kommunikation lässt sich hier viel erreichen, ohne dass es am Ende unnötig konfrontativ wird. Wichtig finde ich auch alles, was das Leben in der Stadt angenehmer macht und für Abkühlung sorgt. Deshalb setze ich mich für mehr Wasserflächen und Wassersprühnebel in den Sommermonaten ein.
Dr. Helene Sigloch: Diese Abkühlungsmaßnahmen sind eher Klimaanpassung als Klimaschutz. Wir wissen, dass es die Klimakrise gibt – und sie uns bereits selbst betrifft. Wir können sie nicht wegdiskutieren oder alleine lösen, aber jeder muss einen Beitrag leisten. Klimaschutz und Wirtschaft sind in keinem Fall ein Widerspruch, sondern Klimaschutz ist die Grundvoraussetzung dafür, dass Wohnen und Wirtschaft überhaupt eine Zukunft haben – wenn es so heiß wird, dass man hier nicht mehr leben kann, helfen auch Konzepte zur wirtschaftlichen Stärkung nichts.
Regensburg hat sich zum Ziel gesetzt, 2035 klimaneutral zu sein. Die jährlichen Berichte zeigen jedoch: Die Kurven, wo wir sein müssten und wo wir heute sind, gehen immer weiter auseinander. Das heißt schlicht, dass unsere bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen. Was wir brauchen, sind erneuerbare Energien vor Ort und eine Stärkung der entsprechenden Industrie. Das Mobilitätskonzept geht in die richtige Richtung – wenn wir es nicht mit einer Sallerner Regenbrücke ad absurdum führen würden. Im Bereich Bauen bin ich für Sanieren statt Abreißen. Zudem sollten wir möglichst wenig neue Flächen versiegeln. Artenschutz ist gerade in der Altstadt ein großes Thema, etwa wegen der vielen Fledermausarten. Und wir müssen nachhaltig bauen – das ist zunächst teuer, doch wir bauen heute für Menschen, die auch in zehn oder zwanzig Jahren noch gut dort leben sollen. Deshalb muss man von Anfang an die Zukunft mitdenken.
Dr. Thomas Burger: Umwelt- und Klimaschutz sind Innovationstreiber, das sieht man an Unternehmen in unserer Region wie Maschinenfabrik Reinhausen, AUMOVIO oder Schaeffler – sie alle beschäftigen sich mit Umweltschutz, um dort besser und wettbewerbsfähiger zu werden. Wenn wir bei Projekten wie dem Sportpark Ost und anderen städtischen Maßnahmen gezielt auf die Nutzung grauer Energie setzen (Anm. d. Red.: Damit ist die in Materialien und Bauwerken bereits enthaltene Energie gemeint – von Herstellung über Transport bis zum Bau – die man z. B. durch Recycling oder Wiederverwendung alter Betonplatten oder Stahlträger wieder nutzbar machen kann), gewinnen wir wertvolle Kompetenzen, die wir auch exportieren können. Gleichzeitig stärken wir die Innovationskraft in Regensburg und der gesamten Region.
Natürlich sehen manche zunächst vor allem die zusätzlichen Vorschriften, aber wer ener-getisch sinnvoll baut, spart deutlich bei den Folgekosten. Im Dom wurde beispielsweise auf eine LED-Technik und eine andere Heiztechnik umgestellt – das spart jedes Jahr zigtausend Euro.
Auch die Mobilität müssen wir grundlegend verändern. Das heutige System wird künftig weder funktionieren noch bezahlbar sein. Gleichzeitig steigt die Aufenthaltsqualität, wenn wir öffentliche Plätze mit mehr Grün und Wasser ausstatten und so die Aufheizung reduzieren. Die Energiewende wird oft als Bremse wahrgenommen, dabei profitieren Unternehmen, Privatpersonen und der Standort insgesamt davon. Viele Firmen haben das längst erkannt und investieren gezielt – diesen Spirit müssen wir befeuern.
Marina Triebswetter I filter Magazin